EKW16 Tinder-Trilogie

Hallo du toller Mensch, der/die du noch immer meinen Podcast hörst. Das ist gar nicht so selbstverständlich, du könntest ja schließlich auch stumm und wütend Fleisch in Dich hineinstopfen oder durch Tinder-Bildchen hindurchwischen. Vielleicht weißt du auch gar nicht, was Tinder ist und verstehst vor diesem Hintergrund die Genialität des heutigen Folgentitels gar nicht. Ja, lach nicht. Es gibt Menschen, an denen ist Tinder, das ja auch schon wieder ziemlich angestaubt ist, kompletto vorbeigegangen. Das vergessen die Twitter- und Insta-Häschen da draußen gerne schnell. Dabei hast du selbst nur so irgendwie mitgeschnitten, was dieses TikTok eigentlich ist und fühlst dich gleich ziemlich alt, wenn ich dir jetzt sage, dass dein hippes Instagram heute 10 Jahre alt geworden ist. Die „Tinder-Trilogie“, so heißt die Folge heute. Und Igor hat mal ein bisschen für uns recherchiert, was es damit eigentlich auf sich hat:

Igor

Das Handy summt und Igor stöhnt,
Denn was er sieht, nein, das versöhnt
Den Igel nicht. Der wirft enttäuscht
Das Handy weg mit “F•CK!”-Geräusch.
“Ich wollte doch bloß ein paar Schnecken
Checken und dann niederstrecken”,
Sagt er stark frustriert zum Dachs,
Der lax durchs Gras am Waldrand stakst.
Und Igor folgt. Soll doch der Finder
Seines Handys dieses Tinder
Und die ganzen geilen Schnecken,
Sie sich darin wohl verstecken
Soll’n, versteh’n. Doch Igor hat
Die miesen Penisbildchen satt.

Gleich mal ein riesengroßer Disclaimer: Es gibt keine Penisbilder bei Tinder. Hat es nie gegeben. Wird es nie geben. Weil die Typen auf Tinder nämlich ausschließlich zärtliche Kuschelhasen sind, die potentielle Geschlechtspartner/Innen mit ihrer humorvollen Art zum Lachen bringen wollen. Denn das ist es doch, worum‘s eigentlich geht. Um‘s gemeinsam Lachen. Nicht um Penisse und nicht ums Jahresbrutto. Dafür gibt’s Elitepartner. Ich bin in einem Alter, ich hab Freunde, die völlig ironiefrei Elitepartner nutzen. So verzweifelt sind die. Irgendein Comedian hat das vor vielen Jahren auf die Formel „Reste ficken“ gebracht und NEIN! Das ist entmenschlichend. Niemand sollte Rest sein. Aber das ist eben der Unterschied zwischen dem Sollen und dem Sein. Ich als Empiriker sage: Es gibt ihn, diesen Rest. Ich bin dieser Rest bzw. könnte dieser Rest sein. Hab ich noch letztens zu Fredo gesagt und er hat das überhaupt nicht abgestritten.

Krass sachliche Romanze

Wir trafen uns in Hasselberg, der Autobahnraststätte
Ich hatte ihr Foto auf Tinder geliked
Und sie sofort „Hey ;)“ Voll die Nette!

Sie wollte ein Nudie, ich hab es geschickt
Zwei Stunden gewartet und auch eins gekriegt
Und denk noch “Die faked, jede Wette!”

Ich poste Emojis, so Herz, Einhorn, Wein
Wo ich halt denk: Könnt was für Mädels sein
Und einen Tag später schickt sie einen Link
Mit Geodaten aus Hessen
Ein Rasthof, laut Foursquare ein Reinfall: Es stinkt,
Voll teuer und sauschlechtes Essen
Darunter ein Foto plus Datum plus Zeit
Und scheiße das Foto war geil!
Beim Shooting, kein Scherz, war sie richtig breit
Und ging mit ´ner anderen steil.

Ich noch so zu Fredo: “Das meint die nicht ernst!”
Und er so: “Wir fahren da hin!”
Und samstags um elf sitz ich da und, kein Scherz,
Ich seh sie und mir klappt das Kinn.

Haare zum Klettern, Rapunzel und so!
Gesicht wie gemalt und ein J.Lo-Po!
Und sie so: „Was kann ich dir bringen? Hallo.“
Und ich nur so: „Alles?“ Von Sinnen…

Ihr Name war Jenni mit einfachem i
Hey, Jennifer Lawrence war nichts gegen Sie
Der Arsch nicht, und auch nicht die Titten.

Am Sonntag hab ich sie bei Tinder gelöscht
Sie stank halt voll übel nach Fritten.

Ich hab ja in Folge 11 schon mal viel über die Liebe gesprochen und: das finde ich das wirklich ehrliche an Tinder. Matchen, Chatten, Daten heißt es auf der Startseite, nicht „Alle 37/10-Sekunden zwingt sich ein verzweifelter Idiot sich in eine andere verzweifelte Idiotin zu verlieben“. Liebe ist dabei nicht ausgeschlossen, im Gegenteil. Wir frickeln uns das schon irgendwann so zurecht, dass wir’s ohne rot zu werden Liebe nennen können. Aber wenn das wenigstens alle auch mal zugeben würden, wär schon viel gewonnen. Stell dir vor, du stehst da auf dem Empire State Building und wartest auf diese eine Liebe und die kommt nicht und dann siehst du jemand anderen dort stehen, der/die zwar nicht die/der eine ist, aber auch ganz nett. Und nu? Ihr geht nach Hause? Really? Wenn die Welt so funktionieren würde, wär‘ nach Adam und Eva aber mal gar nix mehr gekommen! Die Alte, die ihm den Apfel reingedrückt hat und der Alte, der 100 Jahre lang mit diesem passiv-aggressiven Du-bist-Schuld-Mantra durch die Dornen rennt. Die wären einfach mal verbittert und verbiestert gestorben und heutzutage würden alle Echsenmenschen-Dschungelcamp gucken. Liebe ist gleich Interesse minus Alternativen mal Überwindung.

Oder, sie kommt einfach von tiefstem ganzem Herzen:

Schabe im Herzen

Isch habe eine Schabe
Die Schabe hab isch lieb
Ihr lieblisches Gehabe
Hat misch das Hirn zersiebt.
Die Schabe aß den Kuchen
Isch aß den Kuchen auch
Um dort nach ihr zu suchen
Schwupps! War sie in mei’m Bauch.
Die arme kleine Schabe!
Hab sie in misch versenkt
So wollt isch’s immer haben
Im Herzen, zwar… Geschenkt.

P.S.: Ich habe einen Kurzausflug in einen befreundeten Podcast gemacht. Der heißt „Roboter und Pilze und ich hab ihn in den Shownotes verlinkt (hier: https://open.audio/library/tracks/94334/). Timm Süß, ein Podcast- und Sound-Tausendsassa ist unter die Zeichner und Illustratoren gegangen, dokumentiert seine Fortschritte in diesem Podcast und er und ich haben ein kleines Joint-Venture veranstaltet in dem er gezeichnet hat und ich gedichtet. Ist cool geworden.

Und damit zum letzten Reim-Dingsi von heute. Hat eigentlich nix mit Tinder zu tun aber schon was mit Liebe, irgendwie. Und ich musste es unbedingt heute noch in die Folge reinbekommen, weil doch die Physiknobelpreise verliehen wurden und dieses Gedicht, also thematisch… Hör‘s Dir einfach an und wenn’s nicht klick macht. Kein Problem, hat bei mir auch gedauert. Tschüss und bis zum nächsten Mal!

Die Schützes von nebenan

Im Zentrum der Milchstraße
Sitzt eine Quetsche
Die hat einen Schwager
Der neben mir wohnt

Im Zentrum des Schwagers
Erhitzten gefletschte
Vergoldete Brücken
Die Nachbarin schon

Im Zentrum der Nachbarin
Quietschen der Wäsche
Die Spitzen entzückend
Durch dürren Beton

Im Zentrum der Spitzen
Spritzt liebes Gequietsche
Auf goldene Brücken
Dynamisch im Ton

Im Zentrum des Quietschens
Schwitzt glücklich die Quetsche
Galaktische Schwaden
Dem Schwager zum Lohn

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.