EKW074 Chocos, der Knusperbär

TL;DR Da war dieser Junge in der Kelloggs-Frosties-Werbung und der sollte Eishockeysurfen oder was man eben so macht, wenn man als Süßzerialienfressender Gesamtschülerblondie auf der Rütli-Schule nachmittags das Heroin weggeraucht hat, aber die anderen sehen voll gut aus und waren beim Friseur. Was tust du?

am baum vor meinem fenster
an der efeuranke
zittern auf und ab
zwei blätter
tot im wind

wie vögel
auf und ab
die schnäbel
je dem andern
zugewandt ins spiel
vertieft: der paarung
hin und her einander zu
gewandt ein auf und ab
im hin und her und dann
nicht mehr nur auf und ab
und her und hin
ein totes
blätterpaar
im wind

Hi, Matthias hier. Holt Eure Frohlockenstäbe heraus, ihr lieben Koffer, ich las bei einem Open Mic und wurde nicht geschlachtet! Was wegen des digitalen Charakters der Veranstaltung zu erwarten war, aber erzähl das mal jemand meinem Adrenalinspiegel. Excitation Transfer ist das Stichwort, der zu Flucht und Tod und überhaupt allem bereite Körper trifft auf eine quietschfidele Psyche, die nach absolvierter Hochspannung schon wieder in Unterhose mit Kippe und Bierdose durch die Küche schlurft, während er, der Rest, noch Tiger töten möchte.

Oh Tony! Das schaffen wir nie! Kein Problem, wir halten nur kurz eine Frosties-Packung in die Kamera und gehen wieder schlafen… Ich hab Dich gerade verloren, oder? Werbereferenzen aus den späten 1980er-Jahren sind, das muss irgendwann mal ein mein mittelleistungsfähiges Gehirn hineingeprügelt werden, absolut kein No-Brainer. Also: Da war dieser Junge in der Kelloggs-Frosties-Werbung und der sollte Eishockeysurfen oder was man eben so macht, wenn man als Süßzerialienfressender Gesamtschülerblondie auf der Rütli-Schule nachmittags das Heroin weggeraucht hat, aber die anderen sehen voll gut aus und waren beim Friseur. Was tust du? Richtig, bei einem Werbecasting mitmachen. Mit einem strunzdummen Zeichentricktiger, der dauernd nölt, das Chocos, der Knusperbär den viel besseren Song hat und das fiese ist, Tony hat recht, weil: Keiner knuspert mehr, als Chocos, der Knusperbär. Yeah. Welch unschuldige Zeiten, in denen man noch Yeah auf Bär reimen konnte! Das Problem war, dass Chocos Gesamtanmutung doch stark an Disneys Balu aus dem Dschungelbuch angelehnt war. Und weil der wiederum mit Käpt’n Balu und seiner tollkühnen Crew gerade ein Megarivival im Disney-Club feierte, wurde da im Hintergrund, darauf wette ich einen Kubikmeter Honynut-Loops, ein fetter Urheberrechtsprozess geführt. Oder? Klingt das logisch? Ich hab’s gerade gegoogelt und was ich fand war folgende Schlagzeile: “KELLOGG’S TEAMS UP WITH DISNEY TO BRING MAGIC TO BREAKFAST TIME WITH FROZEN”. AKA: Die Schlappschwänze haben gekniffen und machen gemeinsame Sache.

Aber wir wollen ja eigentlich über meinen erfolgreichen Tag reden. Oder? Höre ich Widerspruch? (Nein.) Gut. Ich bin jedenfalls megastolz auf mich und habe jetzt nur ein wenig Sorgen, dass die fünf bis sieben Clubhause-People, die da zugehört Habens denken, ich wär so ein lustiger Reimonkel und gar nicht der zart-zerbrechliche Hitler-Witze-Reißer, den meine Kofferitas alle so heiß und innig lieben. Was also tun? Nuuuuuun. Dafür schließen wir alle einmal kurz die Augen, denken an alte CDU-Wahlkampfvideos auf Youtube und freuen uns jetzt erst mal auf seriöse Reimdingsie-Kunst

episoden meiner angst (2)

strahlend deine augen
schimmernd liegt
conchiolin
in deiner hand
es mir zu schenken

lichtes tor
der eintritt in die räume
mit perlmutt belegten wänden
milde dämmerung und
tiefe schatten sinistral
gewundener spirale

weiter führt
die dunkelheit
aragonith
gespannte streben
enger einen kreis um
meinen gang

der stetig
kleiner schritte macht
der spindel
meiner lähmung zu
im schneckenhaus

Dö-Dö-Dong. Die Stimmung im Keller und erste Fragen häufen sich, ob sich heute denn gar nix richtig reimen tuen kann bzw. reimen können tut. Und: Geht, sag ich mal. Denn, um ganz ehrlich zu sein: Die Reimdingsis heute kommen alle aus einer Weltkriegsreserve für die wirklich schlechten Zeiten. Aber ich hab gemerkt, dass ich in Hochstimmung wirklich gar nix lyrisches auf die Matte bringe und da habe ich eben angefangen, die Notvorräte zu plündern. Das ist die Krux am Glücklichsein. Dieser Mangel an Selbsthass macht mich gefährlich unkreativ. Lichtblicke kamen da nur von Amazon, denn irgendeine Schlampe, bzw. bleiben wir gendergerecht, irgendein Horst Wessels meinte, meinem Bauch “Im Moor” genau EINEN Stern geben zu müssen. Ich meine, einen! Hast du schon mal einen Stern gegeben für ein Buch, dass Du nicht gut fandst, dem Du aber angemerkt hast, dass da ein bisschen Arbeit und guter Wille drinsteckt? Ich hoffe nicht, denn sonst bit du ein riesengroßes Arschloch! Wie muss ich mir so ein Ein-Sterne-für-Bücher-Geber_innen_Leben vorstellen? Ist das eher Frust über die eigene Scheiße von Leben oder einfach nur böser Wille? Denn, ich muss dazu sagen, dieses Buch, zumindest das E-Book, gibts gerade wegen einer undurchschaubaren Amazon-Werbeaktion für fünf Tage für Umme. Nix. Das dumme Schwein zahlt nix, aber gibt erst mal einen Stern. Ach, herrlich.

Ich muss sagen, es geht mir schon wieder besser. Also schlechter. Gibt also keinen Grund sich Sorgen zu machen. Es fließt schon wieder. Aber nicht mehr heute. Tschüß.

anerkennung

geht, gespannt wie eine feder
sieht, wie jeder vor den plaetzen steht
die arme weit gestreckt, gereckt den hals
hinauf, die augen keck dem kampfgericht
entgegen; laecheln. fest. verwegen

liegt zitternd im bett, der magen
verkrampft; duerr wie ein brett, verbissen
und verbittert

erzaehlt nicht von traeumen, verschlossene
miene haelt alle gefuehle gefangen
und zaehlt die vergossenen traenen der lieben
nicht, sucht nach vergangenem, findet nur schemen
des alten verlangens und sieht ein gesicht
verzweifeln im scheinwerferlicht

EKW073 Round Midnight

TL;DR Ist wahrscheinlich die alte Geschichte: Junge trifft Mädchen, Junge verliebt sich in Mädchen, Junge ist ein perverser Anatom und reißt Mädchen den Oberkörper auf, und das einzige, was sich da bewegt, ist das Herz.

Round Midnight

Talisker auf Ex
Um 12 noch am Hafen
Overstolz im Maul
Die Blümelein schlafen

Kotze schwappt am Kai
Komm rein
Ist gar nicht so kalt
Und dann ist es
bald
vorbei

Was hast du denn gedacht
Wie die Nacht
Heute endet?
Dass eine kommt und schwach wird
Und das Blatt für dich wendet?

Am Horizont winkt
Ein toter Hund und er trinkt
Die Kotze vom Kai
Und übergibt sich dabei
Die Kotze vom Kai
Und übergibt sich dabei

Hi, Matthias hier. Heute freue ich mich richtig auf den Podcast. Klar. Is spät und so. So what, oder? Muss ja schließlich nicht schuften inne Fabrik. Das soll’n mal schön die anderen machen und ich schlafe, fresse, schmiede Reime und schlage zwischendurch meine Kinder. Damit se später auch was zum sich Beschweren haben. Aber ich schätze, ich bin wohl zu schlapp dafür und weil “in Zeiten von Corona” Mobbing etc. nur noch in diesem Internetz passiert, holen sich viele der lieben Kleinen ihre Traumata bei Insta und auf ihrem Lieblingsmessengerdienst ab. Die moderne Dolchstoßlegende quasi: Auf dem Schulhof ungeschlagen und dann durch Verräter im eigenen Telegram-Kanal per DM fertiggemacht. “Ey, has gehört? Seine Mutter ey, die kocht ohne Salz, ey, ischwör.” Kindsein ist wirklich so richtig beschissen, aber durch einen bio-psychischen Cocktail aus Unwissenheit, Selbstbeschiss und tonnenweise Glücksbotenstoffe finden Kinder die Welt erst mal grundsätzlich knorke. Klar, sowas kann man aus ihnen herausprügeln, dauert aber, und die notwendige Disziplin bringe ich einfach nicht auf. Wem mache ich eigentlich was vor? Ich bring’s einfach nicht über’s Herz…

Ich weiß, kein Mensch ist illegal
Doch scheißegal gibt’s häufig mal
Der Typ zum Beispiel, der Chantal
Geschwängert hat, ist zwar kausal
An mir beteiligt, doch die Qual,
Dass meine Mutter ernsthaft heißt
Wie ein Klischee, also Chantal,
Ich weiß, da kann der Typ nix für
Und Mamas Eltern, sag ich dir,
Die konnten’s zwar, doch sind sie tot
Und also nicht verfügbar, ob
Ich trotzdem hingeh’ und sie schlage
Hängt davon ab, ob ich es wage
Sie nachts noch mal kurz auszugraben
Mal schau’n, wo ich den Sparten habe
Und ob dieser Friedhof offen
Ist. Ja nun. Man kann ja hoffen.

Ist ja eigentlich auch eine seltsame Wendung, “übers Herz bringen”, oder? Sich ein Herz fassen, dem Herzen einen Stoß geben und es dann über’s Herz bringen. Was sich so ein Herz alles gefallen lassen muss, und dabei hat’s schon genug damit zu tun, den zähen, roten Glibber durch die verfetteten Gefäße zu pressen. Man fragt sich ja, warum die Leude immer alles dem Herzen in die Schuhe schieben. War wahrscheinlich die alte Geschichte: Junge trifft Mädchen, Junge verliebt sich in Mädchen, Junge ist ein perverser Anatom und reißt Mädchen den Oberkörper auf und das einzige, was sich da bewegt hat, war das Herz. Ist jetzt ja nicht so, dass die Milz irgendwas Sichtbares täte. Oder die Leber. Die Lungen, ja gut, sicher. Aber vielleicht hat sie da schon nicht mehr geatmet? Ach, was weiß denn ich. Hab offensichtlich geschlafen, als das in der Schule drankam. Leber, Niere, Milz und Hirn tun den Betrachter irritier’n. Egal wie lange man auch guckt: Du wartest ewig, bis was zuckt.

Die fortgeschrittene Stunde merkst du übrigens häufig daran, liebes Kofferienchen, dass meine Reimdingsis in zunehmendem Maße knittelversiger werden und die ich Vierhebigkeit der Verse zunehmend allein durch das berühmte Silbenquetschen erreiche. So What. Ich hatte Spaß, alle Kinder leben noch und morgen ist Berufsschule. Tschüss.

Frühmorgendlicher Sechszeiler

Es kräht der Hahn die Sterne an
Und schläfrig schlurft der Bauersmann
Zur Kuh, die muht und opponiert.
Die Melkmaschine explodiert.
“Du, Gudrun!” ruft der tumbe Knilch,
“Wir trinken Schnaps statt Milch.”

EKW072 Karlheinz Förster

TL;DR Omma war mit 16 auch lustiger als später und damals war Krieg und sie war beim BDM.

Alle Brücken brennen

Lippen bleiben unbewegt
Dass sie nichts sagen können
Hände in den Schoß gelegt
Und alle Brücken brennen

Böse Blicke ignorier’n
Auch wenn sie ihn erkennen
Kein Wort und kein Gefühl verlier’n
Und alle Brücken brennen

Füße in den Staub gestellt
Die letzten Bande trennen
Das Zündholz lodert, Feuer hellt
Und alle Brücken brennen

Augen auf den Horizont
Er wird nicht einfach flennen
Chuck Norris heult ‘ne Wasserfront
Und alle Brücken rennen

Hi, Matthias hier. Es gab Fragen:
Geht es Dir nicht gut?
Nein.
Warum nicht?
Ich bin müde, es ist halb neun Uhr morgens.
Ach?
Du solltest mich um halb elf sehen. Dann bin ich das pralle Leben. Ein Gänseblümchen gar, ein lustiger Wachholderbusch voll brummender Insekten.
Warum machst Du Deinen Podcast auch immer erst abends, wenn du schlafen müsstest?
Warum arbeitest Du immer am Tag, wenn Du das Tageslicht genießen müsstest?
Ich hab keine Wahl!
Eben.
Na dann beschwer dich aber auch nicht.
Das sich Beschweren gehört zum Anforderungsprofil: Dostojevski sagt:…
Ach Scheiß doch jetzt mal auf Dostojevski! Früher warst du viel besser gelaunt!
Wann früher? Als ich 16 war? Da war ich ein Teenager! Omma war mit 16 auch lustiger als jemals später und damals war Krieg und sie war beim BDM.
Als könnte man das vergleichen! Deine Großmutter war mit 16 bereits Mädelring-Führerin! Die hatte quasi die Mädchen von ganz Westpreußen unter ihrer Fuchtel. Da kann man doch mal lustig sein?! Was hast du denn bisher geschafft in deinem Leben?
14 Pfannkuchen am Stück gegessen, 72 Koffer-Wörter-Folgen und ich hatte das Panini-Bundesliga-Heft 1986/87 fast vollständig bis auf Karl-Heinz Förster, das Arschloch.
Was kann denn Karl-Heinz Förster dafür, dass du jetzt schlechte Laune hast? Dein Freund Rolf damals, der hatte Karl-Heinz-Förster bestimmt. Wahrscheinlich sogar doppelt, wie ich ihn kenne.
Ja, bestimmt.
Und er war auch immer gut gelaunt, auch um halb neun Uhr morgens.
Kein Wunder, mit einer Ladung Karl-Heinz Försters in der Tasche war er ja auch ein gemachter Mann.
Tja.
Tja.
Dann kann ich dir auch nicht helfen.
Jetzt nicht mehr. Nein. Damals, da hätte ich mit ein bisschen mehr Taschengeld mehr Aufkleber-Packungen kaufen und mein Album vervollständigen können, aber heute: Nein. Jetzt isses zu spät.
Tse. Sei doch froh, dass du solche Probleme hattest und nicht im Krieg aufwachsen musstest.
Is was dran. Jungmädelführer wäre ich kaum geworden, dafür hatte ich 2 Hoden zu viel und zwei Zöpfe zu wenig.
Fängst du schon wieder mit deinen Haaren an? Niemand hat dir je verboten sie wachsen zu lassen!
Ich habe Hoden gesagt, nicht Haare.
Sag doch was du willst. Aber vielleicht könntest du in deinem Podcast einmal nicht Hoden sagen. Das findet sowieso niemand lustig.
Ich schon. Immer, wenn ich Hoden sage, bekomme ich ein bisschen bessere Laune. Hoden. Siehste? Schon viel besser als eben. Hoden.
Ich lege jetzt auf.
Hoden.
Schön, dass es dir besser geht.

Vor- und Nach-Corona

Man schwingt sich ein
Ist in the mood
Man feiert hart und feiert gut
Und dann, als alle strulle sind
Versägt man sich im Ampelsprint
Auf der B6 mit alle Mann
Wie gut, dass keiner nölen kann
Denn man ist matsch und viel zu stramm

Wir müssen noch ganz kurz über Anglizismen talken. Der Anglizismus des Jahres 2020 ist Lockdown. Sagt ANATOL STEFANOWITSCH, Professor für die Struktur des heutigen Englisch an der Freien Universität Berlin. Gleichzeitig Wissenschaftsblogger, Vortragsredner und Vorsitzender der Jury für den Anglizismus 2020 sowie – aber ich glaube, diesen Titel habe ich erfunden – des Bundes deutscher Mädel Marzahn-Hellersdorf, kurz: BUMS. Wir hören uns morgen. Tschüß!

In meiner Schreibtischlampe glimmt
Schon lange ein Insekt
Vielleicht hat’s dunnemals probiert
Wie sonne Lampe schmeckt

Sie schmeckte heiß, soviel ist klar
Und hat das Tier versengt
Jetzt hängt ein Rest von ihm herum
Und ich bin abgelenkt

Und zwar sehr lange schon, ich sollt’
Die Lampe wohl befrei’n
Damit ich wieder Texte schrei-
Ben kann, doch ich denk: Nö.

EKW071 Mein Gehirn, die Ilsebill

TL;DR Heute isses dieses Ding in meinem Kopf, das nervt. Mein Gehirn, die Ilsebill, will nicht so wie ich es will. Na, was will es denn? Papst werden. Geh nur hin, das isses schon. Ja, mein Gehirn ist Papst geworden und es herrscht jetzt uneingeschränkt über meinen Glauben

Gegen alle Relevanz

Was, wenn jedes Bild in dunklen Wolken hängen bleibt?
Wenn jedes Wort nur ins Vergessen schallt?
Wenn niemand stutzt und niemand fragt, die Ohren spitzt
Und sich die Augen reibt
Und niemand nichts vermisst
Weil’s Schall und Rauch ist, bleibt, bis
Alles schweigt, niemandem nützt
Und klaglos in die Stille treibt.
Und was, wenn dies nicht Depression
Und schwarze Seele, sondern einfach schon
Die Wahrheit ist. Unwiderrufen, tausendfach belegt
Und wie ein Irrwisch durch die Gassen fegt
Und alle Toren an die Tür vom Tollhaus nagelt
Allen Mittelstandsrealwirtschaftsauguren
Ihre Wertpapierdepots ans Skrotum nagelt
Weils so schöne Schmerzensschreie hagelt
Reine Pein. Kein Denken. Keine Schuld.
Und keine Relevanz. Nur dubiose Aktien unterm Schwanz
Was, wenn das alles und zugleich als Wahrheit gelten kann?
Was sitzte dann noch da und hörst Dir Bullshit an?

Hi, Matthias hier. Heute wird mal wieder kurz. Heute isses dieses Ding in meinem Kopf, das nervt. Mein Gehirn, die Ilsebill, will nicht so wie ich es will. Na, was will es denn? Papst werden. Geh nur hin, das isses schon. Ja, mein Gehirn ist Papst geworden und es herrscht jetzt uneingeschränkt über meinen Glauben und es hat gleich schon mal klargestellt: Wir glauben jetzt an alles, was lila ist. Lila, sagt mein Gehirn, ist das neue Schwarz. Du merkst schon, lieber Lord Suitcase, das kann nicht lange gutgehen, die Sache zwischen mir und meinem Gehirn. Irgendwann läuft da was über, und wenn erst mal verflüssigtes zentrales Nervensystem ins Waschbecken tropft, dann hilft auch kein Klempner mehr. Aber bevor das geschieht, muss ich noch kurz was erzählen, denn ich war heute ganz in echt bei einem Poetry-Slam bei Clubhouse. Nicht meinem eigenen, sondern einem anderen mit total netten Moderatoren und einer sehr idealen Anzahl an Zuhörer_innen, so 20 bis 30 Stück oder so und jede_r der/die wollte, konnte sich einfach melden und Dinge vortragen.Dabei haben die sich wirklich ins Zeug gelegt, alle Teilnehmenden wertzuschätzen. Und ob du es nun glaubst oder nicht, ich hab dann, schon während die ersten was vorgetragen haben, in meinen Reimdingsis gewühlt und ein paar Sachen herausgesucht, die ich für ein Live-Publikum ganz angemessen fand, hab sie auf meinem Bildschirm geordnet, so dass ich sie auch wirklich unfallfrei vortragen kann und hab dann endlich und wirklich… still und heimlich den Raum verlassen, weil ich mich nicht getraut habe. Und jetzt kommst du! Mach m,ir sowas erst mal nach, du alte Rampensau! Was da heute abgegangen ist, war Comedy pur. Lieder nur in meinem Kopf und leider mit mir als dem notwendigen Idioten. Und darum, zur Feier des Tages, wird das hier heute einfach mal ein wirklich kurzer Koffer Wörter, denn ich hab heute Abend noch richtig was zu feiern. Tschüss.

Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje’ Buttje in der See,
Mein Gehirn, die lisebill,
Will nicht so, wie ich gern will.
Ich will heulen und ins Bett
Ilsebill jedoch will fett
Über meinen Fehlern brüten
Und danach viel Spott ausschütten
Über meinen Wankelmut
Fand sie glaub ich nicht so gut
Aber Hirne könn’ gut lachen
Müssen ja nix selber machen
Zieh’n im Hintergrund die Fäden
Scher’n sich aber nicht um Schäden
Die da draußen dann passiern
Auch wenn die Fakten nicht pariern
Tut das Gehirn nicht interessiern

EKW070 Kuschelrock-CD

TL;DR Und dann hat mich Sony-CBS eben mit Kuschelrock 4, mit Roxette und Depeche Mode gekriegt. Es ist okay. Es war eine Phase. Und die, die damals schon den Durchblick hatten und Faith No More und Metallica gehört haben, sitzen jetzt trotzdem in ihrem Reihenhaus mit Ehe-Versuch Nr. 2 oder 3 herum.

Wurm

Am Zaunpfahl hängt ein Regenwurm
Er turnt da nicht, er trotzt dem Sturm,
Er ist ein Existenzialist
Weil man als Wurm das nun mal ist.

Man gibt sich nicht dem lauem Schund
Von Schopenhauer hin, zu bunt
Ist doch die Liste all der Leiden
Die dem Wurmdasein zu eigen

Und im Buch der Wirbellosen
Aufgelistet mit famoser
Akribie erscheint und welche
Jedem Wurm im bitt’ren Kelche

An den Mund geführet wird
Ob er nun will, oder sich ziert
Ob er nun schlucket oder nicht
Der Wurmeswiderstand, er bricht

Wenn jäh die kalte Kinderhand
Ihn packt und an des Feldes Rand
An eines Zaunpfahls morschem Splitter
Aufgehängt wird, oh wie bitter

Wurm zu sein bedraf es wenig
Doch wer Wurm ist, leidet ewig
Oh wie gut, dass niemand weiß
Was es als Wurm zu leben heißt.

Hi, Matthias hier. Na, wie war sie denn so, die Woche? Meine war eher so mittel. Ich hab zum Beispiel eher mittelviel geschafft, mittelgut gekocht, mich mittelgut um Freunde und Familie gekümmert und wie das Wetter war, weiß ich nicht, weil mir Wetter prinzipiell egal ist. Ich glaube, es könnte geschneit haben, aber nicht so viel, als dass ich ein Reimdingsi draus machen könnte. Ein Schneematschreimdingsi oder ein Schmutzballreimdingsi, sowas wär zwar eigentlich genau mein Ding, aber jetzt hab ich schon was zusammengeschustert und ich werde den Teufel tun und den Sack Flöhe noch mal öffnen. Wird Dir eigentlich nie langweilig mit meinem Scheiß? Ich langweile mich manchmal ganz furchtbar, aber hoffe einfach mal, dass meine Durchschnittskoffer da draußen so viel Empathie oder ein so armes Leben besitzen, dass sie dennoch tapfer durchhalten. Vielen Dank dafür, das ist ganz ironiefrei ganz großartig. Weil, selbst wenn ich alle meine podcastfähigen Geräte und die meiner Familie zusammenzähle, dann ist ihre Anzahl immer noch etwas kleiner als die Anzahl aller Downloads pro Folge nach einem Tag und das bedeutet nichts anderes, als dass da draußen irgendeine gute Seele existiert und es einfach nicht übers Herz bringt, diese Show zu de-abonnieren. Das ist relativ tapfer und auch ein klitzekleinesbisschen armselig. Gut für mich. Ich werde mich demnächst einmal nach Werbepartnern umsehen, liebe Koffer, um eurer Mitgefühl mit mir zu monetarisieren. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass ihr eine ganz gute Zielgruppe für Tierfutter seid und das ist okay, finde ich. Besser als Naziklamotten kaufen oder Teslas sammeln. Hört ihr manchmal auch heimlich noch die alten Kuschelrock-CDs von früher und weint Euch dabei in den Schlaf? Ich schwanke ja noch, welche ich am besten fand und ich glaube, es war 4. Ja, VIER! SOOOO alt ibn ich. Ich bin Kuschelrock-4-alt mit einer kleinen Tendenz zu 3. Ehrlich gesagt hatte 3 echt starke Songs, aber ich war 11, verfickte Scheiße, genau ein Jahr zu jung, um das zu kapieren, und dann hat mich Sony-CBS eben mit Roxette und Depeche Mode gecached. Es ist okay. Es war eine Phase. Und die, die damals schon den Durchblick hatten und Faith No More und Metallica gehört haben, sitzen jetzt trotzdem in ihrem Reihenhaus mit Ehe-Versuch Nr. 2 oder 3 herum und lesen Telegram-Nachrichten über die Impflüge und die Wahrheit über die 5-G-Strahlung. Tja, Leude, alles umsonst gewesen damals mit der musikalischen Früherziehung. Aber so bist du nicht, liebe Kofferöse, oder? Wenn doch, sag Bescheid. Ich mag es, wenn meine Hörrer_innen dösiger sind als ich. Dann weiß ich: Ich bin so mittel, aber ihr seid es auch. Tschüß.

In a nutshell

Im Straßengraben hinter den zwei Eichen
Liegt die Zeit, sie ist ertrunken
In zwei Flaschen Korn. Und auf den Grund gesunken
Zwischen rotznormale Bauernleichen

Und die Welt verharrt in Agonie
So wie sie immer schon mit großen Augen
Auf der Treppe saß, wie alle Kinder, die nix taugen
Und die Welt taugt weniger als sie

Irgendwo in einem tiefgefrornen Teich
Steckt eine Ente zwischen Baum und Borke
Zwischen Eis und Wasser, sonst ist alles knorke
Denn der Tod kommt gleich

Meint sie, doch wie? Sie wartet Ewigkeit
Und denkt an alle Sommer
Alle beiden, die sie kommen
Sah und gehen und es tut ihr leid

Und niemand kommt und alles bleibt
Wie immer, beide Flügel schwer
Im Wasser und im Eis und um sie her
Lacht Sturmwind, der die Wolken treibt

EKW069 Hermesliefergirl

TL;DR Es kommt der Tag, da wirst Du ein Kabel brauchen und ich könnte es dir leihen, aber Du kennst meine Telefonnummer nicht und dann stehste da mit Deinem Talent und Deinem tollen Handy und die Welt geht eben unter. Ätsch.

Hermesliefergirl

Das Hermesliefergirl hat einen russischen Akzent
Er purzelt durch die Gegensprechanlage
Gleich nachdem ich abgenommen habe
Meine Wange brennt

Ein Schmetterling ramentert tief in den Organen
Und hat tausend Buddies mitgebracht
Als ich die Wohnungstüre uffjemacht
Und lausche, Schritte zu erahnen

Unten klappt die Tür, die Schlampe hat’s getan
Hat das Paket im Postkasten versenkt
Wo’s prompt in arg verkeilter Pose hängt
Und ich kommt nicht mehr ran

Hermesliefergirl! Du machst der Branche Schande!
Liebst mich nicht und hast mich nie geliebt
Obwohl’s am Heiligabend Trinkgeld gibt
Du hast da irng’was nicht verstanden!

Hermesliefergirl, Du kriegst doch Mindestlohn!
Da musst du spuren, ohne wenn und aber
Voller Demut lächeln, wenn ich laber
Doch das lernst Du schon

Hermesliefergirl, ich kenn Dein KFZ-
Kennzeichen, weil ich stets am Fenster steh
Und Dich in zweiter Reihe parken seh’
Hermesliefergirl, sei besser nett

Hi, Matthias hier! Es ist ein wunderbarer Tag! Und wie schön, dass Du ihn mit mir teilst! Denn heute sind viele Pakete angekommen. Was erst einmal nicht viel bedeutet, denn Pakete, liebe Kofferitas, Pakete kommen täglich. Heute aber gab es neben der üblichen Ladung mehrerer Exemplare des von mir geschriebenen Buches – dazu gleich noch mehr – auch ein ganz hervorragendes Paket mit: Kabeln! Ich liebe Kabel! Man kann sehr viele nützliche, ein paar sehr gefährliche und auch haufenweise absolut nicht jugendfreie Dinge damit tun. Meine Spezialität sind Audiokabel. Ich würde Dich unglaublich gerne mit den Einzelheiten langweilen, aber solange Dir der Unterschied zwischen XLR, Mini-XLR, Cinch, TRS, TRRS, 2,5 bzw. 3,5 und 6,3 mm Klinke nicht klar ist, macht das einfach keinen Spaß. Kabel sind gut, basta. Und mehr Kabel sind besser. Und eines Tages kommt der Tag, dann wirst Du eins dieser Kabel brauchen und ich könnte es dir leihen, in unterschiedlichen Längen und Qualitätsstufen, aber Du kennst meine Telefonnummer nicht und dann stehste da mit Deinem Talent und Deinem tollen Handy und kannst es nicht an den James-Bond-Film-mäßigen Anschluss vor Dir anschließen obwohl oder gerade weil in 5 Minuten die Welt untergeht. Aber ich hätte es gekonnt. Weil ich Kabel habe. Und immer neue bekomme, teilweise sogar nur, um mit den neuen Kabeln die alten zu umwickeln. Und auch wenn erneut niemand in meiner Clubhouse-Poetry-Session war, hab ich immer noch meine Kabel und hab einfach denen meine Gedichte vorgelesen und alle anderen mussten sich auf Clubhouse Dinge anhören wie “Immobilien kaufen als Kapitalanlage für Einsteiger” oder “Der Uwe-Club mit Peter Neururer” oder “Das 1 mal 1 der interkulturellen Kompetenz”.

Lummerländer Gepflogenheiten

Weißt Du noch wer Jim ist?
Weißt Du, was so schlimm ist?
Dass der Jim bei den Chinesen
So ein Scheiß Rassist gewesen
Sowas wär mir niemals nie
In der Form passiert. Doch wie
Sag ich’s diesem jungen Mann
Dass er’s auch verstehen kann?
Wird viel Arbeit, bis ich’s ihm
Erklärt hab. Aber immerhin
Gelte ich als Referenz
In kultureller Kompetenz

Immer mal wieder fällt mir auf, wie überaus herausfordernd es doch ist, einen täglichen Reimdingsipodcast zu produzieren. Jetzt stellt Dir mal vor, lieber Kofferãcho, Du wärst noch kein Hardcore-Fan dieses Formats und würdest nicht bereits täglich mehrere Autobahnbrücken mit der URL dieser Kulturinstitution besprühen. Stelle Dir vor, Du landest als völliger Frischling hier und öffnest dann ausgerechnet eine der eher hingeschluderten Episoden mit deutlich weniger lebensbejahendem Schabernack als üblich. Wirst Du Dir nicht denken: Tolle Stimme, aber der Inhalt… puh? Und ist das nicht furchtbar? Aber so sind die Zeiten, liebes Kofferlieschen. Fünf Sekunden, mehr hast Du nicht. Und da wäre es womöglich klüger, eine Folge in der Woche zu produzieren, die aber auch richtig, nicht einfach mal alles aufschreiben, was gerade so im Hirn rumspukt, dabei den roten Faden verlieren und die Hälfte der aufgemachten Klammern einfach mal nicht schließen. Andererseits: Das kann ja jede_r. Ach, apropos geöffnete Klammern: Ich bestelle meine eigenen Bücher, weil ich es kann. So. Tschüß.

Eskalierter Vierzeiler

Der Büstenhalter, der vor mir
Im Internet nach Käufern giert
Ist wieder so’n Paradeding
Für schlechtes Werbetargeting
Hätt ich Probleme, meine Brüste
Wegzustecken, ey, ich wüsste
Hundert interessante Sachen
Was ich mit den Dingern machen
Würde. Aber ohne Zwei-
Fel wär Verstecken nicht dabei.

EKW068 Lutscher Futsch

Ri-Ra-Rutsch
Der Lutscher, der ist Futsch.
Kann sein, dass das mal Deiner war
Jetzt issa meiner, Kleiner! Klar?
Ri-Ra-Rutsch
Ich lutsche ihn jetzt – wutsch.

Hi Matthias hier, dass ich schlechte Laune habe, liegt nur sehr begrenzt an mir selbst und sehr signifikant an der Welt da draußen. Was hat’se denn gemacht, die Welt? Wirst du jetzt vielleicht fragen, liebes Kofferlein und ich sage: Leck mich.

Welt da draußen

Sie wartet nicht und hat es nie getan
Ein nackter Haufen Steine ohne Scham
Sie kann am Fließband töten
Tut es auch
Ganz ohne zu erröten

Sie sagt nicht: Hallo, super Dich zu sehn
Sagt überhaupt nichts, scheißt auf Dein Gestöhn
Sie haut dir in die Fresse
Und den Bauch
Und packt dich in die Presse

Sie gibt dir keinen Sinn und scheißt auf Gott
Sie füttert Lavaseen mit Manna-Brot
Leckt Ärsche zum Verrecken
Engel auch
Bis sie den Boden decken

Und irgendwann, kommt irgendein Tyrann
Und sie nur: Klar, bedien dich einfach, Mann
Sie wird ihn überstehen
Diesen Lauch
Und ihn verrotten sehen

Und willst du dich darüber noch empören
Mach’s bitte leise, ohne groß zu stören
Und mach’s bitte kurz
Denn wie den and’ren auch
Ist es mir schnurz

Bist du mir böse, dass ich dich beschimpft habe? Morgen werde ich nicht mehr so schimpfen, versprochen, aber entschuldigen werde ich mich auch nicht, denn du bist nun mal der/die einzige Vertreter_in der Welt da draußen, mit der ich – zumindest einseitig – kommunizieren kann. Denn mir schreibt ja keine_r. Und auf Clubhouse redet auch keine mit mir. Und meine Familie hier zu Hause beschimpfe ich nicht, ich wäre ja schön dumm, die einzigen Leute, die ich regelmäßig sehen darf, zu vergraulen. Obwohl, manchmal… Nix gegen Kinder und so, aber manchmal wünscht man sich da doch Blagen aus etwas härterem Holz. Und damit sag ich schon mal Tschüß und morgen wird besser. Vielleicht.

Damals (TM)

Und es begab sich
Als das Wünschen noch geholfen hat
Da konnten Eltern ihre Kinder in den tiefen Wald
Marschieren lassen und die Kinder kamen immer wieder wieder
Nix: Wie lange noch und Mir ist kalt
Sie haben zwischendurch noch Kannibal_innen entleibt
Was man im tiefen Wald so treibt
Und sind auf eloquenten Enten rumgeschwommen
Um dann megareich nach Haus zu kommen
Wo der Papi nur die Hand aufhalten muss
Tja: Generation Z, mal schönen Gruß
In meine Hand fällt nur ein grünes Pausenbrot
Von Vor-Corona. Oder ein geheimes Ritalindepot
Für Eure Oma

EKW067 Soundcheck

TL;DR Hi, Matthias hier. Geil dasse da bist. Ich hab was Neues für dich, das musst Du Dir anhören, ohne Scheiß,. Nur echte Gefühle. Das ist ja eins der Kennzeichen meines kleinen Koffers: Dieses Nackigmachen der Seele.

Soundscheck

1, 2, 3, Soundcheck
Weil: mir ist der Ground weg-
gesackt, self-esteem hat
Grad irre geschrien: WHAAAAAT?!
Du hast es vergeigt Mann, lass Bat-
Man ans Mike ran, oder die Diana
Die macht nicht kein Drama
Die zückt ihre Schwerter
Macht Box mit die Wörter
Hat Stimme geföhnt, Mann
Und tönt wie gekrönt, Mann_
Sagt “wsgeht” an die Rhymer
Hat Lyrics für Schleimer
Und Blender. Egal Mann!
Bleib einfach am Ball dran,
Hier wird nicht gedisst, Mann
Weil sie dich beschützen kann
Herzlich willkommen
Ich bin noch benommen,
Dass Du voll Gestörter
Bei “Ein Koffer Wörter”
Gelandet bist. Krass! Echt!
(Mein Schlüpper is nass)
Pech.

Hi, Matthias hier. Geil dasse da bist. Ich hab was Neues für dich, das musst Du Dir anhören, ohne Scheiß,. Nur echte Gefühle. Das ist ja eins der Kennzeichen meines kleinen Koffers: Dieses Nackigmachen der Seele. Meiner Seele. Ich sag mal lieber neutraler: Meiner Gedanken. Sonst unterstellt mir wieder jemand Abweichlertum ins Religiöse. Ach. Wenn schon. Der Herr Jesus und ich, wir sind Buddies. Da passt kein Blatt Papier zwischen uns. Es sei denn, er bekommt eins meiner Reimdingsis zu lesen. Himmel, dann hat er mich. Dann hilft kein Leugnen und kein Abschwören. Dann lande ich auf direktem Wege in irgendeinem Beratungsgremium, das die Kirche fit für’s 21. Jahrhundert machen soll. Naja. Mir würde “Fit für das 20. Jahrhundert” ja schon reichen. Hashtag #IchWeißWasDuDieLetztenHundertSommerBNichtGetanHast. Heute, meine lieben Kofferows und Kofferowas, heute wird die Folge recht kurz, weil ich noch so… Dinge erledigen muss. Ich schau gleich beispielweise mal bei Clubhouse rein, ob sich irgendjemand für meine Live-Session um 21 Uhr interessiert. Und wenn nicht… Für dich ist das total super! Weil dann gibt’s morgen noch ein wenig mehr Selbsthass und Verzagtheit als eh schon. Ich drück Dir die Daumen. Tschüß!

Currywurst

Ich hatte früher dauernd Durst
Nachdem ich dauernd Currywurst
Gefressen hab, weil, war ja geil
Sonn’ Darm voll Schlacke, Riesenteil
Auf Riesenteller und dabei
‘Nen Schlach Tomateninnerei

Ich hab den Schrott nicht hinterfragt
Und einfach in den Hals gejagt
Weil: War ja klar, dass diese Pampe
Nicht gesund ist für die Wampe.
Wie, du sachst, das find’ste komisch?
Näh! Das Stichwort heißt: Ironisch!

Currywurst, SAT1 und BILD
Ist ironisch halb so wild
Und das beste ist daran
Dass man sich Scheiße antun kann
Und dann nur sagt: Hab keine Zeit
Für Streit, du weißt, ich weiß Bescheid

Ich konsumiere diesen Müll
Mit feinster Ironie und will
Nicht hören, dass das schädlich ist
Das weiß ich längt, dass dieser Mist
Mir schadet, Alter, komm mal klar
Ironisch geht das wunderbar.

Ist das nicht toll? Ich war im Reinen
Mit dem Schrott. Nur dass ich meinen
Horizont kurz hinter meiner
Haustür enden ließ und keiner
Hat mir je ein Schwein gezeigt
Das brüllte, litt und dann entleibt

Und bei Sat1 am vormittag
Sich selbst zum Horst gestempelt hat
Und nachher in der Bude saß
Sich bluten sah, und ziemlich blass
Die BILD aufschlug, wo es, na klar,
Der nächste Depp des Tages war

Und wenn schon! Selber Schuld, nicht wahr?
Was ist das Schwein auch immer da
Wo man mit Schweinen Schweinkram macht
Humor ist, wenn es trotzdem lacht
Gehört? Das war jetzt Ironie
Die hilft dir auch, mein liebes Vieh

Bestell demnächst in der Kantine
Currywurst, mit ernster Miene.
Brüller, oder? Rischtisch geil
Das wär ein Megahammer, weil,
Verstehste? Schwein will Currywurst!
Ich lach mich schlapp. Und habe Durst.

EKW066 Die erschöpfende Erkundung der Liebe

TL;DR: Liebe ist manchmal kompliziert und immer dumm, Eichelhäher sind verdammt gefährliche Biester und ich veranstalte ein Open Mike bei Clubhouse.

Die erschöpfende Erkundung der Liebe

Ist es das Gesicht, der Po?
Ist’s der Charakter oder so?
Ist es die passende Chemie
Die ihn verzückt genau wie sie?

Es ist Klischee, so viel ist klar
Das wurde grad schon offenbar
Als gäb es nur ein “Sie liebt ihn”
Und “Er liebt sie”. Wie trist und schlimm…

Und falsch. Denn niemals war die Liebe
Einfach bürgerlich stupide
Manchmal ist sie kompliziert
Und falsch, pervers, bloß antrainiert

Und dann muss eine kommen die
Entscheidet: Ist das gut für sie?
Und nein, dass ist es meistens nicht
Was nicht heißt, dass die Liebe bricht

Denn “gut” ist kein Kriterium
Für Liebestaumel, schau, wie dumm
War’n Romeo und Julia
Das schlimmste Paar vorm Traualtar

Es gibt, so zeigt es die Natur
Für Liebe kein Rezept. Und nur
Zu sagen es sei Sex im Spiel
Erklärt zwar einiges, doch viel

Bleibt weiterhin im Dunkeln weil:
Nur weil er irgendwann sein Teil
In sie hinein schiebt heißt das nicht
Dass sie ihn lieben tut, so schlicht

Läuft’s nirgends, nicht im Film, im Buch
Nicht im Theater. Nein. Ein Tuch
Das Schweigens deckt die Liebe hin
Über den Schmerz und seinen Sinn

Und die Hormone? Sicher, sie
Sind wichtig, schuldig jedoch nie
Es ist vielleicht das Narrativ
Der Liebe selbst, das krumm und schief

Und wenig logisch in der Welt
Sein Übel sprüht. Und uns gefällt
Weil Überraschung uns das Sein
Erträglich macht, wenn auch zum Schein

Quod erat demonstrandum: Sie,
Die Liebe, ist der Fantasie
Robustestes Produkt der Welt
Und lebt so lang wie’s Euch gefällt

Hi, Matthias hier. Ich hatte in der letzten Folge großmäulig ins Mikrofon krakeelt, es bestünde die Möglichkeit einer detaillierten Dekonstruktion der “Liebe” im Rahmen einer Sonderfolge des Koffers. Nun, wie du siehst, ist das gar nicht weiter nötig. Vielmehr reicht ein recht konventionelles Paarreimdingsi mit hingeschluderten Jamben, um die Liebe ein für alle mal als das zu entlarven, was sie ist: Sie ist einfach alles, was wir in ihr sehen wollen. Die Projektionsfläche von allem, was uns im Leben fehlt und was eine Herzensdame, ein Ritter, eine Sexsklavin, ein Meerschweinchen oder ein Kind im Keller uns womöglich verschaffen können. Glücklich, wer in diesem Spiel auf der legalen Seite der Liebe landet, denn viele der anderen Spielarten sind nicht nur furchtbar schlimme Kackscheiße für die eine oder andere Beteiligte, sondern auch sperrig zu erzählen.

Haken wir also diesen Teil der Gesellschaftsanalyse ab und wenden uns einem weiteren sozial-emotionalen Abgrund zu: Der Ernährung. Natürlich, ich könnte zu diesem Zweck hahnebüchende Überleitungen wie “Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen” bemühen, aber seien wir ehrlich, liebe Koffererõs und Kofferitas, Eure Zeit ist zu wertvoll, als Euch mit solcherlei Schabernack zu belästigen. Und genau wie mir wird wohl auch dir die folgende Binsenbanalität ein paar Fußnägel hochrollen lassen: Man ist, was man isst. Lustig finde ich ja, wenn so etwas von der wurstverspeisenden Fraktion kommt. Denkt das doch einfach mal zuende, ihr Schlauberger. Wirklich ärgerlich wird diese Nullphrase aber dann, wenn man bedenkt, dass sie eigentlich viel besser (und auch ehrlicher) in die andere Richtung funktioniert: Man ist, was man nicht isst. Weil: Donald Trump konnte auch mal wochenenlang im Oval Office sitzen und Big-Mac-fressend Frust schieben, aber Cindy Hackenbreder aus Bückeburg kann nicht einfach anfangen Austern und Rinderfilet zu fressen, nur weil sie gute Laune hat.

Ergibt das Sinn? Wahrscheinlich, so wie häufig, nicht. Und wenn schon. Wie heißt es doch im ersten Werner-Film von 1990: “Scheißegal! Morgen ist Berufsschule!” Apropos Morgen: Morgen – also von dir aus maximal heute – genauer gesag am 25. Januar um 21:00 Uhr veranstalte ich ein Open Mike bei Clubhouse, in dem ich und jede, die möchte, halbwegs okaye Reimdingsis vortragen können. Wahrscheinlich bin ich allein oder, noch schlimmer, wir sind zu zweit und geben nicht zu, dass die Sache ein mieser Reinfall war. Wenn du also Lust und ein iPhone und Mitglied bei Clubhouse bist, dann kommt vorbei. Such den Raum “Ein Koffer Wörter” oder klicke einfach auf den Link in den Shownotes:

https://www.joinclubhouse.com/event/9M1K1ONP

Bis dahin vielleicht und Tschüß!

Es krächzt in früher Morgenstunde
Axel. Er fliegt seine Runde
Durch die Gärten und den Park
Und ihm fällt auf: Es riecht sehr stark

Du fragst vielleicht: Ergibt das Sinn?
Dass Vögel riechen können? Hmmmmm…
Nun, Axel schon. Er ist ein eher
Hochsensibler Eichelhäher

Und den starken Leichendunst
Zu schnüffeln ist auch keine Kunst
Vielmehr umhüllt ein Pest-Odeur
Den Park, die Gärten und ich schwör’:

Hätt Axel kein Benehmen nicht
Gelernt als er ein kleiner Wicht
Er hätt dem Drang nicht lang getrotzt
Und irgendwo auf’s Gras gekotzt

Denn nicht nur starker Übelruch
Legt penetrant sein Leichentuch
Auf alles, nein, es ist vielmehr
Der Anblick selbst, der Axel schwer

An allem Guten zweifeln lässt
Des Botschaft er doch stets dem Rest
Der Welt verlässlich Kund getan
Doch steht dies alles weit hintan

Nach dem, was dort im Morgenglanz
Umspielt von vieler Fliegen Tanz
Im Park vor Axels Augen liegt
Dass Axel schweres Grausen kriegt

Denn dort ist eingerollt gefläzt
Ein totes Mammut, das, so schätzt
Der Eichelhäher ungefähr
Vier Meter lang, fünf Tonnen schwer

Und überaus gestorben ist
Wovon ein meterlanger Riss
Am Unterleib des Tieres zeugt
Aus dem Gedärm nach außen äugt

Der Eichelhäher landet sanft
Wobei er einem Würgekrampf
Mit größter Würde widersteht
Und schaut sich um, was hier wohl geht

Von wegen leichtem Aaserwerb
Denn klar, auch wenn das Fleisch verderbt
Und schon von Fliegen in Besitz
Zum Leichenschmaus genommen ist

Muss man doch sehen, wo man bleibt
Und Axel schüttelt sich und treibt
Den Schnabel erst mal nur zum Test
Ins Mammutfleisch – es ist ein Fest

Doch da baut sich vor Axels Platz
Noch während Axel schamlos schmatzt
Ein Mäuserich vor Axel auf
Und brüllt ihn an mit viel Geschnauf

“Was, Vogel, fällt dir bitte ein?!
Was pickst du auf mein Mammut drein
Das ich in mühevoller Jagd
Gehetzt und dann getötet hab?

Was denkst du denn? Dass solch ein Leib
Vom Himmel fällt und liegen bleibt?
Damit’s die Tiere hier im Park
So einfach futtern können? Quark!

Was glaubst du denn, wie schwer es ist
Ein solches Tier in Tagesfrist
Zu jagen und zu stellen und
Dann auszuweiden solchen Fund?

Schaff deinen fetten Vogelarsch
Sofort von meinem Mammut, Marsch!
Und wenn du nicht sofort parierst
Brauch ich Gewalt, dass Du’s kapierst!”

Und Axel lässt so schnell er kann
Vom Mammut ab. Er denkt daran,
Dass nun statt Elefantenass
Ganz and’rer Happen steht zum Fraß

Bereit. Und ohne Blickkontakt
Hat er die Maus am Schopf gepackt
Und schlingt das zeternde Getier
Herunter. Schwupps, das hast du dir

Verdient, du rüpelhafte Maus
Und Axel rülpst und fliegt nach Haus.
So spielt das Leben hier auf Erden:
Fressen und Gefressen werden.