EKW002 High Noon

Hight Noon: Stimmt schon, ziemlich geiler Folgentitel. Ist aber eigentlich so wie letztes Mal: Typ, der alleine und ein bisschen zu schnell spricht und zwischendrin was Gereimtes vorliest. Was ja besser ist als, sagen wir, Kohlrouladen. Oder so.

Folgentranskript:

Abzählreim

Ene, Mene, Katzenpisse
Im Kontinuum gibt’s Risse
Eben war noch Kambrium
Schwups, bringt sich’n Mammut um
Hat mit seinem Rüsselknochen
Das Anthropozän gerochen
Rüsselknochen gibt es nicht?
Mammut, jetzt versteh ich dich!

Sagte ich 12? Ich sagte 12, oder? Ich hab mir die Einstiegsfolge nicht noch einmal angehört, aber ich bin mir relativ sicher, dass eine 12 im Spiel war. Ich verliere Dich gerade, oder? Okay. Ich komm noch mal rein.

Hallo, mein Name ist Matthias, das hier ist „Ein Koffer Wörter“ und ich glaube, dieser Podcast wäre deutlich angenehmer zu hören, würde ich mich mit einer stimmlich wohl kontrastierten Gesprächspartnerin über, sag wir, Dinge unterhalten. Das hat sich das Mammut aus dem Einstiegsreim vielleicht auch gedacht. Denn deutlich wahrscheinlicher als die dort geäußerte Hypothese, es sei im Vorgriff auf das Menschenzeitalter freiwillig einfach selbst ausgestorben ist ja die These, dass die Mammut aus Mangel an Verfügbarkeit geeigneter Fortpflanzungspartner- Gendersternchen -Innen von der Erdoberfläche verschwunden sind. Was wiederum rein semantisch gesehen recht unglücklich formuliert ist, schließlich lagen noch jahrtausendelang überall die Knochen dieser Biester herum beziehungsweise ganze Mammuts mit Haut und Haar und Schinken und Filetsteak, weil sie nämlich tiefgefroren im Eis vergeblich auf die Abholung durch den sibirischen Bo-Frost-Mann gewartet haben. Aber wie komme ich jetzt auf’s Essen? Richtig: 12 Uhr mittags. Um dieser Zeit wird ja täglich eine neue Episode dieses Podcasts hier veröffentlich und ich schwöre bei allem, was mir hoch und heilig ist, dass das auf ewig so bleiben wird. Und weil es zur Mittagszeit so gut passt, habe ich als nächstes einen Reim ausgewählt, in dem es ums Kochen geht und über dessen Titel ich nächtelang nachgedacht habe. Mindestens.

Der Topf

Auf des Herdes hoher Roste
Stand ein Topf, der blubbernd toste.
Hitze kam von unten her,
Was nicht überraschend wär,
Wäre da nicht ein Detail, das
Nicht so recht zum vord’ren Teil passt.
Dieser Topf, von dem die Rede
War, war wahrlich eher blöde.
Nicht, dass man von einem Topfe
Viel erwartet, doch im Kopfe
Sitzt die eine oder ande’re
Hypothese beieinander.
Töpfe, denkt man, können nicht
Wirklich viel. Sie sind meist dicht
(Außer sie sind einfach Eimer.
Und der Eigentümer – einer
Namens Heinrich – hat ne Liese,
Die den Kerl auf dieses stieße.)
Jedenfalls, ein Topf, der dicht ist,
Kocht halt, was grad so Gericht ist,
Ohne dies zu kommentieren,
Denn als Topf hat man Manieren!
Also siedete das Wasser
Ungestört, doch es wurd’ krasser…
Schon ein Blick unter den Boden
Hätt’ dem Topf das Lid gehoben,
Was bei Topfes-Mimik-Deutern
Wohl als Zeichen leichten Meuterns
Gegen klare Fakten gälte.
Topfvokabular für: Schelte.
Denn da unten war kein Feuer,
Keine Platte im Gemäuer
Eingefasst, mit Hitzespulen,
Wo sich Induktionsstrom suhlen
Kann, bis oben etwas köchelt,
Und vor Hitze hechelnd röchelt.
Woher also kam die Flamme,
Der des Topfes Glut entstammen
Konnte, und dank der das Gut
Seines Inn’ren kochen tut,
So, dass Eiweißmolekülen
Bald im Schweiß die Hüllen fielen?
Stand der Herd auf einer Spalte?
Worin Magma offen walten
Konnte, bis zur Topfestäuschung?
Könnte sein. Denn das Geräusch und
Der Gestank von unten her
Stützt die These eher sehr!
Trotzdem falsch. Es war ein Drache,
Der in einer großen Lache
Blut gerutscht bis in die Küche
War, und nun dank der Gerüche
Hungrig nach dem Essen schrie,
Während er sein Feuer spie.
Ob der Drache bald sein Essen
Kriegte, bleibt wohl im Ermessen
Eines Lesers dieser Zeilen.
Denn der Dichter mag nicht weilen,
Wo die Drachenherrschaft dämmert!
Bin ja schließlich nicht behämmert.

Fünf Minuten lange Podcasts sind übrigens, das zeigen alle Markforschungsresultate zu dieser Frage, tödlich viel zu kurz. Der/die Durchschnittspodcastzuhörer/in wünscht sich die lange und erschöpfende Behandlung eines Themas, so dass man nebenbei ohne umzuschalten oder neu auszuwählen Pendeln, Einschlafen oder Famiienfeiern überstehen kann. Ich persönlich mag kurze Podcasts sehr. Weil sie in der Produktion nämlich deutlich weniger Arbeit machen und das finde ich ein relativ wichtiges Argument. Man hat ja schließlich auch ein Leben neben diesem Podcast, in dem man beispielsweise andere Podcasts hört und produziert und seiner Familie darüber hinaus den aufmerksamen Ehemann und Vater vorgaukelt. Es hat, wie so häufig im Leben, alles immer mindestens zwei Seiten und das ist eine derart dämliche Plattitüde, dass ich Dich für heute mit einem allerletzten Gedichtdings in die echte Welt entlassen möchte. Es trägt den viel versprechenden Titel „Fremder Typ. Süßigkeiten. Ihr kennt das Spiel.“ Und während Du Dir noch einen Perversling mit schwarzem Pollkragenpulli, Peitsche und Milka-Schokohasen vorstellst, sage ich schon einmal: Tschüß!

Fremder Typ. Süßigkeiten. Ihr kennt das Spiel

„Wunder!“! rief der Typ von Beteigeuze,
Als er eines nachts die Erdbahn kreuzte
Und auf einem Feld in Iowa
Ein Einhorn sah.
Und als das Einhorn schließlich spät
Zuhaus, gefragt, ob’s Hunger hätt’
Die Snackmaschine zeigt,
Die’s jetzt am Euter trägt,
Da fragt die Mutter: „Welches Euter?
Und wos sag I jetzt die Leite?“
Zückt das Einhorn flugs ein „Schleck“
(Ein Beteigeuze-Mode-Snack)
Was keiner nie bereute
(Werbeslogan auf dem Beutel).
Schwups. War Muttern weg.

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