EKW048 Schlagseite am Totensonntag

Komisch

Ich habe einen Luftballon
Von einer Kinderkrebsstation
Geklaut. Denn da hing alles voll!
Die Stimmung dort war trotzdem mies.

Hi, Matthias hier. Wir beide, du und ich, wir werden heute mal ein bisschen Spass haben, oder? Spass mit Wörtern, Spass mit Doppel-S, weil Spaaaaß, das klingt immer so ein bisschen fad, oder? Spass ist das, was die schlauen Menschen, also die mit den wiegenden Köpfen, was die bei 3sat und bei Deutschlandfunk-Kultur immer eher ein bisschen skeptisch sehen. Denn wir sind eine Spass-Gesellschaft, und dabei stimmt das ja gar nicht, nur ignorieren wir das einfach mal und “amüsieren uns zu Tode”. Der Spruch ist sogar noch älter als Deutschlandfunk Kultur, der ist von Neil Postman, der hat 1985 ein Buch mit diesem Titel geschrieben, ein sehr kulturpessimistisches Buch, ein inzwischen sehr egales Buch, wenn Du mich fragst, aber meine Lehrer (und Lehrerinnen, aber das sagen wir damals noch nicht, das waren alles Lehrer, auch wenn die allermeisten auch damals schon Frauen waren), also meine Lehrer-Frauen die haben es gelesen und fanden Fernsehen deshalb doof. Wegen Neil Postman. Und wegen der viereckigen Augen und dem Montags-Syndrom. Versteh mich nicht falsch, ich finde Fernsehen auch doof, aber aus den richtigen Gründen und meine Frauen-Lehrer taten es aus den falschen Gründen, das ist verwirrend, ich weiß. Das ist deshalb verwirrend, weil es harte Wissenschaft ist: Menschen streiten sich nicht nur um die richtigen Ergebnisse, sondern auch um den richtigen Weg, um zu richtigen Ergebnissen zu kommen, nur dann ist es ein richtig-richtiges Ergebnis und das ist jetzt mal tatsächlich so, nicht nur bloße Schwafelei meinerseits. Für Wissenschaftler_innen zählt die Methode ebenso wie das Resultat, du kannst das eine nicht ohne das andere bewerten und darum sind Politiker_innen immer so genervt von den Elfenbein-Jungs und -Mädels, weil die sich noch auf dem Pressepodium manchmal gegenseitig die Haare rausreißen, obwohl sie eigentlich die gleichen Ergebnisse vorstellen wollen. Gut, machmal geht’s dabei auch nur um Eitelkeit und Macht, aber das ist ja bei allen anderen auch so. Doch ich war ja beim Spass. Spass mit Kinderkrebsstationen. Ja, Himmel! Was für ein Verlierer-Thema, so würde man das in der PR und der Journalistik wohl nennen. Spass hört da auf, wo Kinder sterben oder vom Sterben bedroht sind. Ist bei mir übrigens genauso. Und zwar nicht von Geburt an, sondern von der Geburt meines ersten Kindes an. Zack, gibt’s da eine neue Tränendrüse exklusiv für sterbende Kinder. Und da verstehst du dann auch keinen Spass. Da bist du insgesamt super-empfindlich und darum kannst du als Medienmensch einen krass-empathischen Beitrag über sterbende Kinder machen und die vLeute schalten weg wegen “zu krass” oder du machst irgendwas anderes und der Shitstorm rollt. Darum: Verlierer_innen-Thema. Manchmal kannst du Glück haben und du gewinnst irgendeinen Medienpreis, der von einer Jury aus wiegenden Köpfen vergeben wird. Aber nur dann. Und neue Gucci-Taschen kannst du davon auch nicht kaufen. Lass es also einfach. Es reicht schon eine E-Mail von einem betroffenen Elternteil und du willst alle jemals gemachten Witze über Kinderkrebsstationen zurücknehmen, nur um diesem einen Menschen ein bisschen Leid zu ersparen. Oder Dir zu ersparen, mit diesem Leid konfrontiert zu werden. Kannst du aber nicht. Und deshalb ist die Stimmung auf diesen Stationen auch im Durchschnitt eher mies. Trotz all der Ballons.

Fotos sind manchmal auch einfach überschätzt

Ich lag heut schon im MRT
Es war okay, tat gar nicht weh
Ich musste lange starr verharren
Und auf dreißig Bäume starren
Ehrlich wahr, ich hab gezählt,
Da war sonst nichts, was munter hält
Man hatte mir ein Bild direkt
Vor’s Auge in das Rohr gesteckt
Von einer Lichtung, satt und grün
Auf der die Sonne milde schien
Im Hintergrund stand Baum an Baum
Wie sie’s halt tun, am Waldessaum
Und ich zähl los, da fängt es schon
Zu Wummern an im harschen Ton
Dann hämmert, surrt und puckert es
Und ich geb zu, ich hatte Stress
Weil ich bei Buche siebzehn zwar
Gelandet, doch nicht fertig war
Und Buche achtzehn tat sich schwer
Im Hirn zu landen, weil’s doch sehr,
Nee, eher mehr noch, scheiße dort
Im Hirn grad war, bei all dem Schrott
Aus Schwurbelresonanzmagnet-
Verwirblungsstrom im Kopf zugeht…
Nun gut, ich hab’s geschafft zuletzt,
Zu Zählen. Und blieb unverletzt
Und alles, was der Arzt jetzt hat
Sind Großhirnschnibbelbilder satt.
Was das jetzt heißt? Ich weiß es schlicht
Bis auf die Zahl der Bäume nicht.

Himmel. Wäre es nicht toll, wenn du noch irgendwas sinnvolles aus dieser Folge mitkönnen nehmtes, ja das ist ein Wort, ein Mitternachtswort, das setzt sich zu gegebener Zeit einfach so in einen Satz hinein und wenn du es versuchst wegzuscheuchen mit der Maus oder der Backspace Taste, dann ändert das ganz häufig in einer noch schlimmeren Katastrophe. Nachts ist Backspace so wie Tippex früher, da will man nur die falschen Punkte über dem Ö wögloschen und schwupps, ist der ganze Aufsatz im Teich, für den Papi mindestens 2 Stunden gebraucht hat. Jeder und jede, der/die nachts Haus-, Examens-, Bachelor-, Master-, Diplom,- und Doktorarbeiten geschrieben hat, weiß das, und ich, ich hab sie alle geschrieben. Wenn auch nicht alle für mich selbst. Lassen wir es also für heute. Tschüss.

Schlagseite am Totensonntag

Die Pfütze auf
Die Pfütze auf dem Grab von
Die Pfütze auf dem Grab von Onkel Heini ist
Die Pfütze auf dem Grab von Onkel Heini ist gefroren was ich sehr
Die Pfütze auf dem Grab von Onkel Heini ist gefroren was ich sehr begrüße weil
Die Pfütze auf dem Grab von Onkel Heini ist gefroren was ich sehr begrüße weil ich nämlich ohne Stütze
Die Pfütze auf dem Grab von Onkel Heini ist gefroren was ich sehr begrüße weil ich nämlich ohne Stütze mittendrin
Die Pfütze auf
Platsch
Sitze

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