EKW004 Ein Häufchen Stuhl

Es gibt so viele Baustellen: Ein Impressum muss geschrieben, eine Intromusik ersetzt und ein neues Mikrofon ausprobiert werden. Findest Du langweilig? Super. Nichts davon wird in dieser Episode passieren!

Folgentranskript:

Hast Du’s auch grad gehört? Ja, oder? Mir ging‘s gestern Abend so. Zum ersten Mal seit Beginn dieses Projekts. Die Intromusik, ne, die Intromusik in diesem Podcast ist SCHEISSE. Hat die Liebste ja gleich gesagt, vielleicht erinnerst Du Dich, das war in Folge…, was weiß ich. Früh jedenfalls. Ziemlich früh. Ich muss das erst mal verdauen. In der Zwischenzeit gibt’s ein Katzengedicht, ein existentialistisches Katzengedicht allerdings, ein Katzengedicht zum Finger-ans-Kinn-legen, ein Den-Kopf-langsam-hin-und-her-wiegen-und -dabei-gleichzeitig-streng-und-entspannt-gucken-Katzengedicht. Ich versuche gerade, noch eine bessere Umschreibung zu finden, denn das Gedicht ist nicht sehr lang und Du erwartest ja bestimmt einen Podcast von minimal 5 Minuten Länge, also… Ich hab’s: Ein Zeit-Leser_innen-Katzengedicht! Das trifft es ganz gut und bevor ich das jetzt vorlese noch ein Versprechen: Niemals! Nie! Beim Leben des Propheten werde ich ein Zeit-Abo abschließen. Über Zeit Online KÖNNTEN wir reden, ja. Und die Podcasts sind ja TEILWEISE, „Zeit Verbrechen“ mal ganz explizit und für immer aus dem folgenden Lob ausgeschlossen, also die Zeit-Podcasts sind ja teilweise ganz gut. Aber dauernd diesen prätentiösen Altpapierhaufen vor der Wohnungstür zu liegen haben: Nein! Jetzt aber erst mal das Zeitleser-aber-Zeit-Verbrechen-Hasser_innen-Katzengedicht:

Taubeneier

Es lagen auf ‘nem Baum in Speyer
Taubeneier
Wo die Mutter, wo der Vater
Ist, ist unklar. So ein Mist.
Es klettert bald ein kecker Kater
Auf den Baum. Wo er dann sitzt
Und sinnt. Und lang verharrt er.
Starrt auf Eier-Waisen, ritzt
Die Schale. Die er wohl verspeisen
Will. Muss? Soll? Gedanken
Kreisen. Um die Lebensweise
Der er dies Malheur zu danken
Hat. Uralte Dogmen wanken
Scheiße, ey, wie mutterlos
Die Eier sind. Der große Kloß
In seinem Hals legt los:
“Du Mörder mutterloser Brut!
Find’st du das gut?!”
Nee. Aber lecker. Denkt der kecke
Kater, während er herunterklettert.
Und der Dotter tropft
Von seinem Kopf
Ins welke Gras
In dem voll Hass
Ein Täubchen mit gebroch’nem Flügel saß.

Den Gong, den mag ich übrigens. Ist einfach ein guter Trenner. Gerade wenn ich auch mal ernste Gedichte vorlesen täte, aber vor- oder nacher dne Schrott erzähle, den ich halt erzähle, dann ist so ein Gong perfekt. In den Radionachrichten sagen sie dann inzwischen oft „Jetzt ein krasser Themensprung“. Als wenn ich als Hörer das nicht selbst merken würde, dass die emotionale Fallhöhe zwischen einem neuen Elefantenscheißebeseitigungsverfahren in Hagenbecks Tierpark und Andi Scheuer ziemlich heftig ist. Aber darum geht’s ja wohl auch nicht. Eher um dieses zwinkerzwinker ich-habs’auch-grad-gemerkt. Apropos Elefantenscheiße. Apple. Apple Podcasts hat mir die Scheiße, genauer gesagt, das Scheißen aus der letzten Episodenbeschreibung „herausgesternt“. Ja wirklich. Nicht sehr konsequent, in der nächsten Zeile haben sie es stehen lassen, aber trotzdem krass irgendwie, oder? Das ist natürlich trotzdem keine Zensur, ihr Lieben, Zensur ist, wenn Frau Merkel bei Apple anruft und sagt, dass Apple die Scheiße aus meiner Episodenbeschreibung heraussternen soll, weil sonst, also, sonst passiert aber was! Und außerdem weiß ja auch jede/r sofort, was gemeint ist, wenn bei „Auf den Sommer s * * * * * * n“ diese Sterne stehen und die erste Zeile lautet dann „Ich scheiße auf den Sommer“. Das ist dann allerhöchstens sie schlechteste Zensur der Welt. So wie ein Youtube-Jüngelchen letztens unter ein Mr-Wissen-2Go-Video, in dem es darum ging, warum Deutschland keine Diktatur ist, also ein Youtube-Userlein jedenfalls kommentierte: „Oder, Deutschland ist halt die schlechteste Diktatur der ganzen Welt.“ Ja okay. Find ich einen guten Kompromiss. Apple hat mir jedenfalls das „Scheißen“ herausgesternt, was aber andererseits bedeutet, dass dieser Podcast inzwischen bei Apple gelistet ist und du ihm Sterne geben kannst. Mach das doch einfach mal bitte, ja? Und am besten noch eine richtig nette Bewertung reinschreiben. Und hier ist der Deal: Wenn Du in dieser Bewertung irgendwie das Wort „Dottersack“ unterbringst, dann wirst Du aber sowas von lobend erwähnt hier in diesem Podcast und vleiiecht schreib ich sogar eine Ode oder mindestens ein Sonett zu Deinen Ehren und dafür kann man doch mal „Dottersack“ in eine Podcastbewertung reinschreiben, oder? Die Gedichte in der heutige Episode haben aus Anlass des, ich nenn ihn mal „Apple-Incidents“ übrigens eins gemeinsam: Sie enthalten alle in irgendeiner Form das Wort „Scheiße“ oder „scheißen“, was gar nicht so schwer ist. Ich hab mal meinen Gedichte-Fundus via Volltext-Suche gescannt und die Liste ist gar nicht mal sooo kurz. Und dabei iat mir, und dann komme ich auch wirklich zum nächsten Gedicht, und dabei ist mir wieder mal aufgefallen, dass die Apple-Rechtschreibkorrektur das Wort Scheiße zwar kennt. Aber die Autovervollständigung und diese Swipe-Funktion auf dem iPhone kennen es nicht. Obwohl’s im Duden steht. Da kommt dann immer nur „Schweißer“ oder „Schreist“ und das ist einfach nur arm. Und arm ist irgendwie auch das Stichwort und ich bin wirklich heilfroh, dass es diesen Gong gibt, weil: Krasser Themenwechsel.

S41

Der Junge in der S-Bahn starrt
Das Mädchen an, das still verharrt.
Es krallt sich an den Kinderwagen.
Frühgebährend, wie sie sagen,
Dort im Amt in Moabit,
Wo es den guten Kaffe gibt,
Links, an der Tanke Putlitzbrücke
Agib, scheißegal, sie rücken
Stets zusammen, wenn sie kommt.
Die Kleine plärrt nur selten und
Kriegt häufig noch an Ort und Stelle
Gläßchen aus der Mikrowelle.
Denn im Amt wird‘s dauern. Immer.
Wann? Warum? Kein‘ blassen Schimmer.
Und der Junge starrt ihr nach
Die Westhafener Bahnsteig-Brach
Entlang. Die Ringbahn fährt , er schlägt
Das Heft auf. Holden Caulfield trägt
Die ganze Last von 16 Jahren
Durch Manhattan. Alter. Waren
Das noch Zeiten. Und Probleme.
Heut‘ gibts Ritalin-Ödeme
Und dies Mädchen mit dem Kind.
Fuck. Und doch: Wahrscheinlich sind
Sie alle ziemlich gleich gefickt
Vom Leben in die Bahn geschickt
Den Ring, S41, wo
Ein Hämatom am Arsch (und so)
Kaum stört, weil‘s keinen interessiert.
Man starrt und liest und hat‘s kapiert.

Ich muss, bevor die Folge vorbei ist, noch einen Gruß loswerden, an meine Mudda. Die sagte mir letztens mit Bezug auf ein anderes, leicht erfolgreicheres Podcast-Projekt von mir, ich würde zu viel das Wort „Scheiße“ verwenden. Ja dann geh doch zu Apple! Mama! Ihr liegt da ja ganz offensichtlich auf einer Welle. Apple und Du! Meine Mudda hat mir auch die Verwendung des generischen „Se-s“ beigebracht. Wie in „Hamm se gesacht.“ „Nimm einen Schirm mit, Junge. Es soll regnen heute, hamm se gesacht!“ Oder „Ach die Antwort kenn ich. Hatten’se gestern erst beim Jauch.“ Oder bei Klein-Gegen-Groß. Ich hab keine Ahnung, wie diese ganzen Fernsehsendungen heute heißen, doch ich schnappe bei Elternbesuchen einiges auf. „Den Autor hatten’Se letztens erst bei Böttinger!“ Böttinger, das hab ich inzwischen verstanden, ist nicht der Name des Schlachters. Der heißt „Metzger mit dem Zopf“ und macht eigentlich nur noch so Party-Catering. Machte. Corona halt. Weißt du, wer noch schlimmer ist als „se“-Sager? Sesselpuper, die sich über Se-Sager lustig machen, vor allem wenn’s die eigenen Eltern sind. Ja stimmt. Tschuldigung Mama. Hab Dich lieb. Tschüß.

Die Scheiße mit der Scheiße

Was ist das eigentlich für ein Leben,
Das sie uns zum Leben geben?
„Sie“ – Und das ist interessant –
Sind dabei Phänomen von Stand
Und Status. Bist du wohlbestellt
Mit Bildung, Freundschaft oder Geld
Bist Du dabei. Bist Du das „Sie“,
Das uns bestimmt. Dann hast Du nie
Gedacht, dass irgendwelche Mächte
Alles regeln. Gute, schlechte,
Miese Zeiten dir bereiten
Und doch alle Schuld bestreiten.
Bist Du aber nicht dabei,
Kraft Chromosomen, Geld und schrei-
end großem Unrecht, hast du Pech.
Dann war Gott wohl ein Arschloch, nech?
Dann musst du mit dem Scheißgefühl,
Dass SIE Dich ficken, ins Gewühl
Des Lebens stürzen
Und – guess what –
Natürlich gibt es keinen Gott.
Kein „Sie“ und auch kein Scheißsystem
Ich weiß es, denn ich hab‘s geseh‘n.
Es gibt nur Dich und uns hier oben.
Alles and‘re ist gelogen.

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