EKW027 Wer hat die Welt kaputt gemacht?

Verdient gemacht

Ich hab ein Haus auf Usedom,
Da wohnte meine Oma schon.
Sie kriegte es wohl vom ZK,
Weil sie so nett zu Ulbricht war.
Sie hat, speziell im jungen Alter,
Gut gesorgt für Ulbrichts… Walter.

Wer hat die Welt kaputt gemacht?

Welch gerüttelt Maß Naivität doch in dieser Frage steckt, enthält sie schließlich nicht weniger die Hypothese die Welt sei vormals heil gewesen. Ja, mehr noch, es gäbe also mindestens diesen einen Zustand theoretischer Unversehrtheit. Wow, wow, wow! Watt’n Quatsch! wie der selige Dieter Krebs auf solch Unbedarftheit zu antworten wusste. Kein Bier im Haus, und du kaufst Möbel! Ich aber sage Euch: Schaut die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht!

Na und ob! Und wie sie spinnen, denn wahrlich, ich sage dir: Siehe, ein fahles Pferd; und der auf ihm sitzt, heißt ‚der Tod‘; und die Unterwelt zieht hinter ihm her. Und ihnen wird die Macht gegeben über ein Viertel der Erde, Macht, zu töten durch Schwert, Hunger und Tod und durch die Tiere der Erde.

Du weißt, wo das steht. Es steht in der heiligen Schrift, die da heißt Wikipedia und wenn du wirklich mal einen Abend nichts vor hast, dann scroll doch mal durch die Versionsgeschichte des Artikels über die Apokalyptischen Reiter, denn wahrlich, die Bearbeiter dieser Schrift heißen Giftzwerg 88, Godot124, Natsu Dragoneel, SchallundRauch und Ellehard und das ist alles, was man über Wikipedia und den Zustand der Welt wissen muss. Denn wahrlich! Die Weltgeschichte wird von einsamen Männern mit komischen Namen und traurigen Hobbys geschrieben.

Quid pro

Auf der Kiefer hockend spähen
Sie mich an: die Nebelkrähen!
Die dank viersilbigem Namen
Hier zu ihrem Auftritt kamen.

Denn im Grunde sind die Biester
Doch recht selten. Darum schießt der
Vollidiot von drüben auch
Eine voll in ihren Bauch

Um sie dann als Jagdtrophäe
In sein Haus zu hängen. Sähe
Ich nicht dauernd Vollidioten
Schöss ich… Doch das ist verboten.

Was bleibt, ist der Wahnsinn, der Freitod oder der
Krieg und nichts davon kann ich uneingeschränkt empfehlen, hier von meinem Ulmer Hocker aus, der vor einem Eiermann-Tisch hockt auf dem ein Macintosh-Computer leise Macintoshcomputerdinge tut, die niemand auf der Welt verstehen kann. Die Welt ist nicht kaputt, sie ist nur deutlich zu komplex für meinen kleinen Kopf und deinen auch, vertu dich da mal nicht! Die Welt hat einen Grad an Weltscheiße erreicht, der streng genommen von niemandem zu durchdringen ist und jetzt hab ich fast einen großen Fehler gemacht! Denn hinter der Verwendung des Prädikats “hat erreicht” könnten nicht wenige einen Hauch kulturpessimistische Kackscheiße erschnuppern. Was in die Irre führt, denn die Komplexität begann bereits vor rund 14 Milliarden Jahren, also noch 2, 3 Jahre vor dem Macintosh (und jetzt ist es mal egal, ob hier der Apfel oder die Computer gemeint ist). Viele Menschen haben ein Problem mit einer solch komplexen Welt und wählen eine der oben genannten Alternativen: Wahnsinn, Freitod oder Krieg und weil sie alt und mental stark herausgefordert sind, wählen sie halt oft das, was zuletzt genannt wurde.

Krieg

Sechs-Zwei Grad Nord, am Oslo-Fjord,
Im Heim für Invalidensport
Da sammeln sich die alten Recken.
“Niemals nie die Waffen strecken!”
“Stets verteidigungsbereit!”
“Alarm im Norden, allezeit!”
So schallt es übers Wasser her
Nach Dänemark, wo, so die Mär
Der Feind in Schweineställen hockt
Und’s Waffenarsenal aufstockt.
“Die Däneninvasion kommt bald!”
So heißt es, wenn der Korken knallt,
Im Heim für Invalidensport
Der Korken für Tai Ginseng Fort(e).

Als die Dänen dann gekommen
Sind, das ganze Land genommen
Haben, passte es grad nicht.
Denn höret, wie die Saga spricht:
Das “Glücksrad” lief. Und das ist nun
Weit heiliger als Nordmannstum.
Bei Thor! So schlau, so schlicht war sie,
Die Strategie der Dänen nie!
So flossen Invalidentränen
Nach dem Sieg der fiesen Dänen

Ich habe letztens gerade erst meine Kriegsdienstverweigerung auf einer alten Diskette gefunden. Welch Meisterwerk aus Dünnpfiff und verachtenswerter Grammatik! Aber das ist vielleicht einmal Stoff für eine eigene Folge. Briefe an die Obrigkeit. Eigentlich sogar ein solider Titel für ein Sammelbändchen halbgar geschwurbelter Unlesbarkeiten, die, mit ein wenig Lektorat, vielleicht als Satire durchgehen könnten, auch wenn sie initial vollständig ernst gemeint waren. Du musste verstehen, dass die Person, deren Stimme du in diesem Podcast hörst, im wahren Leben ein durch und durch durchgeknalltes Persönchen mit äußerst kleinem Pillermännchen ist, das seinen Selbstwert aus dem Verfassen länglicher Briefe an randomisiert ausgewählte Behörden gewinnt. Und natürlich ahnst du es: Hinter dieser Fassade wahnhafter Betriebsamkeit gähnt eine Leere, die auch die längsten Briefe und die kompliziertesten Reim-Dingsis nicht sehr lang verdecken können. Und sollte irgendwann einmal mein Pfleger sterben oder die Familie wegziehen, dann ist uns allen klar, dass diese Geschichte nur ein Ende kennt. Bleibt nur zu hoffen, dass dann die Welt zumindest ein kleinesbisschen heiler wird. Tschüss.

Exit Paderborn (Ein Schüttelfrostreim)

Getrennt von meiner Sippe,
Sitz ich am Rand der Klippe,
Ein trauriges Gerippe,
Mit einer Sommergrippe.
Und während ich dies tippe,
Am Schierlingsbecher nippe,
Und leicht nach vorne wippe,
Da kommt eine Xanthippe,
Mit einer Eisenschippe.
“Hau ab Du alte Hippe!“
Schrei ich, bevor ich kippe,
Die Schippe in der Rippe,
Und in die Lippe
Dippe.

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