EKW005 home office

Manche Tage sind eben noch mal ungeiler als andere und da hilft auch die ganze Sonne nicht viel. Gereimt wird natürlich trotzdem und gelacht wird auch. Nur eben im Keller.

Folgentranskript:

Ich mag ja dieses „Draußen“ nicht. Dabei tät ich’s mögen wollen, ehrlich. Und als meine Eltern mir damals sagen: „Junge, geh doch mal raus“ da hab ich’s irgendwann sogar versucht. Wir haben draußen im Dschungel vor der Tür den Vietcong bekämpft. Mit Laserwasserpistolen und China-D-Böllern. Noch von Silvester aufbewahrt. War das denn jetzt besser? Ich seh auf jeden Fall Ansatzpunkte für Kritik. Doch da wir den Krieg gegen die Kommis damals eh verloren haben, frag ich mich, warum du da noch nachtreten willst. Der Punkt ist: Draußen ist alles schlechter! Manchmal kommt die Familie hier ins Arbeitszimmer und erzählt ein bisschen. Schule. Einkaufen. Lohnarbeit. Wir waren doch seit diesem SARS-CoV-2 auf einem vielversprechenden Weg. Aber „Homeoffice“ ist inzwischen wieder out. Sprachlich begrüße ich diese Entwicklung. „Home office“ ist im Englischen ein Büro zuhause, ein Arbeitszimmer, „Homeoffice machen“ nennt man „Working from home“. Period. Und klar können wir uns auch eigenen englisch klingende Wörter erfinden, da ist völlig in Ordnung, ich find Talkmaster und Oldtimer super, aber tu dabei doch nicht so fucking weltläufig! Du sitzt einfach an einem Computer zuhause in deiner Stinkebude und kriegst nix gebacken! Wie gesagt: Ich find’s gut. Ich steh dazu. Also eigentlich sitzt ich dazu. Aber ich hab dabei wenigstens einen anständigen Minderwertigkeitskomplex, weil ich nämlich nix gebacken kriege und sowas nenne ich „Anstand“!

Hallo, ich bin Matthias und mein erstes Reim-Dingsi heute heißt „Hauptbahnhof“. Den kenn ich noch von früher, als ich dachte, ich müsse wichtige Menschen mit Flexibilität und Langstreckenpendelei beeindrucken. Stellt sich heraus: Wichtige Menschen ticken eigentlich genauso wie ich selbst. Sie sind mit ihrem eigenen Scheiß – hallo Apple, hallo Mama! – sind also mit ihrem eigenen Scheiß völlig ausgelastet und können sich schlicht nicht für mich und meine Pendelei interessieren. Es ist sogar so: Meine Nachdenkerei darüber, was andere von mir denken, ist doch eigentlich purer Narzissmus. Die haben einfach anderes im Kopf. Am Hauptbahnhof Montag morgens um sieben kannst du das gut beobachten. Man muss sich den/die Montagspendler/in als unglückliche, arme Sau vorstellen, der/die vollständig mit dem eigenen Elend beschäftigt ist. . Und die paar, die du grinsen siehst, sind eigentlich die ärmsten Schweine, weil sie froh sind, von zuhause weg zu sein. Das ist eine Sicht der Dinge. Und zeugt vom Horizont einer AFD-Landtagabgeordneten. Eine andere Sicht ist die von Basti.

Hautpbahnhof

Die SC-Zwanzig-Zwanzig knarzt beamtisch
Sprechaufforderung sofort
Anwärter Bastian kniet vor Ort
Auf Renitenz und heult sehr dilettantisch

Die Tränen der Kassiererin sind trocken
Schon seit sieben langen Jahren
Die die Züge drüber fahren
Oben. Über frisch gewellte Locken

Ritter Bodo, Stückpreis Achtzehn Fünfzig
Die Palette schiebt aufs Band
Den Blick zu Boden, stinkt, die Nase rümpft sich

Endlich kommt Verstärkung angerannt
Zehn Kerle. Renitenz wird winzig
„Basti, Mann! Schlag zu. Der ist bekannt…“

Das, meine lieben 1,5-fache-Geschwindigkeitshöre_innen, war ein Sonett. Es lebt von seiner formalen Klarheit und der sich daraus ergebenden besonderen Sprachmelodie und die ist mit Bindge-Höring ebenso schwer zu erkennen wie du ein Stück Schokolade aus einem Teller Kartoffelgratin herausschmeckst, wenn du vorher alles zusammen in den Hochgeschwindigkeitsmixer haust! Nun gut. Du kannst das gerade nicht hören, aber da draußen plärrt ein Bussard durch die Gegend. Ist bestimmt eins der Bälger von diesem Sommer. Schreit nach Mami und Papi und findet’s ungeil, selbst Futter suchen zu müssen. Also im Klartext: Töten zu müssen. Denn hier in der Gegend sind totgefahrene Katzen, die man bequem vom Straßenrand ablecken kann, eher selten. Der kann nicht einfach Homeoffice machen. Aber, kleiner Tipp, Bertram: Die Schreierei hilft auch nicht. Du musst ja jetzt raus, Existenzen vernichten. Es gibt bestimmt auch ein, zwei kritische Stimmen in der Bussardwelt, die das alles in Frage stellen und Streitschriften zu dem Thema veröffentlichen, aber einfach nur dasitzen und rumkrähen bringt nix. Ich seh ihn übrigens. Sitzt oben auf dem Kastanienbaum. Überlegt vielleicht gerade, ne Emo-Punkband zu gründen. Ich würd‘ mir das anhören, aber das Risiko, dass du dir demnächst irgendwannne Schfrotflinte an den Schnabel setzt, ist relativ groß.

Die Kastanien nerven übrigens auch. Eigentlich sind Kastanien ja cool. Aber seit wir dem Nachbarn seinen alten nicht genehmigten Bootsunterstand beim Bauamt angezeigt haben, hat der Arsch einen neuen Wellblechverschlag da hingebaut und Kastanien, Herbst, Wind und Wellblech sind eine ganz dumme Kombination. Ich müsste vielleicht doch mehr raus. Sonst wird aus dem schimpfenden Zausel im Homeoffice noch ein unsympathischer schimpfender Zausel und das täte diesem Podcast wohl nicht gut. Vielleicht bestell ich heute mal nix bei REWE online, sondern gehe so richtig einkaufen. So wie Werner, von dem der nächste Text handelt:

Werner

Die Szene spielt im Supermarkt
Grad neben Sahne, Milch und Quark.
Der Typ, um den es geht, hockt still
Vorm Kühlregal und schluchzt sehr viel.

Vor ihm steht die Kassiererin.
Sie schämt sich fremd, sie schaut kaum hin.
Zu Unrecht, klar, damit Ihr’s wisst!
Weil der da sitzt das Opfer ist.

Was ist passiert? Ihr ahnt es schon,
Es geht um Masken, Pflicht und Fron.
Die Kumpels nennen ihn den „King“
Er macht nicht mit! Er fläzt sich hin.

Jetzt hat er schon seit 9 Uhr früh
Nix mehr gegessen. Ohne Müh!
Doch er baut ab, das kann man sehn,
Kein Wunder, ist gleich schon halb zehn.

Der King bleibt hart, hat, statt zu spuren,
Sich gesetzt, mit Magenknurren,
Vor der keifenden Walküre
Scheint er keine Angst zu spüren.

„Masken müssen alle Kunden“,
Sagt sie nochmals unumwunden
„Tragen, wenn sie diesen Laden
Letztlich zu betreten wagen!“

„Niemals nie!“ Der King heult auf
„Ich habe ein Attest!!“ Worauf
Der tapfere Geselle schnell
Zur Tasche greift, die sich im Fell

Des Mantels, den er trägt, versteckt.
Der Zettel, den er, leicht verdreckt,
Herauszieht, wirkt sehr offiziell,
Kein Wunder, wurd‘ er doch speziell

Im Copyshop für ihn kopiert,
Vom Inhaber höchstselbst signiert,
Und darauf steht: „Ich, Werner König,
Finde Masken doof. So. Nämlich!“

Stempel drauf und laminiert
Wirkt das Papier hübsch ausstaffiert
Mit Würde, Siegel und Courage…
Doch hilft‘s nix! Werner ist ein Arsch.

Und ignorant. Selbstmitleid spritzt,
Wenn er da auf dem Boden sitzt,
So maskenlos und voller Qual,
Nach rechts und links und überall.

„Artikel Eins!“ krakelt er laut
Bevor er merklich Schneid abbaut.
Zu wenig Zucker, das rafft ihn,
Den Widerständler, schnell dahin.

„Artikel 1 is‘ da nicht drin“,
Die Frau zeigt zu der Kasse hin,
„Bei uns hab‘n alle Waren vier
Oder auch fünf Stell‘n, sag ich dir.

Das liegt an unserem Kassen-dings
Damit‘s auch stimmt am Ende. Stimmt’s?“
Doch Werner schweigt und heult jetzt still,
Soll sie doch quatschen, wie sie will.

Er hält das hier noch lange aus
Bis zehn bestimmt. Und der Applaus
Der Massen wird ihm sicher sein.
Dem König. King! Dem armen Schwein.

Geht irgendwie viel um’s Einkaufen heute. Ich frag mich nur gerade, woher die Verknüpfung von Einkaufen und Rausgehen kommt…? Eigentlich kauf ich viel lieber online ein. Der DHL-Mensch und ich, wir sind echt dicke Buddies, wir schenken uns sogar was zu Weihnachten. Leider sehen wir uns in letzter Zeit nicht mehr so oft, weil Amazon inzwischen häufig seine eigenen Leute losschickt, die für 50 Cent weniger den gleichen Job machen. Die sind auch nett. Nur immer so gehetzt. Seit SARS-Cov2 gibt’s in den Amazon-Versandbestätigungsmails ja diesen neuen Textbaustein: Um die Sicherheit unserer Kunden und Zustellpartner zu gewährleisten, stellen wir jetzt Pakete vor Ihrer Haustür ab und nehmen einen sicheren Abstand ein, bevor Sie die Sendung entgegennehmen. Im Klartext: Wir benötigen pro Lieferung 30 Sekunden weniger und können bei gleichem Lohn mehr Pakete pro Zusteller_in ausliefern. Geil. Hätte ich keine Aktie von denen (Singular, richtig, guck mal, was die Dinge kosten!), also hätte ich keine Aktie von denen, ich fänd’s ja fast ein bisschen zynisch. Zynisch ist ein gutes Stichwort: Ich bin nicht zynisch. Mich kotzt nur vieles so stark an, dass ich lieber zuhause bleibe, um das Ausmaß der Schweinerei nicht auch noch draußen besichtigen zu müssen. Vielleicht frag ich den Bussard doch noch, ob er mich in seine Band aufnimmt. Ich hätt so gar einen Textvorschlag für einen Song. Und damit „Tschüss!“ und bis die Tage.

Marjorie

Ich wusste schon als kleines Kind
Dass Abfall spricht, dass Müllkippen voll Weisheit sind

Das hat der Fernseher mir erzählt
Im Flimmerlicht der bunten Kinderstundenwelt

Und gestern vor dem Supermarkt
Da sah ich Dich, Du warst sehr still und rochst sehr stark

Du wolltest Geld stand auf dem Schild
Im Dämmerlicht neben dem Wurstreklamebild

Oh Majorie
Oh Majorie
Du stilles dummes Ding
Ich hätte Dich gemocht
Dich finanziert, ja wenn du doch
Mit mir gesprochen
Hättest
Und nicht so gerochen

Ich hab dann lieber Wurst gekauft
Mit Lachgesicht, da stehen meine Kinder drauf

Und aus dem Angebotsregal,
Du glaubst es nicht, ’nen quittengelben Fraggles-Schal

Als ich dann rauskomm’: Gleiches Bild
Ich sehe Dich auf dem Asphalt mit Deinem Schild

Ich hätt’ dir fast den Schal geschenkt
Doch dein Gesicht war tot, das hat mich abgelenkt.

Oh Majorie
Oh Majorie
Du stilles dummes Ding
Ich hab Dich fast gemocht
Mit dir parliert, wenn du doch ooch
Mit mir gesprochen
Hättest
Und nicht so gerochen

Oh Majorie
Oh Majorie
Du totes, stummes Ding
Sie hab’n dich weggebracht
Sowas passiert, wer hätt’s gedacht
Hätt’st du gesprochen
Hätt’ ich
Später nicht gebrochen

EKW004 Ein Häufchen Stuhl

Es gibt so viele Baustellen: Ein Impressum muss geschrieben, eine Intromusik ersetzt und ein neues Mikrofon ausprobiert werden. Findest Du langweilig? Super. Nichts davon wird in dieser Episode passieren!

Folgentranskript:

Hast Du’s auch grad gehört? Ja, oder? Mir ging‘s gestern Abend so. Zum ersten Mal seit Beginn dieses Projekts. Die Intromusik, ne, die Intromusik in diesem Podcast ist SCHEISSE. Hat die Liebste ja gleich gesagt, vielleicht erinnerst Du Dich, das war in Folge…, was weiß ich. Früh jedenfalls. Ziemlich früh. Ich muss das erst mal verdauen. In der Zwischenzeit gibt’s ein Katzengedicht, ein existentialistisches Katzengedicht allerdings, ein Katzengedicht zum Finger-ans-Kinn-legen, ein Den-Kopf-langsam-hin-und-her-wiegen-und -dabei-gleichzeitig-streng-und-entspannt-gucken-Katzengedicht. Ich versuche gerade, noch eine bessere Umschreibung zu finden, denn das Gedicht ist nicht sehr lang und Du erwartest ja bestimmt einen Podcast von minimal 5 Minuten Länge, also… Ich hab’s: Ein Zeit-Leser_innen-Katzengedicht! Das trifft es ganz gut und bevor ich das jetzt vorlese noch ein Versprechen: Niemals! Nie! Beim Leben des Propheten werde ich ein Zeit-Abo abschließen. Über Zeit Online KÖNNTEN wir reden, ja. Und die Podcasts sind ja TEILWEISE, „Zeit Verbrechen“ mal ganz explizit und für immer aus dem folgenden Lob ausgeschlossen, also die Zeit-Podcasts sind ja teilweise ganz gut. Aber dauernd diesen prätentiösen Altpapierhaufen vor der Wohnungstür zu liegen haben: Nein! Jetzt aber erst mal das Zeitleser-aber-Zeit-Verbrechen-Hasser_innen-Katzengedicht:

Taubeneier

Es lagen auf ’nem Baum in Speyer
Taubeneier
Wo die Mutter, wo der Vater
Ist, ist unklar. So ein Mist.
Es klettert bald ein kecker Kater
Auf den Baum. Wo er dann sitzt
Und sinnt. Und lang verharrt er.
Starrt auf Eier-Waisen, ritzt
Die Schale. Die er wohl verspeisen
Will. Muss? Soll? Gedanken
Kreisen. Um die Lebensweise
Der er dies Malheur zu danken
Hat. Uralte Dogmen wanken
Scheiße, ey, wie mutterlos
Die Eier sind. Der große Kloß
In seinem Hals legt los:
„Du Mörder mutterloser Brut!
Find’st du das gut?!“
Nee. Aber lecker. Denkt der kecke
Kater, während er herunterklettert.
Und der Dotter tropft
Von seinem Kopf
Ins welke Gras
In dem voll Hass
Ein Täubchen mit gebroch’nem Flügel saß.

Den Gong, den mag ich übrigens. Ist einfach ein guter Trenner. Gerade wenn ich auch mal ernste Gedichte vorlesen täte, aber vor- oder nacher dne Schrott erzähle, den ich halt erzähle, dann ist so ein Gong perfekt. In den Radionachrichten sagen sie dann inzwischen oft „Jetzt ein krasser Themensprung“. Als wenn ich als Hörer das nicht selbst merken würde, dass die emotionale Fallhöhe zwischen einem neuen Elefantenscheißebeseitigungsverfahren in Hagenbecks Tierpark und Andi Scheuer ziemlich heftig ist. Aber darum geht’s ja wohl auch nicht. Eher um dieses zwinkerzwinker ich-habs’auch-grad-gemerkt. Apropos Elefantenscheiße. Apple. Apple Podcasts hat mir die Scheiße, genauer gesagt, das Scheißen aus der letzten Episodenbeschreibung „herausgesternt“. Ja wirklich. Nicht sehr konsequent, in der nächsten Zeile haben sie es stehen lassen, aber trotzdem krass irgendwie, oder? Das ist natürlich trotzdem keine Zensur, ihr Lieben, Zensur ist, wenn Frau Merkel bei Apple anruft und sagt, dass Apple die Scheiße aus meiner Episodenbeschreibung heraussternen soll, weil sonst, also, sonst passiert aber was! Und außerdem weiß ja auch jede/r sofort, was gemeint ist, wenn bei „Auf den Sommer s * * * * * * n“ diese Sterne stehen und die erste Zeile lautet dann „Ich scheiße auf den Sommer“. Das ist dann allerhöchstens sie schlechteste Zensur der Welt. So wie ein Youtube-Jüngelchen letztens unter ein Mr-Wissen-2Go-Video, in dem es darum ging, warum Deutschland keine Diktatur ist, also ein Youtube-Userlein jedenfalls kommentierte: „Oder, Deutschland ist halt die schlechteste Diktatur der ganzen Welt.“ Ja okay. Find ich einen guten Kompromiss. Apple hat mir jedenfalls das „Scheißen“ herausgesternt, was aber andererseits bedeutet, dass dieser Podcast inzwischen bei Apple gelistet ist und du ihm Sterne geben kannst. Mach das doch einfach mal bitte, ja? Und am besten noch eine richtig nette Bewertung reinschreiben. Und hier ist der Deal: Wenn Du in dieser Bewertung irgendwie das Wort „Dottersack“ unterbringst, dann wirst Du aber sowas von lobend erwähnt hier in diesem Podcast und vleiiecht schreib ich sogar eine Ode oder mindestens ein Sonett zu Deinen Ehren und dafür kann man doch mal „Dottersack“ in eine Podcastbewertung reinschreiben, oder? Die Gedichte in der heutige Episode haben aus Anlass des, ich nenn ihn mal „Apple-Incidents“ übrigens eins gemeinsam: Sie enthalten alle in irgendeiner Form das Wort „Scheiße“ oder „scheißen“, was gar nicht so schwer ist. Ich hab mal meinen Gedichte-Fundus via Volltext-Suche gescannt und die Liste ist gar nicht mal sooo kurz. Und dabei iat mir, und dann komme ich auch wirklich zum nächsten Gedicht, und dabei ist mir wieder mal aufgefallen, dass die Apple-Rechtschreibkorrektur das Wort Scheiße zwar kennt. Aber die Autovervollständigung und diese Swipe-Funktion auf dem iPhone kennen es nicht. Obwohl’s im Duden steht. Da kommt dann immer nur „Schweißer“ oder „Schreist“ und das ist einfach nur arm. Und arm ist irgendwie auch das Stichwort und ich bin wirklich heilfroh, dass es diesen Gong gibt, weil: Krasser Themenwechsel.

S41

Der Junge in der S-Bahn starrt
Das Mädchen an, das still verharrt.
Es krallt sich an den Kinderwagen.
Frühgebährend, wie sie sagen,
Dort im Amt in Moabit,
Wo es den guten Kaffe gibt,
Links, an der Tanke Putlitzbrücke
Agib, scheißegal, sie rücken
Stets zusammen, wenn sie kommt.
Die Kleine plärrt nur selten und
Kriegt häufig noch an Ort und Stelle
Gläßchen aus der Mikrowelle.
Denn im Amt wird‘s dauern. Immer.
Wann? Warum? Kein‘ blassen Schimmer.
Und der Junge starrt ihr nach
Die Westhafener Bahnsteig-Brach
Entlang. Die Ringbahn fährt , er schlägt
Das Heft auf. Holden Caulfield trägt
Die ganze Last von 16 Jahren
Durch Manhattan. Alter. Waren
Das noch Zeiten. Und Probleme.
Heut‘ gibts Ritalin-Ödeme
Und dies Mädchen mit dem Kind.
Fuck. Und doch: Wahrscheinlich sind
Sie alle ziemlich gleich gefickt
Vom Leben in die Bahn geschickt
Den Ring, S41, wo
Ein Hämatom am Arsch (und so)
Kaum stört, weil‘s keinen interessiert.
Man starrt und liest und hat‘s kapiert.

Ich muss, bevor die Folge vorbei ist, noch einen Gruß loswerden, an meine Mudda. Die sagte mir letztens mit Bezug auf ein anderes, leicht erfolgreicheres Podcast-Projekt von mir, ich würde zu viel das Wort „Scheiße“ verwenden. Ja dann geh doch zu Apple! Mama! Ihr liegt da ja ganz offensichtlich auf einer Welle. Apple und Du! Meine Mudda hat mir auch die Verwendung des generischen „Se-s“ beigebracht. Wie in „Hamm se gesacht.“ „Nimm einen Schirm mit, Junge. Es soll regnen heute, hamm se gesacht!“ Oder „Ach die Antwort kenn ich. Hatten’se gestern erst beim Jauch.“ Oder bei Klein-Gegen-Groß. Ich hab keine Ahnung, wie diese ganzen Fernsehsendungen heute heißen, doch ich schnappe bei Elternbesuchen einiges auf. „Den Autor hatten’Se letztens erst bei Böttinger!“ Böttinger, das hab ich inzwischen verstanden, ist nicht der Name des Schlachters. Der heißt „Metzger mit dem Zopf“ und macht eigentlich nur noch so Party-Catering. Machte. Corona halt. Weißt du, wer noch schlimmer ist als „se“-Sager? Sesselpuper, die sich über Se-Sager lustig machen, vor allem wenn’s die eigenen Eltern sind. Ja stimmt. Tschuldigung Mama. Hab Dich lieb. Tschüß.

Die Scheiße mit der Scheiße

Was ist das eigentlich für ein Leben,
Das sie uns zum Leben geben?
„Sie“ – Und das ist interessant –
Sind dabei Phänomen von Stand
Und Status. Bist du wohlbestellt
Mit Bildung, Freundschaft oder Geld
Bist Du dabei. Bist Du das „Sie“,
Das uns bestimmt. Dann hast Du nie
Gedacht, dass irgendwelche Mächte
Alles regeln. Gute, schlechte,
Miese Zeiten dir bereiten
Und doch alle Schuld bestreiten.
Bist Du aber nicht dabei,
Kraft Chromosomen, Geld und schrei-
end großem Unrecht, hast du Pech.
Dann war Gott wohl ein Arschloch, nech?
Dann musst du mit dem Scheißgefühl,
Dass SIE Dich ficken, ins Gewühl
Des Lebens stürzen
Und – guess what –
Natürlich gibt es keinen Gott.
Kein „Sie“ und auch kein Scheißsystem
Ich weiß es, denn ich hab‘s geseh‘n.
Es gibt nur Dich und uns hier oben.
Alles and‘re ist gelogen.

EKW003 Schäbbig und Schuld

Was ist das Gegenteil von schön? Falsch. Die richtige Antwort lautet natürlich: alt. Weil alte Menschen früher sterben, das kannst Du überall nachlesen. Und weil sie natürlich schuld sind. An allem. Steht in jedem Physiklehrbuch. Nennt sich Kausalität.

Auf den Sommer scheißen

Ich scheiße auf den Sommer
Denn im Juli ist Tante Lisa gestorben
Und im Juni davor unsern Omma

Ich scheiße auf Draußen und Sonne
Im August ist das Meerschwein im Käfig vertrocknet
Und kam in die Biomülltonne

Ich scheiße auf endlose Strände
Hab auf Ibiza mal unsern Vatter gesehn
Mit `ner andern am Zwitschern. Bäh!
Ende.

Wie komm ich aus der Nummer wieder raus? Mein Name ist Matthias, ich müsste dringend mal ein Impressum für meine Podcast-Website schreiben und ich möchte heute über Senioren reden. Vulgo: Die Alten. Ich selbst bin auch schon ziemlich angestaubt, was du unter anderem daran erkennen kannst, dass ich den Reiz von TikTok genauso schnell kapiert habe, wie die Sache mit Insta, Insta jetzt, nech?: Nämlich gar nicht. Aber ich wollte ja über die anderen reden, die noch viel Angestaubteren. Die sich quasi jeden Morgen neu überlegen müssen, ob es sich überhaupt noch lohnt, den Staub vom Gesicht zu wischen und einen Tag zu beginnen, der mit Ende dieser Überlegung eigentlich schon wieder nervig anstrengend geworden ist. Man könnte den Staub ja auch liegen lassen und vielleicht würde man nach zwei Jahren oder so ja einen Rabatt für die Beerdigung aushandeln können. DIY-Funeral. Weißt du, warum das eine vollkommen quatschige Überlegung ist? Ja, okay, da gäbe es ca. 1000 valide Ansatzpunkte… Aber weißt Du, woran Du gerade nicht gedacht hast? An Sterbeversicherungen. Ja, die gibt’s ganz in echt und warum soll man bei Dingen Rabatt rausschlagen, wenn’s eh schon bezahl ist? Ist doch genau das Gleiche wie mit Unfallschäden bei Vollkaskoversicherungen. Natürlich weißt du im Grunde, was Sterbeversicherungen sind, weil das Thema irgendwann mal aufkam, als du Opi, Omi oder anderes Grauvolk besucht hast. Man bezahlt quasi Geld dafür, dass die Nachkommen auf Ommas Beerdigungskosten nicht hängenbleiben und darüber Witze zu machen ist ziemlich unterste Schublade. Denn natürlich sind die Alten nicht zu blöd, um ein Sparkonto zu eröffnen, nicht zu blöd, um ganz ohne Versicherungsgebühren jeden Monat ein paar Euro für genau diesen Fall zur Seite zu legen. Im Gegenteil. Die Alten haben die Sparkontos, seinerzeit noch Sparbuch genannt und durch ein echtes rotes Büchlein repräsentiert, geradezu erfunden. Nein, natürlich können sie sparen. Wie die Weltmeister sogar. Nur waren sie halt nicht sicher, ob sie vor Erreichen des notwendigen Sparziels auch noch lebendig genug sind und haben deshalb diese Versicherung abgeschlossen, damit die Nachkommen nicht doch noch auf irgendwelchen Kosten hängenbleiben. Die Versicherungen machen also Geld mit der Angst armer Menschen vor zu heftigen finanziellen Belastungen. Boah! Das ist ja mal… also…krass, ich weiß gar nicht, ob das schon mal jemandem aufgefallen ist. Auf der anderen Seite: Kudos an die Ommas und Oppas landesweit, die diese Industrie finanzieren und da sieht man dann doch so Sachen wie 2. Weltkrieg, Holocaust, Klimakatastrophe in einem viel milderen Licht, oder? Oder? Wie, nein?!

Abgangszeugnis

Sieh, wie die Senioren schwitzen
In den schweren Ledersitzen
Sind sie glücklich? Eher nein!
Wie auch soll’n sie glücklich sein?
Zweimal Weltkrieg! Und dazu
Beide krass verloren. Buh!
Erste Republik verkackt
Zweite im Konsum versackt
Atmosphäre vollgeblasen
Tonnenschwer mit Treibhausgasen
Jetzt ist ihnen mächtig heiß
Guess what, guys, IHR habt den Scheiß
Voll versaut. Jetzt bleibt bloß sitzen
In der selbst gebrauten Hitze

Es war ja nicht alles schlecht. Und die Oppas von heute, das sind ja quasi, also das bin ja quasi… Also, bin ich das nicht irgendwie selbst? Ja, nee, rein faktisch bin ich’s wohl nicht, ich hab gerade dem Erstgeborenen noch einmal tief in die Augen geschaut und er schaute mit dem unserer Familie so eigenen festen Blick zurück und sagte… Und sagte Dinge. Dinge die von einer profunden Kenntnis zeitgenössischer Deutsch-Rap-Musik zeugen und die ich für das beste Verhütungsmittel seit dem Produktionsstart von Detmolder Landbier halte. Jedenfalls: Nein. Kein Oppa. Ey, Alter, i’schwör. Und stimmt ja. Ein Alter bin ich ja. Aus der Perspektive gewisser Absprengsel meiner DNA sogar ziemlich heftig und ja: Das ist kacke, wenn man nicht mehr selbst die Generation mit dem Himmelhochjauchzendzutodebetrübtgesicht sein darf, weil sich dann alle und wahrscheinlich auch zurecht über den Typen mit dem Longboard lustig machen, das er sich vor sieben Jahren zum Geburtstag gewünscht hat wegen Abschiedsschmerz von der Jugend und von dem er seitdem so häufig heruntergeflogen ist, dass es jetzt als Ich-Könnte-Ja-Menetekel neben dem BMX-Rad im Keller schimmelt. Ja, so richtig lange is‘ nicht mehr und das Longboard wird mit seinen ABEC-5000-Kugellagern wahrscheinlich noch lange alternde Retro-Nazis abwerfen, wenn ich schon längst als Schaumstoffpolster einer Tesla-Braut den Rücken stärke. In diesem Sinn. Tschüß! mit einem allerletzten Versuch, das Thema irgendwie würdig zum Ende zu bringen.

Warum denn ausgerechnet ein Kirschbaum?

In einem Kirschbaum, mitten in der Stadt
Sitzt Annmarie, die keine Eltern hat.
Das ist okay, sie – Annmarie – ist alt
Und wenn man alt ist, sind die Eltern kalt.

Sprich: Lange mausetot. Und leicht verwest,
Auch schwer mitunter. Siehst ja, wenn du stehst
Am Grab die einsunk’nen Stellen rund-
herum. Das machen Zeit und Würmer und
Natürlich Feuchtigkeit und viele Pilze.
Nur die Knochen sind noch da. Wer will’se
Denn auch fressen. Da kommt Weinen von,
Das kennt man schon vom Hühnerbeineessen…

Also: Annmarie. Sie lacht stattdessen
Über einen Mann am Fuß des Baums,
Der fleht und flucht, doch hört sie’s oben kaum.
Ist hoch geklettert, sieht nur seinen Mund
Wie er sich öffnet, schließt. Mal Strich, mal rund
Und denkt sich: Matschepampe. Sind die Eltern
Matschepampe, die in Holzbehältern
Wohl behütet in das Jenseits schwappt?
Wo sich ein Höllenhund die Knochen schnappt
Und all der Glibbersiff in Charons Schiff
Auf frisch geschrubbte Eichenplanken trifft?

Was, wenn man einfach hier im Baum
Verreckt? Das tropft doch kaum
Bis auf die Erde
Blätter werden
Leichensaft kanalisieren
Käfer werden hochmarschieren
Und die Pilze und die Würmer
Werden ihren Leichnam stürmen
Ganz egal ob unten oder oben
Ob im Himmel oder in der Hölle
Schnell geht anders. Aber: Grüne Welle.

Niemals wieder runter aus der Höhe
Nein. Sie bleibt.
Bis eine Tages eine Böe
Ihren letzten Knochen in die Gosse treibt.

EKW002 High Noon

Hight Noon: Stimmt schon, ziemlich geiler Folgentitel. Ist aber eigentlich so wie letztes Mal: Typ, der alleine und ein bisschen zu schnell spricht und zwischendrin was Gereimtes vorliest. Was ja besser ist als, sagen wir, Kohlrouladen. Oder so.

Folgentranskript:

Abzählreim

Ene, Mene, Katzenpisse
Im Kontinuum gibt’s Risse
Eben war noch Kambrium
Schwups, bringt sich’n Mammut um
Hat mit seinem Rüsselknochen
Das Anthropozän gerochen
Rüsselknochen gibt es nicht?
Mammut, jetzt versteh ich dich!

Sagte ich 12? Ich sagte 12, oder? Ich hab mir die Einstiegsfolge nicht noch einmal angehört, aber ich bin mir relativ sicher, dass eine 12 im Spiel war. Ich verliere Dich gerade, oder? Okay. Ich komm noch mal rein.

Hallo, mein Name ist Matthias, das hier ist „Ein Koffer Wörter“ und ich glaube, dieser Podcast wäre deutlich angenehmer zu hören, würde ich mich mit einer stimmlich wohl kontrastierten Gesprächspartnerin über, sag wir, Dinge unterhalten. Das hat sich das Mammut aus dem Einstiegsreim vielleicht auch gedacht. Denn deutlich wahrscheinlicher als die dort geäußerte Hypothese, es sei im Vorgriff auf das Menschenzeitalter freiwillig einfach selbst ausgestorben ist ja die These, dass die Mammut aus Mangel an Verfügbarkeit geeigneter Fortpflanzungspartner- Gendersternchen -Innen von der Erdoberfläche verschwunden sind. Was wiederum rein semantisch gesehen recht unglücklich formuliert ist, schließlich lagen noch jahrtausendelang überall die Knochen dieser Biester herum beziehungsweise ganze Mammuts mit Haut und Haar und Schinken und Filetsteak, weil sie nämlich tiefgefroren im Eis vergeblich auf die Abholung durch den sibirischen Bo-Frost-Mann gewartet haben. Aber wie komme ich jetzt auf’s Essen? Richtig: 12 Uhr mittags. Um dieser Zeit wird ja täglich eine neue Episode dieses Podcasts hier veröffentlich und ich schwöre bei allem, was mir hoch und heilig ist, dass das auf ewig so bleiben wird. Und weil es zur Mittagszeit so gut passt, habe ich als nächstes einen Reim ausgewählt, in dem es ums Kochen geht und über dessen Titel ich nächtelang nachgedacht habe. Mindestens.

Der Topf

Auf des Herdes hoher Roste
Stand ein Topf, der blubbernd toste.
Hitze kam von unten her,
Was nicht überraschend wär,
Wäre da nicht ein Detail, das
Nicht so recht zum vord’ren Teil passt.
Dieser Topf, von dem die Rede
War, war wahrlich eher blöde.
Nicht, dass man von einem Topfe
Viel erwartet, doch im Kopfe
Sitzt die eine oder ande’re
Hypothese beieinander.
Töpfe, denkt man, können nicht
Wirklich viel. Sie sind meist dicht
(Außer sie sind einfach Eimer.
Und der Eigentümer – einer
Namens Heinrich – hat ne Liese,
Die den Kerl auf dieses stieße.)
Jedenfalls, ein Topf, der dicht ist,
Kocht halt, was grad so Gericht ist,
Ohne dies zu kommentieren,
Denn als Topf hat man Manieren!
Also siedete das Wasser
Ungestört, doch es wurd‘ krasser…
Schon ein Blick unter den Boden
Hätt‘ dem Topf das Lid gehoben,
Was bei Topfes-Mimik-Deutern
Wohl als Zeichen leichten Meuterns
Gegen klare Fakten gälte.
Topfvokabular für: Schelte.
Denn da unten war kein Feuer,
Keine Platte im Gemäuer
Eingefasst, mit Hitzespulen,
Wo sich Induktionsstrom suhlen
Kann, bis oben etwas köchelt,
Und vor Hitze hechelnd röchelt.
Woher also kam die Flamme,
Der des Topfes Glut entstammen
Konnte, und dank der das Gut
Seines Inn’ren kochen tut,
So, dass Eiweißmolekülen
Bald im Schweiß die Hüllen fielen?
Stand der Herd auf einer Spalte?
Worin Magma offen walten
Konnte, bis zur Topfestäuschung?
Könnte sein. Denn das Geräusch und
Der Gestank von unten her
Stützt die These eher sehr!
Trotzdem falsch. Es war ein Drache,
Der in einer großen Lache
Blut gerutscht bis in die Küche
War, und nun dank der Gerüche
Hungrig nach dem Essen schrie,
Während er sein Feuer spie.
Ob der Drache bald sein Essen
Kriegte, bleibt wohl im Ermessen
Eines Lesers dieser Zeilen.
Denn der Dichter mag nicht weilen,
Wo die Drachenherrschaft dämmert!
Bin ja schließlich nicht behämmert.

Fünf Minuten lange Podcasts sind übrigens, das zeigen alle Markforschungsresultate zu dieser Frage, tödlich viel zu kurz. Der/die Durchschnittspodcastzuhörer/in wünscht sich die lange und erschöpfende Behandlung eines Themas, so dass man nebenbei ohne umzuschalten oder neu auszuwählen Pendeln, Einschlafen oder Famiienfeiern überstehen kann. Ich persönlich mag kurze Podcasts sehr. Weil sie in der Produktion nämlich deutlich weniger Arbeit machen und das finde ich ein relativ wichtiges Argument. Man hat ja schließlich auch ein Leben neben diesem Podcast, in dem man beispielsweise andere Podcasts hört und produziert und seiner Familie darüber hinaus den aufmerksamen Ehemann und Vater vorgaukelt. Es hat, wie so häufig im Leben, alles immer mindestens zwei Seiten und das ist eine derart dämliche Plattitüde, dass ich Dich für heute mit einem allerletzten Gedichtdings in die echte Welt entlassen möchte. Es trägt den viel versprechenden Titel „Fremder Typ. Süßigkeiten. Ihr kennt das Spiel.“ Und während Du Dir noch einen Perversling mit schwarzem Pollkragenpulli, Peitsche und Milka-Schokohasen vorstellst, sage ich schon einmal: Tschüß!

Fremder Typ. Süßigkeiten. Ihr kennt das Spiel

„Wunder!“! rief der Typ von Beteigeuze,
Als er eines nachts die Erdbahn kreuzte
Und auf einem Feld in Iowa
Ein Einhorn sah.
Und als das Einhorn schließlich spät
Zuhaus, gefragt, ob’s Hunger hätt’
Die Snackmaschine zeigt,
Die’s jetzt am Euter trägt,
Da fragt die Mutter: „Welches Euter?
Und wos sag I jetzt die Leite?“
Zückt das Einhorn flugs ein „Schleck“
(Ein Beteigeuze-Mode-Snack)
Was keiner nie bereute
(Werbeslogan auf dem Beutel).
Schwups. War Muttern weg.

EKW001 Vögelreime

Die erste reguläre Folge also. Mit einem erbärmlich zweideutigen Titel, einer semisubtilen Nazianspielung und drei gereimten Dingsbumsen. Kann man so machen? Kann man.

Transkript

Morgengruß

Der Eichel häht:
„Ein Bussard busst
Am Himmel hoch!
Er busst bewusst
So hoch und träg
Und stürzt dann doch
Herab zum Schluss
Würgt jedes Eich!
Hörnt jede Natter!
Wündelweich
Mit Hochgenuss
Und macht die Flatter.“

„Wie findest Du die Intro-Musik?“ frage ich die Lebensabschnittsgespielin und sie druckst. Obacht, denk ich, wenn sie druckst, dann nicht wegen Sprachfindungstörung, sondern wegen „Wie sag ich’s ihm besonders schonend?“ Willkommen bei „Ein Koffer Wörter“, der täglichen Infusion verdichteter Buchstabenaerosole und wie sie diesen Titel findet, hab ich die vorgenannte Dame mich noch nicht zu fragen getraut. Ein Schock nach dem anderen, das war schon immer eine gute Strategie. Zumindest besser als „Lass uns die Franzosen, Engländer und die Russen gleichzeitig angreifen!“. Mein Name ist Matthias und ich grüße Euch herzlich vor euren Podcastempfangsgeräten. Dem eben gehörten Anfangsreim möchte ich einen zweiten hinzugesellen, der aufgrund seiner Vogellastigkeit gut zum ersten passt. Er heißt Regenrinnenrumtata und aufgrund meines „Wie-findest-Du-die-Intromusik-Traumas“ lese ich ihn jetzt einfach direkt vor, ganz ohne deprimierende Zwischenmusik.

Regenrinnenrumtata

2 Kleiber kacken inne Rinne
Ergo ist kaum Regen drinne
Sondern Laub und Vogelschiss
Ausgang: äußerst ungewiss
Rinnt ein Hypothesenregen
Eines Tags auf seinen Wegen
Von des Daches höchster Zinne
Wegen Schwerkraft inne Rinne
Mag die Kraft des Wassers reichen
Und den Kackekloß erweichen
Oder alles Regenstampfen
Lässt den Kloß sich nur verkrampfen
Und die Kacke ist am Dampfen

Ich habe inzwischen einen Twitter-Handle und einen Mastodon-Account, sie lauten so:
@kraehenpost auf Twitter sowie @kraehenpost@mastodon.social auf Mastodon

12 Uhr mittags als Veröffentlichungsdatum hat heute ja schon mal nicht geklappt. Richtig, sehr geehrte analfixierte Freundin, das muss sich wohl noch ein wenig einpendeln. Ebenso wie die Frage, ob ich mein treues Publikum nun eigentlich umarmen, ignorieren oder beschimpfen soll. Denn es ist ja so: Auch wenn ich hier im Prinzip nur um Anerkennung und Sympathie bettele, heißt das ja noch lange nicht, dass ich solches mit freundlicher Ansprache erreiche. Nur für den Hinterkopf also: Selbst wenn Du Dich von Zeit zu Zeit beleidigt fühlst, sei Dir doch meiner steten Hechelei nach Deinem Wohlwollen bewusst. Und damit komme ich bereits zum Ende dieser ersten regulären Folge von „Ein Koffer Wörter“, die ich mit einem kurzen, frisch gepressten Gedichtchen aus meiner Lebenswelt da draußen beschließen möchte. Bis bald also und Tschüß!

Abendröte

Es schrumpeln in der Abendröte
Gerdchen, Rolf und Margarethe.
Rolf und Gerdchen war’n ein Paar,
Was Margreth nicht so gerne sah.
Zwar war sie eher liberal,
Doch nicht, als Rolf ihr Gerdchen stahl.
Sie fand die beiden in flagranti
Im Gemeinschaftsbad. Da stand sie
Mit weit aufgeriss’nen Augen
Und sah Rolf an Gerdchen saugen.
Gerdchen wiederum, der hing,
Und nicht im übertrag‘nen Sinn,
Nah hinter Rolf, was visuell
Nicht ganz problemlos vorzustell‘n.
Es kam der Abend, kam das Essen,
Kamen Pillen und Vergessen,
Und schon morgens hing ihr Mann
Wie eh und je an Margreth dran.
Und Rolf saß traurig in der Ecke,
Träumte, starrte an die Decke,
Und fand Gerdchen wunderschön…
Ach, würd er nur herüber sehn!
Doch nur die and’ren sah’n Rolfs Nöte
Morgens in der Abendröte.

Nullnummer

Hallo, ich bin Matthias und in diesem Podcasts geht’s um Wörter. Um Wörter zum Mitnehmen. Hübsch verpackt in Sätze oder Reime. Oder auch weniger hübsch verpackt und dafür lustig oder traurig oder einfach nur interessant genug, um sich diesen Podcast anzuhören. Wie so ein Koffer, weißt Du? In Koffern sind ja auch nicht immer nur schicke oder mega-interessante Dinge drin. Sondern manchmal auch Zahnbürsten, alte Brote von Mutti, Steckeradapter oder so per 3D-Drucker selbst konstruierte Waffen, die die Flughafen-Eumel mit ihren Röntgen-Dingsis nicht sehen können. Sowas in der Richtung ist jedenfalls dieser Podcast. Und der erscheint jeden Tag um 12 Uhr mittags Mitteleuropäischer Zeit. Im Traum. Vielleicht! Ich weiß es noch nicht so genau. Also einfach mal abonnieren und wir schaun, wie sich die Sache entwickelt.

Wenn du mich erreichen willst, Fragen , Beschwerden oder Vorschläge hast: Schreib eine Mail an kleimann@posteo.de. Weiterer Socialmediaschnickschnack kommt bald.

Beim zweiten und letzten Gedicht wäre es u. U. hilfreich, den Text nochmal nachzulesen. Ich zumindest hab beim ersten Mal Hören nicht alles verstanden und das ist nur so mitteloptimal weil ich’s schließlich geschrieben und eingelesen habe.

Shownotes:

Text: Schwanensee

Ein Kuckuck kuckt von seinem Kuck
Auf Zoten seines Seins zuruck…
Die Sache mit dem Schwan, z. B.,
Den er einst sah – auf einem See
Wie dieser auf dem Wasser hockt
Als sei’s ´ne Geiß – und er der Bock.
Worauf dem Kuck’ zu schwan‘ begann
Dass hier ein Hockerschwan wohl schwamm.

Nun war der See recht groß. Zum Gluck
Saß Kuckuck hoch auf seinem Kuck
Und konnt’ den Schwan noch hocken sehn
Als and‘re nur den Hals sich dreh‘n
Von ferne sah’n, doch war es wohl
Das ganze Tier, das fast frivol
In Kreiseln sich zu einem Schiff
Vielmehr zur Antriebsschraube schliff
Und dort mit einem leisen Plopp
Als Federbausch, wenn auch recht grob,
Ganz herrlich auseinanderstob.

Dem Kuckuck zuckten auf dem Kuck
Die Knuspern. Und er flog zuruck.

(zuerst veröffentlich hier: https://kraehenpost.antville.org)

Text: Distraction

Die Schwabbelmama mampft dem Kind
„Fafluft! Die Küchenfugen find
Fo gräfflich fad. Und ohne Falf
Macht alles Lecken keinen Fpaff.“

Das Kind entgegnet: „Du, Mamá,
Akustisch täte dein Blabla
Ganz generell schwer profitieren
(Schwer. Gnihi.), würd’st du pausieren

Deinen Mampf, solang du sprichst.“
Die Mutter nur: „Iff för diff niff!“
Das Kind: „Dann nimm doch, geht das bitte,
Aus dem Ohr die Riesenfritte!“

Mama speit: „Daf ifft ein Nagel!
Auff den Fliefenfugen! Fpargel!
(‚Spargel‘, soviel zur Erklärung,
Ist ein Fluch bei Fehlernährung.)

Kind: „Ich gehe jetzt zur Schule,
Wo in Selbstmitleid zu suhlen
Ich ein wenig Muße find‘,
Bis dann der Mobbing-Krieg beginnt.“

Und Mutter schreit: „Wirft du gequält?!“
Das Kind: „Nur wenn‘s der Jens erzählt.
Doch achten wir schwer (Gnihi) auf
Viel Diskretion beim Milch-Einlauf.

Und das, was auf die Fliesen fließt,
Das wischt er weg. Da geht nix schief.“
Die Schwabbelmama: „Fo ifft rechft!
Faut nur, daff ihr den Popo trefft!“

Und also gehn sie ihrer Wege:
Mutter fröhnt der Fliesenpflege
Und das Kind packt den Tournister:
Stifte, Zange, Milchkanister.

(zuerst veröffentlich hier: https://kraehenpost.antville.org)

Hallo Welt!

Das hier ist „Ein Koffer Wörter“. Und wenn ihr lieb zu mir seid (und geduldig), gibt’s hier bald einen Podcast zu sehen und zu hören. Plus Impressum, Datenschutzerklärung und den ganzen Kram, den viele von Euch fast noch ein klitzekleinesbisschen wichtiger finden als dings. Sag schon… Egal.

Liebe Grüße
m.

P.S.: Content