EKW020 Evaluation Day

Kennst du das? Manchmal, wenn ich wieder einmal unter schweren Minderwertigkeitskomplexen leide, brauch ich irgendwas zum daran Festklammern. Dann erinnere ich mich zum Beispiel daran, dass ich einmal Wissenschaftler war…

Nee, anders. Lass mich mal gleich zum Punkt kommen.

Erinnerst Du Dich noch an Folge 11? 38317? Wenn ja, wirst du vielleicht festgestellt haben, dass ich ein eher skeptisches Verhältnis zum Thema Liebe habe. Nein, nicht in der Weise, dass ich ihre Existenz leugne, ich hab ja so in Etwa gesagt: Sie ist evolutionär so dermaßen praktisch, also funktional, dass es vollständig absurd wäre, wenn eine der evolutionär erfolgreichsten Spezies des Planeten die Existenz der Liebe leugnen würde… Ja okay, ganz offenbar hat die Fortpflanzung in den letzen Jahrtausenden meist auch ganz gut ohne Liebe funktioniert, aber das ist noch mal ein ganz anderes…
Weißt du was? Ich fang noch mal von vorne an:

Hi. Matthias hier. Ich bin/war ja Wissenschaftler und hab mich viele Jahre im Umfeld der Evaluationsforschung getummelt. Also der Wissenschaft, die sich mit der Frage beschäftigt, wie sich Effekte bestimmter gesellschaftlicher Veränderungen oder Programme wissenschaftlich intersubjektiv nachvollziehbar untersuchen und bewerten lassen. Und da liegt es nahe, dass ich auch auf der interindividuellen bzw. persönlichen Ebene das Instrumentarium der Evaluationsforschung heranziehe, um z. B. eine Partnerschaft, eine Beziehung…

Himmel.

Die Frau meines Lebens hat Geburtstag. Heute. Und ich hab kein Geschenk. Also: Schon, ja. Den üblichen Killefit. Aber jetzt nix, wo sie oder Außenstehende wahrscheinlich denken: Holla! Ich will aber ein Holla-Geschenk machen, denn so ein Geburtstagsschenk ist ja nun mal, ob du’s nun mal willst oder nicht, ein Statement: So viel bedeutet mir unsere Liebe. State of the Union. Quasi eine Art Halbjahreszeugnis. Findest Du nicht? Gut für Dich. Zumindest sehr bequem. Lass mich raten: Ihr schenkt Euch sowieso meistens nix. Oder schenkt Euch zusammen größere praktische Dinge. Einen gemeinsamen Urlaub. Einen Aufsitzmäher. Eine Hollywoodschaukel. Sehr praktisch, seh ich ein. Weißt Du was? Du musst das hier auch nicht zu Ende hören, fahr doch einfach eine Runde mit Deinem, stopp, ich korrigiere, Eurem Aufsitzmäher durch die Gegend und freu Dich darüber, dass Du Dich nicht mehr anstrengen musst. Ach, das findest du jetzt ein bisschen sehr verkürzt? Ihr liebt Euch einfach auf einer tieferen Ebene, die keiner materiellen Bestärkung bedarf? Entschuldigung, aber ich rede auch nicht von materiell. Ringe, Uhren, Ketten, Ohrringe, Mobiltelefone, Computer, Fahrräder, Urlaube: Ja, hab ich schon geschenkt. Been there, done that. Aber davon rede ich jetzt nicht. Es muss halt ganz genau passen.

Es muss, wie gesagt, diesen “Holla”-Effekt haben. Diese bürgerliche Entsprechung von “Ich-rette-Dich-aus-der-Toilette-eines-brennenden-Zuges-No-Matter-What! Nur ohne Zug. Und ohne Feuer. Aber ein Holla-Geschenk sagt eben: Ich WÜRDE, Schätzelein, ich würde! Ist eben Pech, dass brennende Züge derart aus der Mode gekommen sind. Und selber einen anzünden, um dann die große Show abzuziehen: pfff. Also erstens ist das gefährlich und man gefährdet ja auch andere. Kann ja niemand sicher davon ausgehen, dass die anderen Menschen auf Zugtoiletten auch mutige Lebensgefährten in Reichweite haben, die sie da rausholen. Und zweitens ist es ja auch uncool, sowas zu erzwingen. Es müsste sich schon spontan ergeben. Und am besten genau am Geburtstag. Da brauchste Glück, großes Glück. Lottoglück. Holla-Geschenke sind da anders. Sie verlasen sich nicht aufs Glück, sie erschaffen Situationen des verlässlichen Hollas.

Schlachtplan

Sie kam und sah und blieb. Und da
War ich, der leicht befremdet war
Geschmeichelt zwar und glücklich: Ja!
Doch skeptisch. War der Dame klar…

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