EKW077 Eirōneía

Man sagt von Sokrates, dass er
Sehr häufig leicht und manchmal schwer
Getrunken habe. Wie auch immer
Hab ich auch, zuweilen schlimmer,
Und hab dennoch keinen Schimmer

Schau, ein trautes Liebespaar
Das ich gestern schon mal sah
Nur die Frau war männlicher
Und der Mann ein Hasch-Händler
Doch der Kuss war ähnlich nass
Und er machte beiden Spass
Darum mag ich diesen Park nie
Weil man arg viel gleichen Quark sieht

Ein Pillendöschen liegt im Schnee
Versehentlich, wie ich das seh,
Denn es gehört ‘ner süßen Oma
Die jedoch in tiefem Koma
Neben ihrem Döschen ruht
Auch wenn ihr das nicht allzu gut
Aufgrund des kühlen Grundes tut

Was bracht die alte Dame gerade
In die arg prekäre Lage
Hier im Schnee herumzulümmeln
Wo’s doch offensichtlich drinnen
In der Stube für Senioren
Schöner ist als tiefgefroren
Mitten in der Eis-Idylle
Sich in feisten Schlaf zu hüllen?

Nun. An Gründen herrscht kein Mangel
Erstens hat die Frau wohl Bammel
Dass, sobald sie wieder klar,
Und ihr Denken wieder da,
Sie erneut die Wahrheit sehen
Muss. Und das erzeugt ein Flehen
Ihres unbewussten Selbst
Sich der Wahrheit auf die Schnelle
Nicht, zumal nicht hier, zu stellen

Zweitens: Jede wird verstehen
Dass, sollt man den Schnitter sehen
Den Freund Hein, den Sensenmann,
Man mal leicht bestürzt sein kann
So geschehen hier und gerade
Und als dann die Pillen – schade –
Statt im Hals im Schnee zu liegen
Kamen, war’s schon fast entschieden
Also schnelle Ohnmacht statt
Zug um Zug dem Tod schachmatt
Zu gewähren um dann schnell
Herabzufahren in die Hölle.

Nur: Da gibt es einen Haken,
Denn der Tod hat Zeit, kann warten
Und des Winter Kälte spielt ihm
Unschwer sichtbar in die Karten.
Zwar gibt’s seines Wissens keine
Hölle für der Frau Gebeine
Andrerseits wird sie alleine
Schimmeln hier im Winterschreine

Und, hat sie das denn verdient?
Schwer zu sagen, vielleicht find’
Die eine oder and’re Stelle
Eine gut belegte Quelle
Für Verbrechen uns’rer Oma
Oder nicht. Auf alle Fälle
Liegt und bleibt sie noch ‘ne Weile
Schau’s Dir an. Nur keine Eile.

Marienkäfer, Marienkäfer, Marienkäfer im Schnee
Marienkäfer, Marienkäfer, das tut den Beinchen doch weh
Marienkäfer, was fliegt du nicht
Gen Süden, wo gleißend das sonnige Licht
Sich im Funkeln Deiner Facetten bricht
Marienkäfer, Marienkäfer, Marienkäfer im Schnee
Marienkäfer, Marienkäfer, das tut – ratsch – nee, jetzt is okay

Es saß ein Eichhorn tief im Baum
Es saß und schlief, man sah es kaum
Doch hin und wieder hörte man
Es schnarchen und man dachte: Mann!
Wann bin denn endlich ich mal dran
Mit schlafen. Ich bin müde. Hamm’
Doch stramm geackert, man begann
Schon früh und eh man sich besann
War’s spät, wie doch die Zeit verrann

Und eben an dem Baume wo
Das Eichhorn schnarchte, sann man so
Besonnen vor sich hin und kam
Zum Schluß bei dem Gedanken an
Dass man es doch nicht ändern kann
Und fasste den finalen Plan
Das Eichhorn schnarchte mit Elan
Da hatte man es schon getan
Und hing am Ast der höchsten Tann
Und glotzte tot das Eichhorn an

Müde bin ich, Känguru, mache meinen Beutel zu. Schlachte und panier ein Schwein, pfeife mir ein Schnitzel rein und ich weiß, dass keiner grollt, denn das Schwein hat’s auch gewollt.