EKW006 Irisches Tagebuch

“Es flog eine Krähe nach Dublin / Trank dort ein Paulaner im Czech-Inn / Aß Aas beim Chinesen / War lecker gewesen! / Und zog wieder los, in den Wahnsinn.” Dieser Limerick ist so daneben, dass er es nicht in die Episode geschafft hat. Dafür diese hier:

Es fraß mal ein Schaf eine Eiche
Weil Gras ihm zum Dasein nicht reichte.
Der Stamm – alt und krumm –
Gab nach und fiel um
Das Schaf machte „Mäh!“ und erbleichte.

Liebe Kitty – diese Folge heißt „Irisches Tagebuch“ und alle meine Tagebuchwitze fangen mit „Liebe Kitty“ an. Solltest Du gerade völlig auf dem Schlauch stehen: Du hast absolut nix verpasst außer dumme, unemphatische Kackscheiße.

Hi, ich bin Matthias und bevor wir mit der üblichen von Reimen gespickten systematischen Abschweiferei beginnen, lass uns kurz über die Intromusik… Ja, Du kannst „Liebe Kitty“ auch einfach mal schnell googlen. Am besten nicht mit Google. Ich find DuckDuckGo ganz brauchbar und auch da steht in den ersten Treffern, dass der fünfte Tagebucheintrag der Anne Frank sowie auch alle folgenden Einträge mit „Liebe Kitty“ beginnen. Wir mussten dieses Buch damals im Deutschunterricht lesen und ich fand es recht nichtssagend, was einiges über das pubertäre, arrogante Arschloch names „ich“ aussagt, das ich damals war und manchmal immer noch bin und diese „Liebe Kitty“-Referenz stammt irgendwo aus dieser Zeit. So, das musste noch mal kurz klargestellt werden und keine Sorge, heute wird’s ansonsten brüllend komisch.

„Irische“ Tagebücher gibt natürlich schon, das in Deutschland wohl berühmteste stammt von Heinrich Böll und das hatte ich dabei, als ich mit der Familie nach Irland fuhr und mir abends spaßeshalber die Aufgabe stellte, ein immer wieder neues Irisches Bier, Ale, Cider, Hauptsache Alkohl, zu trinken und mir dabei einen Limerick auszudenken. Die Resultate sind natürlich dementsprechend bescheiden, aber bevor wir da jetzt etwas tiefer einsteigen, lass uns doch noch kurz über die Intromusik reden, also dieses Chinagebimmsel der letzten Folgen. Ich hab keine Ahnung von chinesischer Musik, nur jede Menge Vorurteile und die ironische Verwendung eines chinesischen Introjingles ist vor diesem Hintergrund ja eigentlich ziemlich kacke. Auch wenn ich von jeher eher zu Taiwan-Ultras gehöre, aber das ist ja – zumindest kulturgeschichtlich gesehen, schon das Gleiche. So, hab ich jetzt irgendein Fettnäpfchen ausgelassen? Gucken wir später, jetzt nochmal zur Intromusik. Die hab ich, das hast du ja gehört, ausgetauscht durch irgendwas selbst gezimmertes und zwar etwas, was ich eben mal kurz einschieben konnte, weil ich nämlich sowie so ein Klavier-Dingsi hier heben dem Schreibtisch zu stehen habe – hier ist der Beweis – und das ist sicherlich noch nicht der Weisheit letzter Schluss aber immerhin besser, als sich über die musikalische Leistung und Tradition eines Milliarden-Volkes lustig zu machen, ohne dass es dafür einem sinnvollen Grund gibt. (Also, sinnvolle Gründe gibt es bestimmt, aber nicht für mich, heute, daa muss ich vorher noch zwei, drei Wikipedia-Artikel lesen.). Äh… Limericks!

Ich war in Limerick, zumindest in der Grafschaft Limerick, und ich fands ganz okay-ish da, aber jetzt nix, zum dringend als erstes hinfahren, wenn du mal in Irland bist. Da gibt’s coolere Spots, beispielsweise: Den ganzen Rest von Irland. Oder, spezifischer: Dingle.

Am Lighthouse bei Dingle in Kerry
Schlürft Aine wie bekloppt Bloody Mary.
Sie hat in der Bucht
Grad den Tümmler besucht
Der ihr “Kackbratzen-Kuh!” hinterherschrie

Nein, natürlich kann der Tümmler in der Dingle-Bay keine deutschen Schimpfwörter, ich weiß nicht mal, ob er überhaupt noch lebt. Aber Dingle ist ganz schön, wie sowieso die gesamte Westküste Irlands. Und ganz speziell Dingle ist einfach ein cooler Name, um Limericks zu schreiben. Zum Beispiel den hier, da hab ich mich, gerade mal eine Woche in Irland, dazu verstiegen, so einen richtigen englischen Limerick rauszuhauen. Nun ja:

There was an old lady in Dingle
Who couldn‘t get used to be single.
So she married Pat
And when he was dead
She cooked him to stew. Sad, but simple.

Heinrich Böll ist übrigens häufig mit seiner Familie nach Achill Island gefahren, in den allerwestlichsten Westen von Irland, und da, Freunde der Sonne, ist es mal so richtig, richtig, schön. Wir ignoranten Idioten wussten das natürlich alles nicht, sind mehr oder wenig zufällig auf Achill gelandet und mehr oder weniger vollkommen planlos in dem Hotel geladet, dessen Besitzerfamilie Heinrich Böll immer sein kleines Häuschen ein paar Meter weiter vermietet hat. Jetzt träumen wir natürlich schon seit Jahren davon, irgendwie einmal durch Lottogewinn, Connections und Erbenmord irgendwann mal selbst das Bervie Guest Accommodation auf Achill zu kaufen, aber John und Elisabeth sehen noch ziemlich fit aus und vielleicht wird die Sache dann doch nix.

Der Supermac’s östlich von Clifden
Betört mit den köstlichsten Düften.
Wer Black Pudding, Twist,
Und den and’ren Mist frisst
Kriegt gratis noch Speck. Auf die Hüften.

Wer denkt, dass Burgerking oder McDonalds schäbbige Fetthöhlen sind, war noch nie in einem Supermacs. Das ist die größte Irische Fastfoodkette und alter Schwede, dagegen ist Meckes Gold, ganz ehrlich. Aber tatsächlich gibt’s da auch diesen ganzen irischen Fleischmist wie „Black Pudding“, also eine Art Blutwurst und das willst du zwar um nichts in der Welt essen, aber du willst unbedingt die Leute sehen, die sich das ernsthaft bestellen und idealerweise hast du sogar eine geeichte Personenwage dabei, um auch mehr oder weniger amtlich feststellen zu können, was das Zeug mit dem menschlichen Körper macht. Nur soviel: Es ist nicht alles schön in Irland! Das mag auch am sogenannten „Full Irish Breakfast liegen, bei dem es neben Blutpudding auch den ganzen anderen Scheiß gibt, der auf den Inseln als lecker gilt. Tatsächlich ist man nach einer solchen Mahlzeit aber so erschlagen, dass das auch direkt auf’s Sprachzentrum durchschlägt:

One fragt sich, wie Eggs and the Worst-chen
Den Cholesterinmirror bursten.
A Full Irish Frühstück
Is so gesund! Und zum Glück
Stillt ein Kilkenny den Thirst, then.

Wenn Du noch weiter nach Norden fährst, kommst Du, wer hätte das gedacht, nach Nordirland und da willst du besipielsweise hin, wenn du Riesenfan von Game of Thrones bist, denn viele Drehorte der Serie liegen in Nordirland. Kurz bevor du aber nach Nordirland kommst, wo alles auf einmal tatsächlich ziemlich britisch aussieht, komst du an der Küszte in Belmullet vorbei. Ich hab ehrlich gesasgt keinen Peil, obs da schön ist oder schäbbig. Ich hab nur einen Limerick gefunden, den ich dort geschrieben habe und dir natürlich nicht vorenthalten möchte:

Ein Hund stand am Strand von Belmullet
Und starrte gebannt auf das Bauchfett
Der Briten am Meer
Und er jaulte so sehr
Dass sein Bellen nur langsam verhallet

Das hier soll jetzt kein akustischer Reiseführer werden. Ein paar Stichworte wären noch „Skellig Michael“, „Cliffs of Moher“, „Giant’s Causeway“ „Titantic Museum in Belfast“ usw. usf. Aber eigentlich geht’s ja einfach nur darum, dass ich ein paar gammelige Limericks von früher zweitverwerten und dir mitteilen kann. Ehrlich gesagt würd’s mir schon reichen, wenn diese eine Botschaft hängen bleibt: Fahr nach Achill Island, aber kauf uns das Bervie nicht vor der Nase weg! Und, falls du literarisch interessiert sein solltest: Ja, man kann den Ulsysses von James Joyes mit auf die Reise nehmen, um das Buch endlich mal im Original zu lesen, aber das Tagebuch der Anne Frank ist trotzdem viel, viel besser. Und verständlicher.

Tschüß!

Bei Keel sind zwei prächtige Kübel
Voll Blumen recht irreversibel
Von Schafen gekaut
Und dann wiederverdaut
Worden. Paarhufer sind da penibel.

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