EKW001 Vögelreime

Die erste reguläre Folge also. Mit einem erbärmlich zweideutigen Titel, einer semisubtilen Nazianspielung und drei gereimten Dingsbumsen. Kann man so machen? Kann man.

Transkript

Morgengruß

Der Eichel häht:
„Ein Bussard busst
Am Himmel hoch!
Er busst bewusst
So hoch und träg
Und stürzt dann doch
Herab zum Schluss
Würgt jedes Eich!
Hörnt jede Natter!
Wündelweich
Mit Hochgenuss
Und macht die Flatter.“

„Wie findest Du die Intro-Musik?“ frage ich die Lebensabschnittsgespielin und sie druckst. Obacht, denk ich, wenn sie druckst, dann nicht wegen Sprachfindungstörung, sondern wegen „Wie sag ich’s ihm besonders schonend?“ Willkommen bei „Ein Koffer Wörter“, der täglichen Infusion verdichteter Buchstabenaerosole und wie sie diesen Titel findet, hab ich die vorgenannte Dame mich noch nicht zu fragen getraut. Ein Schock nach dem anderen, das war schon immer eine gute Strategie. Zumindest besser als „Lass uns die Franzosen, Engländer und die Russen gleichzeitig angreifen!“. Mein Name ist Matthias und ich grüße Euch herzlich vor euren Podcastempfangsgeräten. Dem eben gehörten Anfangsreim möchte ich einen zweiten hinzugesellen, der aufgrund seiner Vogellastigkeit gut zum ersten passt. Er heißt Regenrinnenrumtata und aufgrund meines „Wie-findest-Du-die-Intromusik-Traumas“ lese ich ihn jetzt einfach direkt vor, ganz ohne deprimierende Zwischenmusik.

Regenrinnenrumtata

2 Kleiber kacken inne Rinne
Ergo ist kaum Regen drinne
Sondern Laub und Vogelschiss
Ausgang: äußerst ungewiss
Rinnt ein Hypothesenregen
Eines Tags auf seinen Wegen
Von des Daches höchster Zinne
Wegen Schwerkraft inne Rinne
Mag die Kraft des Wassers reichen
Und den Kackekloß erweichen
Oder alles Regenstampfen
Lässt den Kloß sich nur verkrampfen
Und die Kacke ist am Dampfen

Ich habe inzwischen einen Twitter-Handle und einen Mastodon-Account, sie lauten so:
@kraehenpost auf Twitter sowie @kraehenpost@mastodon.social auf Mastodon

12 Uhr mittags als Veröffentlichungsdatum hat heute ja schon mal nicht geklappt. Richtig, sehr geehrte analfixierte Freundin, das muss sich wohl noch ein wenig einpendeln. Ebenso wie die Frage, ob ich mein treues Publikum nun eigentlich umarmen, ignorieren oder beschimpfen soll. Denn es ist ja so: Auch wenn ich hier im Prinzip nur um Anerkennung und Sympathie bettele, heißt das ja noch lange nicht, dass ich solches mit freundlicher Ansprache erreiche. Nur für den Hinterkopf also: Selbst wenn Du Dich von Zeit zu Zeit beleidigt fühlst, sei Dir doch meiner steten Hechelei nach Deinem Wohlwollen bewusst. Und damit komme ich bereits zum Ende dieser ersten regulären Folge von „Ein Koffer Wörter“, die ich mit einem kurzen, frisch gepressten Gedichtchen aus meiner Lebenswelt da draußen beschließen möchte. Bis bald also und Tschüß!

Abendröte

Es schrumpeln in der Abendröte
Gerdchen, Rolf und Margarethe.
Rolf und Gerdchen war’n ein Paar,
Was Margreth nicht so gerne sah.
Zwar war sie eher liberal,
Doch nicht, als Rolf ihr Gerdchen stahl.
Sie fand die beiden in flagranti
Im Gemeinschaftsbad. Da stand sie
Mit weit aufgeriss’nen Augen
Und sah Rolf an Gerdchen saugen.
Gerdchen wiederum, der hing,
Und nicht im übertrag‘nen Sinn,
Nah hinter Rolf, was visuell
Nicht ganz problemlos vorzustell‘n.
Es kam der Abend, kam das Essen,
Kamen Pillen und Vergessen,
Und schon morgens hing ihr Mann
Wie eh und je an Margreth dran.
Und Rolf saß traurig in der Ecke,
Träumte, starrte an die Decke,
Und fand Gerdchen wunderschön…
Ach, würd er nur herüber sehn!
Doch nur die and’ren sah’n Rolfs Nöte
Morgens in der Abendröte.

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