EKW033 Fliedertee

im schlafe schnarcht die sumpfschabracke
schlimmer als ´ne flakattacke.
stockt, und säuselt durch die backe:
„zicke-zacke hühnerkacke!“

Hi, Matthias hier. Der erste Fehler war heut morgen gleich der Griff ins Bücherregal. Zu Robert Gernhardt.

Denn was dem Leser ein Pläsier (und was für eins, das sag ich dir), das ist dem Dichter eine Qual. Er denkt, der Gernhardt, kann mich mal… Doch kann er nicht, weil er nicht muss! Auch issa tot. Endgültig. Schluss. Und ist doch so viel besser wie ich Wicht. Ich lern das Dichten nie.

Ich hab ja ehrlich gesagt nicht mal Ahnung genug, um zu wissen, ob ein falsch verwendetes “Wie” jetzt nu Grammatik- oder Ausdrucksfehler ist. Robert Gernhardt aber hätte das gewusst. Es wär ihm scheißegal gewesen, aber er hätte es gewusst! Er hat’s ja auch studiert. Germanistik und Malerei, die Pottsau. Und dann ist er verschieden und ganz einfach weg geblieben. Grund? Für’s Scheiden? Wetter… Weiß ich nicht. Jetzt sitzt ich hier, ich armer Wicht und bin so mies wie stets zuvor. Und Gernhardts Geist stieg hoch empor. Zumindest hoffen das die Christen. War er Christ? Glaub kaum, er ist denn auch nicht größer aufgefallen durch viel Frömmelei. Und allen, die noch zweifeln, sei gesagt: Der Gernhardt ist perdu. Ist Quark, ja. Ist nun einmal wie es ist. Denn jeder hat so seine Frist. Und so verlor die Fakultät der Dichtenden an Qualität. Ich selbst seh das als Möglichkeit. Schlecht dichten: Kann ich. Jederzeit.

R. G.

Wer hieß Robert und nicht Bernhard?
Robert Gernhardt
Wo gab’s Nonsens, wenn auch eher smart?
Klar, bei Gernhardt.
Wer war witzig doch auch gern hart?
Robert Gernhard.
Wenn du fragst, wo wer was her hat?
Robert Gernhardt.
Wessen Scherze klangen sehr schwarz?
Robert Gernhards
Und wer gibt den Würmern Nahrung?
Keine Ahnung.

Ein Zitat:

Ich hörte “Bring mir Fliedertee!”
worauf ich “Gleich” erwiderte.”

Und später

“Ich höhnte: “Der verpisste Tee
war’s, der dich überlistete.”

Tja. Das ist Kunst. Ich hab null Dunst, wie das wohl geht. Und was, selbst wenn, aus solcher Musen-Gunst folget. Noch mal anfangen geht nicht, oder? Vielleicht noch eine schlechte Nachricht, bevor ich für heute aufgebe: Ich glaub, Humphrey hat Hunde-Corona. Er bellt so heiser. Tschüss!

Die flüsternden Eichen

Unweit der Kirche, rechts neben dem Turm,
Da hat eine Gruppe von Eichen dem Sturm
Der Zeit widerstanden. Sie steh’n einfach da
Und flüstern im Wind. (Nur sehr leise, is‘ klar).

Denn wären sie lauter und jemand hört mit,
Gäb‘s großes Hallo. “Krank! Die reden? No shit?!”
Auch abseits vom floral-oralen Skandal
Gäb‘s inhaltlich Provokationspotential:

Die Eichen, sie haben schon lange kapiert,
Dass Stehen und Schweigen allein nicht pläsiert.
Genauso war klar, dass nur Smalltalk auf Zeit
Ziemlich nervtötend ist. Kurz: Man wird ihn schnell leid.

Denn Wetter, Befruchtung und Krankheiten sind
Mal irgendwann durch. Und dann steh‘ste im Wind
Und hast nix zu sagen. Ein „Du, ich muss los…“
Ist irgendwie peinlich und, tja, aussichtlos.

Drum haben die Bäume (es war Krieg, und sie hatten
Grad kaum mehr zu tun als Nazis beschatten)
Beschlossen, sie bräuchten wohl eine Agenda
Mit Themen. Problem: Es war kein Referent da!

Doch ganz ohne kundige Einstiegsgrundlage
Bleibt so ein Diskurs häufig kurz und auch vage.
Was blieb? Lang verlegenes Scharr‘n mit den Wurzeln
Noch während im Schatten die Nazis umpurzeln.

„Die Kirche!“ rief eine, „direkt nebenan!
Hat viel schon erlebt und wir immer nah dran!
Wir haben gesehen, wie Heiden getauft,
Wie Hexen verbrannt und Vergebung erkauft,

Wir haben die Kreuzzüge loslatschen sehn,
Und später den Luther zum Bischof hingeh‘n,
Wir haben gehört, wie der Pfarrer noch grad
Die Juden beschimpft und dann abgeholt hat.

Wir sind kraft Beobachtung, Standort und Zeit
Die größten Experten im Land weit und breit
Für Kirchengeschichte und auch Religion,
Das ist doch ein Thema für viel Diskussion!“

Die anderen schwiegen. Dann eine: „Warum?
Die Sache ist klar: Wer glaubt ist halt dumm.
Die Religion nutzt eine Sehnsucht nach Sinn
Für Machtmaximierung und Geltungsgewinn.“

Die anderen nicken noch, als nebenan
Bei Glockengeläute `ne Frau und ein Mann
Mit Brautkleid und Anzug zur Kirche hingeh‘n
Und kurz zu der Gruppe von Eichen hinseh‘n.

Er: „Hörst du sie flüstern? Sie wünschen uns Glück!“
Sie: „Deutlich. Oh Erwin! Komm, trag mich ein Stück!“
Der Pfarrer steht schon in der Tür und er winkt
Dem Paar mit dem Kreuz, das im Sonnenlicht blinkt.

Der Wind frischt auf, bläst in die Blätter hinein,
Die Eichen, sie flüstern im trauten Verein.
„Ist frisch heut“, sagt eine zum restlichen Tross,
„War nett euch zu sehen. Ich… muss dann mal los…“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.