EKW030 Matratzen-Concord

Matratzen Concord

Vor Matratzen Concord hast Du Dich getrennt
Vielleicht weil Du dachtest, dass ich dann weich falle
Du schäbbige Schickse! Was hab ich geflennt
Getestet hab ich jedoch trotzdem fast alle
Die festen, die dicken, und die, die leicht kratzen
Und morgen probier ich dann auch die Matratzen

Ihr Lieben! Es ist spät! Im Jahr und auch am Tag. Ich hab schon überlegt, die Folge heute ausfallen zu lassen, um Euch, um Dir und mir die Peinlichkeit zu ersparen, Interesse an meinem Gesabbel zu heucheln. Einerseits. Andererseits: Bevor ich jetzt ins Bett schwanke und Donald-Trump-Tweets retweete, kann ich mich doch besser an meinem Shure-SM58-Mikro festhalten und hoffen, den einen oder die andere da draussen vom Ermeucheln der Partnerin oder des Partners abzulenken. Es wird sowieso zu viel gemordet da draußen, obwohl die Entwicklung, da kommt dann doch der Kriminologe raus, gar nicht so schlecht ist in den letzten Jahren. Früher war mehr Gemetzel, auf diese Formel könnte man es wohl bringen und, kein Wunder, die hatten ja auch nix! Erzählen sie uns ja dauernd, wenn wir zu Besuch sind, wer wundert sich denn da, dass sie für die letzte Scheibe Brot dann auch schnell mal den Totschläger gezückt haben. Ich frag mich ja sowieso, wie ich es geschafft habe, ausgerechnet dort auf die Welt zu kommen, wo man gefahrlos Bullshit ins Internet hineinzusprechen, ohne gleich dafür eingesperrt oder abgeschlachtet zu werden. Muss mit Glück zu tun haben. Oder Gott. Ich tippe auf Gott, weil Glück kann ja irgendwie jeder.

BWV 639: Ich ruf zu Dir, Herr Jesu Christ

Es sitzt ein Gott allein auf seiner Wolke
Fragt sich, was er wohl allein im Himmel sollte
Und hört plötzlich auf ‘nem unbedeutenden Planeten
Wie zwei Wesen ihn und seine Macht anbeten

Eines ist aus Holz, mit Saiten aus Metall,
Das zweite hockt davor und lässt ins All
Aus weißen und aus schwarzen Tasten Töne strömen
Die dem Gott auf’s allerschönste höhnen

Denn ein jeder einzelne Akkord sagt:
Gott, nur falls sich einer mal bei Dir beklagt:
Ich bin es nicht, ich mach nur die Musik
Die außer mir kein anderer, auch du nicht, so hinkriegt

Das Klagen meiner Noten ist allein in deinem Kopf
f-Moll-Kadenz, that simple! Ich benutzt das oft.
Und sollt es dir gefallen, sieh es mir doch nach
Dass ich dir keinen Sonderpreis für’n Eintritt mach

Ergebenst, Dein Johann Sebastian Bach

Am Wochenende war ich Laufen, hier im Park. Und da haben sich Dinge ereignet. Beim Laufen ist es so, dass sich eigentlich andauernd Dinge ereignen. Ein paar im so genannten Real Life, Aber die meisten in meinem Kopf. Darum mag ich das Laufen so. Ohne irgendwas weiter tun oder bezahlen zu müssen, passieren Dinge und ich darf schauen und mich wundern. Ja, na ja, ich hab schon noch einen Netflix-Account und im Wohnzimmer gibt’s angeblich ein ganzes Regal voller Bücher, aber wenn ich’s mir aussuchen darf, wähle ich doch meistens die Lauferei. Man ist halt auch schnell wieder weg, falls es brenzlig wird. Ist viel besser, als im Wohnzimmer zu sitzen, mit einem Adorno in der Hand, und der geht einfach nicht mehr weg. Kamin haben wir auch nicht. Da sitzte dann da und denkst: Wär ich jetzt mal besser im Park und könnte zwei Kilometer Weg zwischen mich und den alten Zausel bringen, bevor er wieder “Minima Moralia!” schreit und ich verstehe immer nur Moria und denke, dass Adorno doch in die Schlucht gefallen und von Gandalf gefressen wurde. Siehste. Ich ertrage des jetzt auch nicht mehr. Ich mach jetzt den Computer aus und du weißt ja auch, nech? Nach dem letzten Gedicht schön “Abschalten”! Is klar, oder? Tschüss.

Herrenhäuser Allee

Am Fuß der Linden schlummert tief ein Streifenwagen
Weiter oben klopft verzagt ein Buntspecht “Darf ich’s wagen,
Liebe Maden, euch zu sagen, dass ich Hunger habe?”

Weiße Hunde jagen sich im gelben Laub der Linden
Wo sie and’re Hunde- und Kaninchenspuren finden
Herrchen zücken Leinen, das Entzücken anzubinden

“Brömmmmm!” Der Streifenwagen ist erwacht
Er hat am Horizont die Spielgefährtin ausgemacht
Der Polizeifunk knarzt: Die von der Reiterstaffel lacht

Das Rennen, Auto gegen wilde Pferdebeine,
Pflügt durch Lindenlaub und Hundeohren an der Leine
Auch die Madenkolonie heult auf. Doch überlebt es keine

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