EKW011 38317

Peter Maffay. Das ist das Niveau. Und damit nichts gegen Herrn Maffay. 1991 veröffentliche er eine Schallplatte mit dem Namen 38317. Und wenn du diese Zahlen in einen alten Taschenrechner eingibst und ihn umdrehst, dann „Whaaaat?!“explodiert dein Gehirn und Du bist total geflashed von diesem Trick, das Word „Ficken“ nicht auf ein Plattencover zu schreiben, auch wenn’s nur darum geht.

Ziehen in der Brust

Was kann denn Liebe sein, wenn nicht Verlust
Von Freiheit, Freuden und Gewinn von Fron
Von Leibesqualen, Spott und Freundeshohn
Was kanns denn sein, als Ziehen in der Brust.

Was kann denn Liebe sein, wenn nicht Verlangen
Und Geschlechtstrieb, nebelhaft verhüllt,
Wo geile Gier aus vollen Poren quillt
Was, wenn nicht Samenstau, verbal verhangen.

So ist die Liebe nur ein Feigenblatt
Des Geistes für den Arterhaltungstrieb
Und birgt denn nichts als auch die Lüge hat?

So gibt, was ich Dir liebeslüstern schrieb
Nur Selbstaufgabe Sinn und sagt Dir statt
“Komm lass ‘ma bumsen” zart “Ich hab Dich lieb”.

Ich hab Dich übrigens auch lieb. Das Sonett und die Liebe, das hört irgendwie zusammen. Das hat Gründe und die heißen Italien und Petraca und Dante und dann auch Shakespeare und weiße wat, das kannste alles bei Wikipedia nachlesen, denn Podcasts, in denen vornehmlich Wikipedia vorgelesen wird, find ich, gelinde gesagt, scheiße. Und weisse, wat ich auch scheiße finde? ZU viel Gelaber über einfache Dinge, die nur deshalb kompliziert sind, weil Menschen beteiligt sind und Menschen sind, genau wie Podcasts, in denen vornehmlich Wikipedia vorgelesen wird, gelinde gesagt: scheiße.

D & D

Allein weil sich Möwe auf Löwe gut reimt
Ist längst nicht semantische Deckung gemeint
Das kann man zum Beispiel bei den beiden sehn:
Der Löwe heißt „Dieter“, die Möwe „Doreen“

Die Möwe liest Krimis, der Löwe hört Pop
Er will dauernd kuscheln, die Möwe mag’s grob
Er singt gern beim Töten, sie singt überall
Und isst fast nur Sushi, er gerne mal Dal

Er putzt sich sehr häufig, sie findet das eher
Arg etepetete, das nervt sie schon sehr
Und fragt sich mitunter, ob Dieter auf Zeit
Der richtige ist, doch das bringt sie nicht weit

Denn Dieter verdient gut, der Dieter hat Geld,
Doreen hat nur Dieter, sonst nichts auf der Welt
Sie müsst, um auf eigenen Krallen zu stehn,
Was lernen, ‘nen Job suchen, Arbeiten gehn

Das ist ganz schön mühsam, ach Dieter ist schon
Okay, stets bemüht und beflissen und so,
Und braucht eine Möwe denn eine Vision?
Der Dieter hat Geld! (Ach, das hatten wir schon…?)

Ihr Lieben, die Sache ist hochkompliziert
Und fragt man den Dieter, wirkt dieser frustriert
„Ach, hätt ich!“ schnurrt Dieter, und putzt sich pikiert,
„Dem Vogel die Flügel bloß nie amputiert!”

Öffentliches Ärgernis

Kerstin küsste an der Küste
Birgits Brüste
Holger sah durchs Okular
Das holde Paar
Und rannt‘ im Schockzustand zum Strand
Wo er sie fand
„Vermiest mir nicht durch wüste Lüste
Meine Küste!“
Rief er während er knietief
Durchs Wasser lief
Doch das ging schief: Er fiel
Im Priel und triefte.
Kerstin keuchte viel
Und Birgit schniefte
Bis zum Kuss
Am Schluss
Wenn das die Küste wüsste…

Es ist nämlich so: Die Liebe ist der reinste Klamauk. Einfach ein Bündel absurder Paarungsermöglichungsemotionen, das nach und nach durch Nestbautrieb und Durch-Dick-und-Dünn-Parolen ersetzt wird. Es muss allerdings Durch-Dünn-Und-Dick-Und-Zurück-heißen. Zumindest im Durchschnitt und das ist ja ganz praktisch, wird der Sarg nicht so teuer. Liebe gibt’s. Sie ist sozial und biologisch sinnvoll und damit hat sich die Sache. Aber wie das so ist mit der Natur: Es gibt totgefahrene Katzen, Massenaussterben und auch sonst läuft nicht alles nach Plan. Nicht nach unserem Plan, zumindest.

rhapsodie in woll

´schab nix von dir gehört, woll
has‘ allet stehn und liegen
lassen, allet nur mein herz, woll
dat bisse noch am biegen

ischasse dieses lied, woll
wat du so gern gesungen
has‘, fand‘s echt voll krass und toll, woll
dann bisse abgesprungen

´schweiß ganz genau, wat du, woll
als nächstes bis am planen
dran, hols‘ dir die alte flex, woll
und schneids‘ mein herz auf. amen.

Und dann kommt die eigene Gefühlskacke ins Spiel. Die Zeit, nach er du ewig auf den Bildschirm starrst, weil Sprache ein echt mäßiges Tool ist, um den Gefühlskram in Dir drin auszudrücken und irgendwie festzuhalten oder loszuwerden. Es ist meist auf perverse Weise beides gleichzeitig und wenn Du nicht gerade Symphonien schreiben, Facebook gründen oder ein paar Leute entlassen kannst, dann bist du mit der Scheiße alleine. Manchmal sogar jahrelang, weil’s nur in Deinem Kopf passiert ist und du das What-if-Spiel immer weiter drehst

Moleküle

Der Haufen Kohlenstoff und Wasser lacht
Ich hab ihr Quittenmarmelade, Charme und Twitterwitze mitgebracht
Wir rauchen Zigaretten, so wie früher, als wir noch unsterblich war’n
Lass uns zur Hölle fahr‘n, sag ich
Und sie: Die schöne Marmelade!
Ist dabei sehr schön, wie damals in der Achterbahn, als sie ganz nah
Zehntausend Kilometer unerreichbar war
Obwohl nur eine handbreit Treueschwur dazwischenlag
Der Haufen Kohlenstoff und Wasser bläst ein Wölkchen Träume in die Nacht
Sie ist ein echter Mensch geworden
Schaut mich an: Küsst du mich noch?
Denn für verpasste Chancen gibts vom Teufel keine Orden
Weißt ja gut Bescheid, sag ich
Und doch
Hab ich’s gemacht

wenn du gehst

du sagst mir, dass du gehen willst
weil unser leben nicht genügt
dass deine schönheit nicht mehr gilt
und auch dein lachen nicht
aus angst, dass es mich bald zu oft belügt
die hände nicht, die mich so oft berühren müssen
und auch mein finger nicht, der deinen mund verführt
weil deine beine nicht genügen, die ich küsse
wie auch das offne fenster nicht
an dem wir uns bei regen lieben und geborgen wissen

packst kisten für den schmuck, den ich dir schenkte
und die ironischen geschichten, die ich schrieb
was von den ersten deiner briefe blieb
den weihnachtsstern, den ich ans fenster hängte
schlägst eilig in papier die großen pizzableche
die weißen teller, grünen gläser, blauen messer
die uns begleiter waren, zeugen unserer gespräche

und alle bücher, deren seiten eselsohren haben

ziehst unsre betten ab und unsre laken
und alle bilder stellst du an die wand
bestellst die männer, das klavier,
auf dem wir vierhändig zu spielen nie geschafft, zu tragen
und rollst das poster ein
um das wir uns so oft gestritten haben

nimmst deinen mantel, reichst mir deine hand
als sie die kisten schon ins fahrzeug heben
ziehst mich heran und sagst: steig endlich ein
in unser leben

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