EKW051 Katzenmett

Katzenmett

Katzenmett und Katzenschnitzel
Katzenfuttergiftgewitzel
Katzenklo und Tatzenschnetzeln
Lyrisch-frohes Katzenmetzeln.

Hallo, Matthias hier. Man soll die Reime feiern, wie sie fallen, nicht wahr?

Der Spruch stammt nicht von mir und auch nicht von Hanns-Dieter Hüsch, sondern er ist – NATÜRLICH(!) wie ich anfügen muss – von Hitler. Nein, nicht was du denkst,
sondern von seiner Mutter, Klara Hitler. Ich hab mir nämlich vorgenommen, im Jahre des Herrn 2021 viel häufiger über Hitler zu sprechen. Und was liegt da näher, als mit seiner
Mutter zu beginnen. Und weil wir das Jahr 2021 haben und da draußen immer noch Corona
wütet und überhaupt ziemlich viel noch ziemlich ähnlich wie letztes Jahr ist,
hab ich mir vorgenommen, zumindest ein paar Dinge radikal anders zu machen. Die Sache mit der Wikipedia zum Beispiel, und dass ich sie nicht vorlesen möchte, weil langweilig und
redundant und so. Nur bei Klara Hitler hört die Langeweile auf.

Klara Hitler, geborene Pölzel wurde am 12. August 1860 als Tochter von Johann Baptist Pölzl und Johanna Hüttler geboren. Klara war die Enkelin des Bauern Johann Nepomuk Hüttler, dessen Bruder Johann Georg Hiedler der Stiefvater von Adolf Hitlers Vater Alois Hitler gewesen war. Hüttler veranlasste 1876 – Jahre nach dem Tod von Hiedler und Alois Hitlers Mutter Anna Maria Schicklgruber – dass Hiedler als Alois’ leiblicher Vater eingetragen wurde. Hiedler und Hüttler gelten bei Historikern als wahrscheinlichste Kandidaten für die leibliche Vaterschaft Alois Hitlers.

Klara Pölzl war demnach die Tochter eines Cousins von Alois Hitler (bei Vaterschaft
Johann Georg Hiedlers), oder aber dessen Nichte (bei Vaterschaft Johann Nepomuk Hüttlers). In diesem Fall wäre Adolf Hitlers Mutter zugleich seine Cousine gewesen.

Nach dem Pflichtschulbesuch wurde Klara Pölzl im Alter von 16 Jahren Hausangestellte bei
Alois Hitler. Auf Drängen von dessen zweiter Ehefrau Franziska Matzelsberger wurde sie aus dem Haus geschickt. 1884 erkrankte Hitlers Frau an Tuberkulose. Der „Onkel“ bat Klara, seine Frau zu pflegen. Als diese 1884 starb, war Klara schwanger. Sie heiratete 1885 den 23 Jahre älteren Hitler, dessen Geliebte sie gewesen war. Aufgrund des engen
Verwandtschaftsverhältnisses musste für die Eheschließung eine kirchliche Dispens erteilt werden.

Adolf Hitler hatte Gene
Die, wenn ich das richtig sehe
Sich schon vor Befruchtung kannten,
Schließlich war man mit Verwandten
Näher in Kontakt gekommen
Und bevor man sich besonnen
Auch ein bisschen doll verschmolzen
Weil der Alois seinen stolzen
Bolzen seiner Klara zeigte
Und den Absprung arg vergeigte
Und die Kirche sagte Amen
Als die zwei zum Pfarrer kamen
Und voll Scham die Klara sagte
Was sie nun schon länger plagte
Dass sie nämlich im Gekröse
Einen Hitler trug, oh böse
Ahnung, die sie damals quälte
Als man Alois ihr vermählte.
Gustav, Ida, beide starben
Noch. Doch Adolf mochte darben
Sterben tat er jedoch nicht
Also doch. Nur spät. Der Wicht

Wir lernen: Die einen haben einen Stammbaum, andere einen Kreis und wieder andere eine Escher-Spirale aus Hüttler, Hiedlers und Hitlers. Und das ist alles wahr und bei Wikipedia
nachzulesen und überhaupt: Mich wundert jetzt gar nichts mehr. Hab keine Angst, liebe Hörer_innenseele. Das wird auch wieder besser hier im Podcast. Nur
erst muss noch ein wenig Weihnachten verdaut werden und die Weihnachtshexe Beffaná, die mich den ganzen Dezember lang beschäftigt hat. Wenn ich erst mal wieder so richtig in Schwung gekommen bin, dann darfst du irgendwann auch wieder mehr Niveau von mir erwarten, mehr produktiven Selbsthass und viel, viel weniger Hitler. Dann erzähle ich wieder mehr aus meinem spannenden Dichteralltag und zeige Dir. vielleicht sogar das eine oder andere Weihnachtsgeshenk. Tschüss.

Ich hab ‘nen neuen Messerblock
Da macht das Kochen doppelt Bock
Weil’s schnell geht und mit Eigenblut
Schmeckt Döner gleich mal doppelt gut

Mit diesem blutverschmutzten Bild
Lass ich dich ziehn in dein Gefild
Denn Blut gehört dazu zum Schluss
Hat Klara Hitler schon gewusst

EKW050 Ein Koffer Gold

fahrradwegblockierer_innen

triffst sie draußen, selten drinnen:
fahrradwegblockierer_innen!
wer fährt benz, trägt feinstes linnen?
fahrradwegblockierer_innen!
will nur kurz beim denz reinspringen?
fahrradwegblockierer_innen!
hat ein haus in sindelfingen?
fahrradwegblockierer_innen!
wer will überall gewinnen?
fahrradwegblockierer_innen!
scheffelt kohle wie von sinnen?
fahrradwegblockierer_innen!
wen treibt gendern auf die zinnen?
fahrradwegblockierer_innen!
sieht die deutsche sprach‘ zerrinnen
fahrradwegblockierer_innen!
wer hasst lautes kindersingen?
fahrradwegblockierer_innen!
würd‘ die nächste kuh bespringen?
fahrradwegblockierer_innen!
(ständ sie draußen und nicht drinnen)
fahrradwegblockierer_innen!
will dir schlechten stoff aufzwingen?
fahrradwegblockierer_innen!
feind_in aller dichter_innen:
fahrradwegblockierer_innen!

Hi, Matthias hier. Fucking-Fünfzig-Koffer-Wörter-Folgen und definitiv Zeit für ein bisschen Statistik! Was glaubst Du, wie viele Reimdingsis in 50 Folgen plus Nullnummer stecken? Na? Was weiß denn ich? Wär ich gut mit Zahlen, wär ich Wissenschaftler geworden oder Unternehmer. Stattdessen bin ich sogar zu schlaff, um händisch bis zur Folge 1 zu scrollen. Es sind viele Reimdingsis, so viel ist mal klar, und jedes einzelne davon ist von ganz herausragender Qualität, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Es fliegt mir einfach zu, nicht wahr? Die schlechte Nachricht ist: Ich hab null Plan, worüber ich eigentlich noch reimdingsen soll. Ist ja alles bereits gesagt! Aber die gute Nachricht ist: Das geht mir schon seit zwanzig Folgen so und irgendwie haben wir, liebe Kofferos und Koffiñas die Sache ja trotzdem ganz ordentlich über die Bühne gebracht, nicht wahr? Ja, das Nicht-Wahr-Sagen, das hab ich nicht so richtig durchhalten können, bisher, aber Hanns Dieter Hüsch ist ja noch ein bisschen tot, da hab ich noch Zeit zum üben. Und was die Themen angeht, setze ich natürlich so ein wenig auf Deine Mitarbeit da draußen, indem Du die Hälfte meiner Reimdingsis eh in 2 Minuten wieder vergisst und ich sie dann demnächst noch mal zweitverwerten kann. So oder so: Ganz doll schnell werdet ihr mich jedenfalls nicht mehr los, denn dieses Reimdingsischmieden, das man ich ja eh weiter. Und da gibt’s ja eigentlich keinen Sinn, das nicht auch zu verpodcasten. Was soll ich denn sonst damit machen? CDs verkaufen? Einen Verlag finden? Blöd, dass das hier Podcast ist, dann kannst du die vielen grölenden Emojis nicht sehen. Aber was soll ich machen? Außer weitermachen?

Fucking serious

Ich bin, bei Gott, kein Germanist
This shit is far too serious

Bei mir reimt Sommer sich auf Omma
Komma, die mir, womma schomma
Von’se reden, Geld für Eis
Gegeben hat und andern Scheiß:
Für Tarzanüberlebensmesser!
Das war überhaupt viel besser
Als Vanessa, die_auf_mich stand
Auf Föhr, und auf mir auch, am Strand,
Isch schwör, bis man uns fand und
Streng verhört hat, denn wir war’n auch noch verwandt.

Das Messer aber hatte alles:
Mullverband, im Fall des Falles
Kompass, Nadel, Faden, Pflaster,
Blendgranaten, Ghettoblaster
Pin-up-Pics von Jane und Cheetah
Und von unser’n Onkel Dieter
Seine Rita ihre Vita
Knaxx-Club-Ausweiß, Hubbabubbas
Und zuletzt vier Taschenbuddhas
Doch – guess what – beim ersten Schnitzer
In die Pizza brach das Messer
Und Vanessa wurde besser
Im Vergleich – und meine Inzestrüstung weich
Nur leider saß sie ganz weit weg
Ich sah sie nur ihr Essbesteck
Sich in den kleinen Bruder bohren
Den Verräter, diesen Toren.
Doch anstatt auf mich zu warten
Durchzubrennen in “die Staaten”
Wie wir’s nannten, rannte sie
Von Inzest zur Pädophilie
Zu Onkel Dieter, diesem Vieh

Was bleibt sind Tränen, schlechte Witze…
Um des Reimens Willen sitze
Ich, erfinde Traumata,
Denn Dieter gab’s nicht, Komma, War
Stattdessen einer auß’em Osten
Von Westfalen, den wir hassten,
Doch Vanessa liebte ihn…
So war nicht nur mein Messer hin,
Sondern auch meine erste Liebe
Die ich tausendmal beschrieben
Habe in Gedichten, die
Zwar komisch wirken und doch nie
Zum Lachen sind, ich weine oft
Beim Schreiben und wer jetzt noch hofft
Dass irgendwo am Horizont
Die Schlusspointe winkt und kommt
Dem sei gesagt: So läuft das nicht,
Das Leben nicht, nicht das Gedicht.

Aus Unglück rekrutieren sich
Jedoch die Dichter, meinst Du nicht?
Vanessa mag sehr glücklich sein
Doch reimen kann sie nicht, das Schwein

Bevor ich mich jetzt in mein Bett verziehe und bei Netflix noch ein bisschen Party mache, muss ich aber noch was Anderes verkünden, wenn nicht sogar verkündigen, denn es geht um Weihnachten. Bis Weihnachten nämlich macht die Schwere Reimerei aus dem Hause Koffer Wörter eine Winterpause. Nicht weil ich Dich / Euch nicht mehr lieb habe, sondern wegen wichtiger, anderer Verpflichtungen gegenüber der jungen Generation. Wir hören uns also 2021 wieder. Bleib gesund da draußen!

EKW049 Dörte

Die Sonne scheint und Du bist froh
Und ich bin’s nich’, Pech, is’ halt so.

Hi, Matthias hier. ‘Die Sonne scheint und Du bist froh, ich wünsch, es wäre immer so.’ Das, meine lieben Kofferinchen und Kofferanten ist mein erstes dokumentiertes Reimdingsi aus, lass sagen, der zweiten Klasse? Der dritten? Du hörst schon, du hast es hier mit einem stets bemühten, aber keineswegs genialen Geist zu tun. So die realistische Lesart. Da ist schon viel Schönes dabei, in diesem Reimdinsgi, aber jetzt nichts, was nicht auch Tante Hertha hinkriegt, wenn sie denn mal aufblickt, aus der “Für ihr”-Kolumne. Wobei ich sehr ernsthaft auch in Erwägung ziehe, dass es sich bei diesem poetischen Krichversuch vielleicht auch um einen leicht ironischen Kommentar zur damals vorherrschenden Poesiealbum-Kultur gehandelt haben könnte, denn in ein solches Album hab ich dunnemals eben dieses Reimdingsi hineingepinselt. Ja, hineingepinselt, und damit fing das Drama an. Denn so grundsolide-schwülstig, wie mir der zitierte Zweizeiler aus der Feder sprang, so handwerklich fragwürdig waren dann leider Schriftbild und die gänzliche Erscheinung dieses analogen Grundschulklassentweets. Ich mach es kurz: Die Mutter, also meine, war entsetzt. Nein, nicht die bei mir zuhause, sondern die in meinem Kopf, die ich damals noch die allermeisten meiner Handlungen kurzevaluierten ließ. Was würde Mutter dazu sagen? Und sie sagte: Kind! Das ist gar fürchterlich! Schau nur die mühevoll bemalten anderen Seiten dieses Albums, die bereits von zahlreichen Kerstins und Nadines und Sandras mit Hingabe gestaltet worden waren. Und dann kam ich. Mit einer Plattitüde, genialisch hingeworfen, und sie wurde von nichts als einer zeichnerisch reichlich frei angedeuteten Sonne illustriert. Mutter, also die in meinem Kopf, war schwer enttäuscht und ich sah sie bereits vor mir, die Maren, Daniela oder Geraldine, der dieses Buch gehörte, wie sie vor Entsetzen ihre erste Falte bekam. Und also riss ich meine Seite heraus, was sich genauso schlimm anhört, wie’s auch tatsächlich war, von den Geheimnissen der Buchbindung wusste ich damals noch nichts, auch nicht davon, dass so ein sauber herausgetrenntes Blatt aus einem Poesiealbum zwar theoretisch möglich sein mochte, meine bescheidenen Bastelkünste aber bei Weitem überstieg. Ich hatte also meinen Fehldruck in der Hand und weiter vorne lockerte sich schon das Gegenstück, auf dem eine Steffi mithilfe vieler Hundeglitzersticker die Leere in ihrem Hirn zu übertünchen suchte. ‘Rosen sind rot, Veilchen sind blau. Ich hab dich gern, ich bin nicht so schlau.’ Das war nun der Punkt, an dem ich wirklich zu Mami lief und dann einen Nachmittag schwere Bastelarbeit leisten musste. Die und ein Anruf bei der Daniela-Mutti hat die Sache irgendwie gerettet, glaub ich und ich wusste: Nie wieder schreib ich irgendwas in eins dieser Höllenhefte hinein, schon gar nichts Selbstgedingstes.

Heinrich der IV.

Wer war’s, der sich nie irrte?
Der Heinrich war’s, der Vierte.

Wer kämpfte, dass es klirrte?
Na, Heinrich, klar, der Vierte.

Wer war der gute Hirte?
Der Dritte nicht, der Vierte!

Wer hieß auch „der Verwirrte“?
War das nicht…, Dings, der Vierte?

Wer guckte nicht, wer stirrte?
Der Heinrich war’s, der Vierte!

Wer reimt sich auf Serviette?
Na das ist leicht: Der Vierte!

Wer hieß als Mädchen Birthe?
Ich glaub, ich weiß das… Dörte?

Es ist mir nach diesem Verlegenheitsreimdingsi jetzt fast ein wenig peinlich, aber ich sag’s einfach mal trotzdem: Wenn du diesen Podcast kann okay findest, dann schreib mir doch eine überschäumende Rezension auf Apple Podcasts oder wie/wo auch immer du Podcasts so bewertest. Das freut mich nämlich sehr und ich lese die drei Rezensionen, die es bis jetzt auf Apple Podcasts gibt immer noch fast täglich, einfach, um mir selbst einzureden, dass Reimdingsi-Podcasts gar nicht mal so abwegig sind, wie es alle harten Zahlen vermuten lassen. Ach so, und wenn du mir ein Rezensiönchen schreibst, könntest du vielleicht den einen oder anderen Glitzer-Sticker draufkleben? Das fänd ich ganz toll. Und außerdem noch das:

Wer in dieses Büchlein schreibt,
den bitte ich um Sauberkeit.
Und wer ein Blättchen reißt heraus,
mit dem ist meine Freundschaft aus.

Das war Folge 49. Nächstes mal feiern wir Goldenes! Freu dich schon mal drauf, ich tu’s auf jeden Fall! Tschüss.

EKW048 Schlagseite am Totensonntag

Komisch

Ich habe einen Luftballon
Von einer Kinderkrebsstation
Geklaut. Denn da hing alles voll!
Die Stimmung dort war trotzdem mies.

Hi, Matthias hier. Wir beide, du und ich, wir werden heute mal ein bisschen Spass haben, oder? Spass mit Wörtern, Spass mit Doppel-S, weil Spaaaaß, das klingt immer so ein bisschen fad, oder? Spass ist das, was die schlauen Menschen, also die mit den wiegenden Köpfen, was die bei 3sat und bei Deutschlandfunk-Kultur immer eher ein bisschen skeptisch sehen. Denn wir sind eine Spass-Gesellschaft, und dabei stimmt das ja gar nicht, nur ignorieren wir das einfach mal und “amüsieren uns zu Tode”. Der Spruch ist sogar noch älter als Deutschlandfunk Kultur, der ist von Neil Postman, der hat 1985 ein Buch mit diesem Titel geschrieben, ein sehr kulturpessimistisches Buch, ein inzwischen sehr egales Buch, wenn Du mich fragst, aber meine Lehrer (und Lehrerinnen, aber das sagen wir damals noch nicht, das waren alles Lehrer, auch wenn die allermeisten auch damals schon Frauen waren), also meine Lehrer-Frauen die haben es gelesen und fanden Fernsehen deshalb doof. Wegen Neil Postman. Und wegen der viereckigen Augen und dem Montags-Syndrom. Versteh mich nicht falsch, ich finde Fernsehen auch doof, aber aus den richtigen Gründen und meine Frauen-Lehrer taten es aus den falschen Gründen, das ist verwirrend, ich weiß. Das ist deshalb verwirrend, weil es harte Wissenschaft ist: Menschen streiten sich nicht nur um die richtigen Ergebnisse, sondern auch um den richtigen Weg, um zu richtigen Ergebnissen zu kommen, nur dann ist es ein richtig-richtiges Ergebnis und das ist jetzt mal tatsächlich so, nicht nur bloße Schwafelei meinerseits. Für Wissenschaftler_innen zählt die Methode ebenso wie das Resultat, du kannst das eine nicht ohne das andere bewerten und darum sind Politiker_innen immer so genervt von den Elfenbein-Jungs und -Mädels, weil die sich noch auf dem Pressepodium manchmal gegenseitig die Haare rausreißen, obwohl sie eigentlich die gleichen Ergebnisse vorstellen wollen. Gut, machmal geht’s dabei auch nur um Eitelkeit und Macht, aber das ist ja bei allen anderen auch so. Doch ich war ja beim Spass. Spass mit Kinderkrebsstationen. Ja, Himmel! Was für ein Verlierer-Thema, so würde man das in der PR und der Journalistik wohl nennen. Spass hört da auf, wo Kinder sterben oder vom Sterben bedroht sind. Ist bei mir übrigens genauso. Und zwar nicht von Geburt an, sondern von der Geburt meines ersten Kindes an. Zack, gibt’s da eine neue Tränendrüse exklusiv für sterbende Kinder. Und da verstehst du dann auch keinen Spass. Da bist du insgesamt super-empfindlich und darum kannst du als Medienmensch einen krass-empathischen Beitrag über sterbende Kinder machen und die vLeute schalten weg wegen “zu krass” oder du machst irgendwas anderes und der Shitstorm rollt. Darum: Verlierer_innen-Thema. Manchmal kannst du Glück haben und du gewinnst irgendeinen Medienpreis, der von einer Jury aus wiegenden Köpfen vergeben wird. Aber nur dann. Und neue Gucci-Taschen kannst du davon auch nicht kaufen. Lass es also einfach. Es reicht schon eine E-Mail von einem betroffenen Elternteil und du willst alle jemals gemachten Witze über Kinderkrebsstationen zurücknehmen, nur um diesem einen Menschen ein bisschen Leid zu ersparen. Oder Dir zu ersparen, mit diesem Leid konfrontiert zu werden. Kannst du aber nicht. Und deshalb ist die Stimmung auf diesen Stationen auch im Durchschnitt eher mies. Trotz all der Ballons.

Fotos sind manchmal auch einfach überschätzt

Ich lag heut schon im MRT
Es war okay, tat gar nicht weh
Ich musste lange starr verharren
Und auf dreißig Bäume starren
Ehrlich wahr, ich hab gezählt,
Da war sonst nichts, was munter hält
Man hatte mir ein Bild direkt
Vor’s Auge in das Rohr gesteckt
Von einer Lichtung, satt und grün
Auf der die Sonne milde schien
Im Hintergrund stand Baum an Baum
Wie sie’s halt tun, am Waldessaum
Und ich zähl los, da fängt es schon
Zu Wummern an im harschen Ton
Dann hämmert, surrt und puckert es
Und ich geb zu, ich hatte Stress
Weil ich bei Buche siebzehn zwar
Gelandet, doch nicht fertig war
Und Buche achtzehn tat sich schwer
Im Hirn zu landen, weil’s doch sehr,
Nee, eher mehr noch, scheiße dort
Im Hirn grad war, bei all dem Schrott
Aus Schwurbelresonanzmagnet-
Verwirblungsstrom im Kopf zugeht…
Nun gut, ich hab’s geschafft zuletzt,
Zu Zählen. Und blieb unverletzt
Und alles, was der Arzt jetzt hat
Sind Großhirnschnibbelbilder satt.
Was das jetzt heißt? Ich weiß es schlicht
Bis auf die Zahl der Bäume nicht.

Himmel. Wäre es nicht toll, wenn du noch irgendwas sinnvolles aus dieser Folge mitkönnen nehmtes, ja das ist ein Wort, ein Mitternachtswort, das setzt sich zu gegebener Zeit einfach so in einen Satz hinein und wenn du es versuchst wegzuscheuchen mit der Maus oder der Backspace Taste, dann ändert das ganz häufig in einer noch schlimmeren Katastrophe. Nachts ist Backspace so wie Tippex früher, da will man nur die falschen Punkte über dem Ö wögloschen und schwupps, ist der ganze Aufsatz im Teich, für den Papi mindestens 2 Stunden gebraucht hat. Jeder und jede, der/die nachts Haus-, Examens-, Bachelor-, Master-, Diplom,- und Doktorarbeiten geschrieben hat, weiß das, und ich, ich hab sie alle geschrieben. Wenn auch nicht alle für mich selbst. Lassen wir es also für heute. Tschüss.

Schlagseite am Totensonntag

Die Pfütze auf
Die Pfütze auf dem Grab von
Die Pfütze auf dem Grab von Onkel Heini ist
Die Pfütze auf dem Grab von Onkel Heini ist gefroren was ich sehr
Die Pfütze auf dem Grab von Onkel Heini ist gefroren was ich sehr begrüße weil
Die Pfütze auf dem Grab von Onkel Heini ist gefroren was ich sehr begrüße weil ich nämlich ohne Stütze
Die Pfütze auf dem Grab von Onkel Heini ist gefroren was ich sehr begrüße weil ich nämlich ohne Stütze mittendrin
Die Pfütze auf
Platsch
Sitze

EKW047 Käsekuchenpoet

Igel, Komma, schon was älter

Schau, der alte Igel, wie
Er schüffelt, aufgeregt wie nie,
Er sucht im Strauch die alten Stellen
Dort: Die Schnecke! Da: Das Bellen
Eines Hundes, den er kannte,
Bis der auf die Straße rannte…
Ach, was ist das lange her,
Und hier, die Ranke gibt’s nicht mehr,
Dafür steht wankelmütig da
Das Schilfgestrüpp, wie’s immer war,
Und ist das nicht der Thymian,
Den man mit Maden fressen kann?
Na klar! Mit Schnittlauch, Rosmarin!
Der Igel seufzt und schmilzt dahin
Grad’ neben dem Rhabarbarbeet
Wo jetzt die Reichskriegsflagge weht.
Nun aber ab ins Schlafversteck
Denkt er. Doch das ist weg.
Oh Schreck.

Hi, Matthias hier. Ich habe ein wenig Sorge um unsere Mikrowelle. Und das hat mit Hartmut zu tun. Hartmut ist unsere neue Waschmaschine und er hat mich daran erinnert, dass es schon bald kein Gerät und kein Utensil in unserer Küche gibt, das den anderen Geräten von früher berichten kann. Von der allerersten Wohnung. Dem Basislager 1 sozusagen. Uns Menschen stirbt die Kriegsgeneration weg und den Geräten in unserem Haushalt eine Vorgängerschaft, die noch wusste, wie es ist, zu siebt an einem ungesicherten Mehrfachstecker aus dem Lidl zu hängen, während Mikrowelle, Toaster und Wasserkocher gleichzeitig laufen.

Was hat das alles mit Poesie zu tun? Du ahnst es längst: Absolut gar nix! Und absolut alles, natürlich, denn das Leben ist kein Ammenmärchen, in dem die Guten ins Töpfchen und die Schlechten in Kröpfen kommen, will sagen, in dem es nur Entweder Oder gibt, denn im Schatten der Mikrowelle, in der ersten eigenen Wohnung fand ich es irgendwann den rechten Zeitpunkt, Reimdingsis zu schreiben. Eins pro Tag, mindestens. Ein Leben lang. Es kam dann, wie es häufig ist, was dazwischen, dieses Leben zum Beispiel, und die Mikrowelle, ein blauer Plastikbomber der Weltfirma LG übrigens, hörte bald nur noch wenige Reimdingsis. Das ist schon lange her, es war noch, das klingt inzwischen fast bestürzend, im letzten Jahrhundert, und darum erscheint es mir fast wie ein Wunder, dass dieses blaue Monster immer noch tapfer seine Runden dreht, täglich klaglos Wärmekissen, Nudeln und Porige erhitzt und in meiner Abwesenheit den anderen Elektrodingsis von früher erzählt. Von der D-Mark und den Chaostagen, die jährlich eine Straße weiter wüteten und von diesem Zausel, der schon damals Reimdindsis für seine Flamme verfasste, was ihm wenig später einen Ring und in der Folge immer neue Küchen, Kinder und noch mehr Reimdingsis bescherte. Eins der allerersten, die Reise nach Jerusalem, hab ich Dir im “Tanzenden Haus”, in Folge 29 vorgelesen. Und sogar noch ein bisschen älter ist wohl dieses hier, das hat der Igel grade noch entdeckt auf seiner Flucht vor neuen Flaggen in der Nachbarschaft.

siebenmeilenstiefel I
die tiefe des gruens, die hoehe des tages
verschwinden wie rastlose traeume in schlafender halbnacht
schafe und weizen auf schlafenden feldern und weiden
und pfadlose wege verlieren – erstmals betreten, spaeter
dann frei heraus – jeglichen sinn
brombeer und distel duepiert die mimosende nase
die nass-narbig-praegend der elenden miene den vorstand miemt
heuender duft endet duerftig im heute, das himmelnden blaus
aus der tuere des nahenden tages tritt, herrisch und hart

Ach, ja, rhythmische Jamben-Trochäen-Wechsel, paradoxe Adjektive und jede Menge Stabreime, alles drin, was ich auch heute noch für wichtige Zutaten eines guten Reimdingsis halte. Hartmut, unsere neue Waschmaschine, ist übrigens von Miele, so viel Sentimentalität muss sein. Dass Hartmut inzwischen auch Internet kann, ist irgendwie logisch im Jahr 2020, aber es bleibt eher beim Versuch. Hartmut ist eben doch der ostwestwälische Mittelständer, der lieber persönlich anruft und noch viel lieber gar nicht kommuniziert, weil, was gibt’s denn da groß zu labern, wenn doch alles funktioniert. “Kannste nix von sagen”, das stimmt wirklich, ist das größte Lob, das ich kenne, und dass ich doch eine ganze Menge zu sagen habe, spricht entweder gegen mein Leben oder meine Ideale. Wird überhaupt ein bisschen viel “Ich” in dieser Folge und das nervt, wo doch die Welt grad vor die Hunde geht. Oder? Ja. Nein! Das ist falsch! Nicht das mit dem Ich, sondern das mit der Welt. Die geht natürlich nicht vor die Hunde. Und dass die Reichskriegsflagge inzwischen über manchen Querdenkerdemos weht, ja, meine Herrn! Immer noch besser als Minderheiten zu vergasen, findest du nicht auch? Nicht, dass ich Idiotie verharmlosen will, ich rücke hier nur gerade die gesammelte Weltscheiße “In perspective”, wie die Anglikanerin sagt. Solange Wohlstandsopfer wie ich abends täglich in ihr Aufnahmeequipment furzen können und hier ein paar Kinder herumstromern, denen ich gegen leichten Widerstand durch die Haare wuscheln kann, solange sollten wir die Kirche aber sowas von im Dorf lassen, mein lieber Herr Gesangsverein! Vielleicht geht es Dir da draußen ja gerade überhaupt nicht so richtig gut, vielleicht wärst du auch schon lecker mit einer Gorenje-Waschmaschine zufrieden oder einer Perspektive für Dein Leben oder ein bisschen mehr Gesundheit, und da sag ich Dir: Das Leben, das ja bekanntlich kein Ponyhof ist, mag ja manchmal echt beschissen sein, aber wenigstens stinkt es nicht die ganze Zeit nach Perd. Meine Meinung. So richtig viel mehr trösten kann ich nicht, auch nicht mit Reimdingsis, aber danke, dass Du trotzdem zuhörst. Bis morgen. Tschüss!

dunkle welt

ein fades leuchten dringt der daemmerung entronnen meinen augen zu
weltschmerz schreit das duenne seelchen regenwochenenden alle zeit einsamkeitsillusionen
der spiegel faucht mich an käsekuchenpoet
eine gemütlichkeitsregung…
am tag, als kurt cobain gestorben ist hab ich eine zwei geschrieben, in latein eine zwei geschrieben in latein
das fade leuchten lastet schwer auf meiner dunkelheit
auf meiner dunkelheit

EKW046: Quartfall

Alter Witz

Kommt ein Mann ins Lokal

Hi, Matthias hier. Was haben die russische Nationalhymne, Green Days Smash Hit “Basket Case” und “Go West” von den Pet Shop Boys gemeinsam? Sie haben das Harmonieschema vom Pachelbel-Kanon “geklaut”. Der Pachelbel-Kanon ist ungefähr von 1694 und ich find’s “kurios”, um mal ein eher selten verwendetes Wort zu benutzten, wie sich ganz viele Dinge eben kaum ändern in der Welt und einige dann eben doch. Ratzifatzi sogar. “Herr Ober, da ist eine Fliege in meiner Suppe!” Wie soll ein dreijähriges Kind diesen Witz verstehen, wenn schon so viele Prämissen völlig unklar sind. Was ist ein Ober? Was macht der bei uns am Esstisch, obwohl er doch gar nicht zu unserem Haushalt gehört?! Warum sietzt man diesen Herrn Ober und wieso kümmert sich eigentlich niemand um die arme Fliege? Wahrscheinlich, wird sich ein etwas älteres Kind denken, geht’s irgendwie um Zoonosen und der Herr Ober gehört zum medizinischen Personal. Pachelbel dagegen, also der Kanon, klingt immer noch ziemlich genau wie 1694, nur aus dem HomePod eben und wenn er, also Pachelbel es sich aussuchen dürfte, ob er lieber 1694 seinem Buddy Johann Christoph Bach seinen Kanon zur Hochzeit vorspielt oder ihn, also den Kanon, lieber 2020 aus einer Alexa quäken hört, ich glaub, er würde Alexa wählen. Denn er hat seine erste Frau und erstes Kind an die Pest verloren und ich glaub, er hätte sich nicht so derbe angestellt wie einige heutige Zeitgenossen, hätte er gewusst, was Maskentragen so für Wunder bewirken kann. Aber um noch mal zum Pachelbel-Kanon zurückzukommen: Der wird ja vor allem durch seine ersten drei Quartfälle charakterisiert. Vier Halbtonschritte runter, dann wieder einen hoch und wieder vier runter etc. Ein bisschen so muss sich Frau Merkel fühlen, wenn sie mit den Ministerpräsident_innen der Länder virtuell zusammensitzt und von einer Ohnmacht in die nächste fällt ob der versammelten kognitiven Herausgefordertheit ihrer Gegenüber. Ob sie wohl zwischendurch Verbindungsschwierigkeiten vorgaukelt (Neuland und so) und ein paarmal herzhaft mit dem Kopf auf den Tisch haut? “Ich! Hab! Kei! Ne! Lust! Mehr! Hel! Ge! Ja, nein, Frau Schwesig. Sie müssen das nicht noch mal wiederholen, ich denke, das hab ich gerade noch so verstanden, Frau Diplom-Finanzwirtin der Fachhochschule für Finanzen Brandenburg in Königs Wusterhausen. Ja, wirklich.”

Genug des kabarettesken Teils, kommen wir zu dem Zeug, das noch so fällt, nicht nur in diesem Herbst, sondern so ganz allgemein :

Ohne Titel

Wenn letzte Reste von den Bäumen fallen
Väter sich in Kinderhände krallen
Müttermünder gegen Wind anschrein
Dann wird es wohl November sein

Wenn erster Reif die dürren Igel frostet
Und dem Fiat der Unterboden rostet
Kalte Schauer über Auen peitschen
Wenn die Alten mit dem Schicksal feilschen

Warten längst die Engerlinge in der Erde
Alles, was zur Erde fällt zu greifen
Und noch vor dem Eisfall zu verwerten

Bis sie fett verpuppt zum Käfer reifen
Und im nächsten Sommer in den Gärten
Kindern in die Nasen kneifen

Und damit, ihr lieben Koffer und Kofferösen, werd ich es für heute sein Bewenden nehmen lassen. Macht nicht mehr zu lange und bis morgen! Tschüss.

Hack-Auflauf

Kennst du das auch?

Und ob, das kenn ich!
Dienstag, alles Scheiße. Wenn ich
Schnauze voll von allem hab,
Fahr ich in den Supermarkt
Und mähe mit der Uzi alles
Nieder! Rattatta! Dann knallt es!
Blut spritzt! Boah, wie geil Gewalt ist!

Nee. Ich meinte Hack-Auflauf.

Was? Ach das. Ja. Nee. Geht auch.

EKW045 Waffeln statt Schwaffeln

So kam es, wie es kommen musste:
Ute wollte, dass er schmuste
Schmusen aber wollt’ er nicht
Das war zu dicht und er entwich

Eine neue Woche bricht heran, hier in meiner kleinen und linearen Podcast-Recorder-Welt. Nun kann es sein, dass in Deiner kleinen Podcast-Hörer_innen-Welt aber gerade Mittwoch ist und wir schon wieder schwups aneinander vorbeireden. Nur dass wir uns eh nicht hörn können, denn du. liebes Hörer_innentier, hast ja gar keinen Podcast und wie soll ich Dich denn dann hören? Oder vielleicht hast du auch einen Podcast, aber ich kenne den gar nicht oder ich kenne ihn und er ist aber sehr schlecht und ich höre ihn deshalb nicht und du siehst schon: Die Wahrscheinlichkeit einer echten Kommunikation zwischen uns beiden, die ist ganz schön gering. Soziolog_innen haben viele Bücher vollgeschrieben über diese Frage, aber ich wollte ja eigentlich nur sagen, dass bei mir heut Montag ist und ich vieles anders/besser machen möchte. Ich will zum Beispiel wieder positiver werden. Und ideenreicher. Produktiver. Weniger Schwafeln und mehr Waffeln, sozusagen. Weil Waffeln sind was Produktives und Schwafeln kann ich ja immer noch, wenn ich alt und dement bin und das bin ich nicht. Wurzel 64: Acht. Bester Prophet von Welt, den man besser mal nicht beleidigt weil sonst bist du schneller explodiert, als du “Meinungsfreiheit” sagen kannst: Mohammed! Bester Fußballspieler, der je das BVB-Trikot getragen hat: Frank Mill. Bester Casus außer Ablativ: Genitiv, Ischwör! Leute, ich bin sowas von undement, ich hab sogar noch die Namen aller meiner Kinder gespeichert und kann erklären, was Heteroskedastizität ist und das können nicht so viele, selbst Mohammed wird da seine Probleme haben. Ischwör. Aber du kannst so undement wie ein Sack Flöhe sein, davon hast Du noch immer keinen täglichen Reimdingsipodcast bestritten, im Gegenteil. Bei zu starker Nichtdemenz könntest Du der Versuchung erliegen, intelligentes Zeug sagen müssen und das gibt Magengeschwüre, auf die lange Sicht zumindest. Ich dagegen hab so ein To-Do-Listen-Dingsi. Ich hasse ja To-Do-Listen, aber ich hab gemerkt, dass man in To-Do-Listen super einzelne Ideen eintragen kann. Und immer, wenn ich eine verwendet habe, wird die einfach abgehakt. Am Wochenende hab ich mir z. B. folgende Ideen in meine To-Do-Liste eingetragen:

— Waffeln
— Sprache verändert sich (gendern pipapo)
— Magst Du…

Geil. Daraus mach ich Dir Stoff für 3 Koffer-Folgen, wenn Du magst und damit bin ich schon mittendrin. Wenn Du magst. Es ist mir völlig klar. Das ist halt einfach so ein Redewendungsdingsi. So wie halt. Halt. Ganz schlimm. Halt mein ich. Aber nicht zu ändern. “Magst Du” ist aus meiner Sicht was relativ Neues. Kommt gefühlt us Süddeutschland. Weiß ich aber nicht. Hab ich auch keine Lust, nachzuschlagen. Vielleicht kommt es auch aus Prenzelberg und ich hab’s deshalb dem Stuttgarter Raum zugeordnet wegen der Schwabendichte in Prenzelberg. “Mogscht a Wurscht hoam?” Geht noch. Aber Eltern, die ihren Kindern Sätze sagen, die mit “Magst Du…” beginnen. Boah. Hab ich am Wochenende genauso gehört: “Rebecca, magst du von der Straße runterkommen, bitte?” “Nein, Mama, mag ich nic….wummmmmm!” Ich finde, es gibt so Fragen oder Situationen, da ist ein “Magst Du…?” eine suboptimale Gesprächseröffnung. Und zwischen Erwachsenen hat es schnell so einen passiv-aggressiven Touch. “Magst Du vielleicht dieses Wort nicht mehr verwenden?” Ja, mag ich. Und mit den ersten 5 Buchstaben von “Mag ich” beginnt auch das nächste Reimdingsi.

Magic happens

Die Sache mit der Zauberei
Ist tricky. Let me tell you, why:
Was wenige nur wissen, ist,
Dass “Magic happens”, doch sehr trist.
Und nervig! So erscheint sie oft.
Denn wir sind dumm. Weil unverhofft
Wirkt manche Überraschung so
Wie eine Störung. Und statt froh
Und frisch verzaubert steh’n wir da,
Die Augen rollend, undankbar,
Und denken an den Alltagsscheiß,
Die Steuer droht, die Wand muss weiß,
Und noch bevor wir es versteh’n
Ist es gescheh’n. Wir: Nix geseh’n!
Wer die Sirenen erstmals hört
Denkt höchstens: Kerl, der Lärm, der stört.
Denn Wunder sehen oder hören
Dass sie wirken, und nicht stören,
Musst du lernen. Weißt du wie?
Denk drüber nach. Sonst lernst du’s nie.

Was stand denn noch auf der Ideen-ToDo-Liste? Ach, so, “Sprache verändert sich (gendern pipapo)”. Isso, oder? Letztens im Deutschlandfunk da diskutierten Zwei, so ein alter Redakteurs-Sack und eine junge Moderatorin über Gendern in der Sprache und in diesem Fall beim Deutschlandfunk. Und ich find’s ein wenig banal, sowas zu diskutieren. Weil der alte Sack, ich schätze mal, er war 60 oder so, wird in 40 Jahren tot sein und die Moderatorin noch nicht und sie wird natürlich weitergendern und damit hat sich die Sache ganz von selbst erledigt. Ganz ohne das auszudiskutieren. Er kann natürlich noch drei mal AfD wählen und das wird ‘ne zeitlang ziemlich unangenehm, weil die Alten in der Mehrheit sind in diesem Land, aber irgendwann ist auch die AfD weggestorben. Ich bin da guten Mutes. Sind wir beide, oder, Mohammed? Ma’a as-salamah und bis morgen!

Wechselbad

Neulich erst traf ich ‘nen Tropfen
Regen, der, statt anzuklopfen,
Gegen meine Stirne stieß.

Seltsam, dachte ich bedröppelt,
Hat man mich denn da veräppelt,
Als mein Dach ich decken ließ?

Denn der Wassertropfen traf mich
Im Gemach, worin statt Schlaf ich
regennasse Laken fand.

Was ein Blick gen Himmel stützte,
War doch, außer meiner Mütze,
Nichts, was dem im Wege stand.

Hat der Dachdecker gesoffen?
Oder ich? Das Dach war offen!
Nicht nur das: Das Haus war weg!

Statt in meiner Kammer stand ich
Jammernd in ‘ner Pfütze! Fand mich
Triefend nass und tief in Dreck.

Ach! Da traf ein warmer Schauer
Der Erkenntnis mich. Ich trauert’
Nicht mehr arg um Haus und Dach.

Hab noch nie ein Haus besessen!
Musst mich ergo auch nicht stressen,
Freut ich mich. Und… wurde wach.

Wasser von der Zimmerdecke
Ließ mich aus dem Schlafe schrecken.
Irgendwas war nicht ganz dicht.

Alles klar. Ich hatt’ ein Haus. Und
Zwar mit mit schadhafter Bedachung.
War ein nasser, armer Wicht.

EKW044 Freutag

Die Sonne strahlt, die Wolken weichen,
Pessimisten tun erbleichen:
“Sowas schimpft sich dann November…”
Jepp! Und Ihr könnt das nicht ändern

Hi, Matthias hier. Heut Morgen, da hab ich aus dem Fenster geschaut und als der Nebel sich verzogen hatte, da sah’s da draußen aus wie im schönsten Oktober. Und ich hatte richtig gute Laune. Und weil ich schlau bin, hab ich einfach mal das Radio ausgeschaltet gelassen. Weil, wenn erst mal die neuen RKI-Zahlen durchgegeben sind und uns Gott, der Herr, unseren täglichen Trump gegeben hat, dann ist ja so ein Tag manchmal schon gelaufen. Alles richtig gemacht, könnte man also denken. Radio aus, Sonne rein. Und an den Computer gesetzt. Worüber rede ich eigentlich in meinem Koffer-Podcast, konnte ich gerade noch denken und da kamen sie schon, die ersten Meldungen via Social Media. 4 Stunden noch und dann ist FRA-HEIII! Freutag, Ihr Lieben! Hoch die Hände, Wochenende! Und da hat es mich mal wieder geschüttelt. Ich hab gut schütteln, ja ich weiß. Sitze zu Haus und teile mir selbst ein, was und wieviel ich davon mache. Doch das war natürlich nicht immer so. Und dennoch hab ich’s jedes Mal abgrundtief gehasst, diese Freude auf’s Wochenende. Läuft da nicht irgendwas ganz entscheidend schief, wenn daraus unser Leben besteht? Aus Mist und Frust und Schreierei und Langeweile und Idiotie und dann, endlich (!) Wochenende? Das ist doch einfach nur zum Kotzen. Nicht, dass sowas einmal vorkommt, das ist völlig normal. Aber dass so etwas derart tief in unserer Kultur verwurzelt ist. Freutag. Worauf genau soll ich mich denn freuen? Darauf, dass ich fünf der nächsten sieben Tage hassen werde? Das ist doch keine Lebenseinstellung! Das ist doch einfach riesengroße Scheiße. Und ich war wütend. Und ich weiß nicht mal so ganz genau, worauf. Auf die Menschen? Auf die so genannten “Verhältnisse?”. Ich glaub, irgendwie auf alles, aber noch ein bisschen mehr auf die Menschen. Nicht die Malocher, sondern die Office-Menschen, die da hocken, auf ihren ergonomischen Superstühlen und freitags alle 5 Minuten auf die Uhr starren. Und das nennt ihr also euer Leben? Ist das so? Ach scheiße… Und ziemlich häufig, wenn ich “Ach scheiße” denke, dann wird daran ein Reimdingsi. Und ganz, ganz manchmal sogar ein Sing-Reimdingsi. Das habt ihr jetzt davon. Tschüss.

Freutag
Die Kunde naht:
“Wir haben endlich Freitag!”
Und die Gesichter hell’n sich auf

Ich sitz und frag (mich):
Was is’n das für’n Scheißtag?
Wie sind die Leute eigentlich drauf?

Frau Schlömer prahlt:
Wir fahren mit dem Boot raus
und Alexander streicht den Zaun.

Und Kerstin prahlt:
Antonia hat Geburtstag.
Schon 13 Jahre, ich glaub es kaum…

Was is’n das für’n ein Leben?
5 Tage für die Katz!
5 Tage abgeschrieben
Für’n bisschen Weekend-Spaß

Ich weiß schon, Carpe-Diem,
Und der Kalendersprüche-Kitsch
Hilft auch nicht wirklich weiter
Aber nichts tun hilft auch nichts

Da ist sie ja,
die Mail: “Heute ist Freutag!”
Klar, denk ich, freu Dich, arme Wurst

Ich sitz nur da
Und warte auf den Einschlag
Erster “Bis Montag!” auf dem Flur

Ich weiß exakt:
Ihr zählt doch schon die Tage
Bis eure Rente kommt, doch dann

Dann wird gekackt
Und gestritten, sich gelangweilt
Nur halt zuhause mit dem Mann

Was ist das für ein Leben?
5 Tage für die Katz!
5 Tage abgeschrieben
Für’n bisschen Weekend-Spaß

Schon klar, #JustDoIt und #YOLO
Und was ihr noch so aufgeschnappt (habt)
Hilft euch nicht wirklich weiter
Ihr habt’s halt schon verkackt

Ihr habt schon aufgegeben
Ein Leben für die Katz
Ein Leben abgeschrieben
Für Dauermittelmaß

Ich weiß schon, solche Lieder,
Sind schnell gesungen, schnell ausgedacht
Und Draufhau’n ist doch wieder
Nur wie Montags, Job um acht

Dann hau mir doch mal in die Fresse
Und ein Anfang ist gemacht

Dann hau mir doch mal in die Fresse
Und ein Anfang ist gemacht

EKW043 Keine Flügel mehr

mein lieblingsmarienkäfer

ist rot und schwarz gepunktet hat keine beine mehr
ein körper wohlgerundet
und keine beine mehr

ist meilenweit geflogen hinter den beinen her
auf meiner hand gelandet und fliegt wohl nimmermehr

hat keine flügel mehr
keine flügel mehr

Hi, Matthias hier. Marienkäfer im November. Hab ich lang’ nicht mehr drüber nachgedacht. “Mama, wo gehen all die Marienkäferchen im Winter hin?” “Zum Lieben Gott in den Himmel, Antonia, da ist es warm und kuschelig.” Aber halt! Wir können uns die Euphemismen sparen, sie sterben tatsächlich nicht! Sie überwintern, gar nicht selten irgendwo an oder in Menschenhäusern. Ich hatte mal einen, das ist schon einige Jahre her, der saß mitten im November plötzlich auf einer Chilipflanze auf meinem Küchenfensterbrett und hat die Blattläuse gefuttert, die sich dort vermehrt hatten. Wir haben ihn “Eike” genannt, keine Ahnung, warum. Aber ich könnte mir vorstellen, dass wir einfach keine Ahnung hatten, ob Eike nun ein Kerl oder eine Tusse war und da schien uns dieser Name eine sichere Bank zu sein. Eike war dann eines Tages einfach nicht mehr da und könnte mir vorstellen, dass er oder sie sich sattgefresen hatte und irgendwo unter der Küchenspüle pennen gegangen ist. Gerade noch rechtzeitig, um dem ganzen Weihnachtszinober zu entkommen. Ich will hier nicht den Teufel an die Wand malen, aber Weihnachten, puh. Dieses Jahr ganz besonders puh, glaub ich. Was soll denn der Herr Jesus sagen zu diesem Corona-Weihnachten. Der wollte doch bestimmt auch einen richtig schön Geburtstag feiern. So ‘ne richtige Sause vielleicht. Jede Menge andere Kinder einladen, Torte und Pommes futtern, tausend Geschenke kriegen und nachts dann kotzen wegen der vielen Bockwurst und dem ganzen Kartoffelsalat. Und stattdessen: “Maske auf, Mistblag! FFP3, Du musst noch ein paar hundert Jahre durchhalten bis die Menschheit ausstirbt!” Das arbeitet in so einem Kind. Lange, lange arbeitet es, besonders in Einzelkindern, das kennt man ja. Und irgendwann, dann bricht’s sich Bahn und der Silokonchip in seinem Kopf schaltet auf “Überladen”.

2 Vierzeiler

Es hat, in später Juninacht,
Ein Kind die Eltern umgebracht.
Gefragt, warum, kratzt’s sich am Ohr:
“Ich hatte grad nichts bess’res vor.”

Der Golem in der Ecke schwieg,
Als Joscha auf Rebecca stieg.
Der Hass in seinen Augen war
Das Letzte, was Rebecca sah.

Ach. Eigentlich geht’s uns doch ganz gut. Ich sitze hier vor meinem Mikrofon, esse Salzkaramell-Schokolade, und irgendwo tief in mir drin ertönt Guido Westerwelle, Gott hab ihn selig, und flüstert “Spätrömische Dekadenz…” Warum auch nicht? Ist doch bald eh alles vorbei, nicht war? Gestern hab ich einen Radiobericht über das Gedenken an das Seilbahnunglück von Kaprun in Österreich gehört und dachte noch: Krass, das ist doch jetzt auch schon wieder, tja, 5 Jahre her oder so… Waren aber 20. Jahre! 20! Da hilft auch alles Salzkaramell der Welt nicht mehr. Man sollte, wenn’s denn mit der täglichen Medikation kompatibel wäre, ausschließlich Champagner trinken. Aus Maßkrügen. Ich hab Euch lieb. Tschüß.

Im Spiegel schaut mich einer an
Der hat zu viele Haare dran
Am Bauch, am Rücken, selbst am Arsch
Und Falten auch. Drum trauermarsch-
ier ich jetzt in der Gegend rum
Und nehm’s dem Spiegel scho’ auch krumm
Dass der mir statt der Wahrheit nicht
Was Schönes zeigt, statt dem Gesicht
Vielleicht ein junges Fräulein zeigt
Das die Vitalfunktion antreibt,
Und Donner: Wirklich steht sie da
Grad hinter mir und nimmt mich wahr
Und schaut an mir herauf, herab…
“Ich muss auf’s Klo, Papa, hau ab!”

EKW042 Wellenmusik

Nebelhorn

Seit Hunderten von Jahren schon
Schalt durch den Fjord ein Nebelhorn
Es tutet laut vernehmlich
Sehr voll und laut – und dämlich

Denn immer wenn der Nebel kommt
Erklingt aus Hornestrichter prompt
Ein “Kinderchen, macht hinne!
Ihr steckt im Nebel drinne!”

Das klingt vielleicht noch seriös
Doch ist der Look recht prätentiös
Das Horn zieht eine Fratze
Und winkt mit lila Strapse

Darum ist dieser Art Alarm
Bisher viel Häme widerfahr’n
Und tausend Seelen krachten
Ins Riff, noch als sie lachen

Hi, Matthias hier. Hast Du ein bisschen Zeit mitgebracht? Schön. Ich sag Dir’s ganz ehrlich. Ich hab so mittel viel Zeit heute. So ein Alltag mit Dingen drin und so, der kann manchmal ganz schön nerven. Heute hab ich zum Beispiel viel in Wartezimmern von Ärztinnen und Ärzten gesessen, bei denen ich seit Monaten einen Termin hatte. Und hab trotzdem stundenlang gewartet. Ich finde das toll, das sowas möglich ist. In dieser unserer schnelllebigen Zeit. Da wird man doch gleich mal extragründlich entschleunigt. Jedenfalls fühl ich mich heut Abend gleich so richtig urlaubsreif, so entschleunigt bin ich von der ganzen Warterei und da hab ich halt viel an Schiffe gedacht.

Ulla

Ulla, 50, Flip-Flop-Tusse
Reist primär per Kreuzfahrtschiff.
Vormittags von Bord, in Busse,
Wo man sich zum Knipsen trifft.

Pyramiden, Fjord, Indianer:
Handy-Cam heraus und “Knips”.
Stündchen, sagt der Tourenplaner,
Dann zurück, Prosecco, Schwips.

Neulich war ‘ne Kathedrale
(Irgendwas mit Dings… Barock?)
Einfach zu! “Hans-Gerd! Wir zahlen
Nicht, man hat uns abgezockt!”

All-Inclusive ist ihr Mantra
Ulla kennt ihr Recht genau.
Klar, es ginge auch charmanter,
Meist ist sie jedoch zu blau.

Schließlich Mumbai. Ja, da hat’se
Einen angemacht, der Glatze
Hatte. War halt Priester. Ulla
Aber musste dringend strullern:

“Samma, Ali, wenn man pissen
Muss”, lallt’ sie, “Wo geht das, Mann?!”
“Easy”, ließ der Mann sie wissen,
Schniedel raus und pisst’ sie an.

Das hat Ulla nicht verwunden.
Rückkehr, zack, Kabine zu.
Hat geduscht und viele Stunden
Lang geheult. Die dumme Kuh.

Die dumme Ulla aus dem Reimdingsie von eben, die hat ja im Prinzip noch Glück gehabt. So ein bisschen angepillert zu werden ist schließlich, das wissen alle, die sich “Titanic” oder “Die Höllenfahrt der Poseidon” angeschaut haben, längst nicht das Schlimmste, was auf Kreuzfahrten so passieren kann. Man kann zum Beispiel auch seine Nachbarn treffen und feststellen, dass sie direkt nebenan in der Kabine wohnen. Womöglich darfst Du ihnen sogar einmal wöchentlich beim Urlaubssex zuhören. Ich glaube, wenn man sowas mal durchmachen musste, kommt so ein echter Sturm inklusive Havarie und Untergang sogar ganz gelegen. Denn dann hast Du eh mehr gehört, als so ein Durchschnitts-Zentrales-Nerven-System zu verarbeiten jemals in der Lage wäre. Tschüß und bis morgen!

Wellenmusik

An Bord der Fähre steht ein Mann
Der leidlich musizieren kann
Er spielt Oasis’ “Wonderwall”
(Wenn’s das denn wirklich seien soll…)
Und konkurriert mit See und Wind
Darum, dass er Beachtung find’.

Ein Kampf, den jeder brave Mann
Im Grunde stets verliert, bis dann
Bei ungefähr Windstärke acht
Die Mutti bleich an Deck gebracht
Wird und die Fische stetig füttert.
“Schau, die Bockwurst! Stark zerknittert
Und zerkaut! Mit Brötchen und
Mit Zwiebeln.” Würg! Schwups, auf den Grund.

Der Wind verliert an Sympathie,
Die Mutti stöhnt und flucht wie nie,
Und plötzlich kriegt der Musikmann
Beachtung. Weil er Musik kann
Und jene Ablenkung verschafft,
Die Mutti braucht. Statt Wellenkraft.
“Hör zu, der spielt grad unser Lied!”
Ruft Vatti, als er Mutti sieht,
Wie sie erst weiß wird und dann grün
(Gleich wird sie ihre Wurst versprüh’n…)
“Komm lass uns schwofen Schatzilein!”
Doch Schatzilein muss erst mal spei’n.

Der Musikant indessen hat
Beendet, was begonnen grad
Als “Life is life!”, gar nicht mal gut,
Und göbelt kurz in seinen Hut.
Der Wind nimmt zu, mit ihm die Wellen,
Die an Bord die Blässe schwellen
Lassen bis mit einem Mal
Die Schiffsbesatzung kotzt. Im Strahl.
Die Szene, die nun folgt, ist wild
Und suchte man nach einem Bild
Wär’s eher Pollock als Renoir
Mehr Otto Dix als ein Degas.

Wo waren wir? Der Musikant!
Ja richtig! Hut ab, Guter Mann!
Nachdem der erstere entleert
(Also der Hut), wird frisch geehrt
Das Andenken des King of Soul:
James Brown wird angestimmt, und wohl
Im selben Augenblick das Schiff
Gesteuert auf ein großes Riff.
“Ein Riff?” denkt ihr? “Im Ernst?” und wundert
Euch. “Im einundzwanzigsten Jahrhundert?”
Dazu muss man wissen, dass
Der Kapitän, das alte Aas,
Säuft, wie ein Loch, bei Tag und Nacht
Und selten auf der Brücke wacht.
Sein Selbstverständnis ist, ganz schnell
Umrissen, unprofessionell.
Und als das Schiff vor Skagen sinkt
Ist er der erste, der den Drink
Abstellt und sich noch in der Nacht
Per Rettungsboot vom Acker macht.

Für Mutti und den Musikus,
Für Vatti und den Rest ist: Schluss.
Doch kurz vorm Ende stimmt der Mann
Mit der Gitarre dies hier an:
“Es war mir ein Vergnügen Euch
Zu unterhalten. Und mich freut
Ein wenig, dass der letzte Song
In Eurem Leben der hier…” KLONK!
Dann knallt er gegen eine Wand.
Das ist, wie er sein Ende fand.
Was besser ist als kaltes Wasser,
Das voll Kotze ist. Und nasser.