EKW083 Karussell kaputt

TL;DR Diese eine Sache, die hat mich seitdem beschäftigt. Die Frage, auf welcher Seite der Gesellschaft ich stehe. Auf der Seite derer, die Reimdingsis Wert und Unwert und Bedeutung geben können, weil sie Macht haben und wissen, wie die Häsin läuft. Oder auf der anderen Seite.

Das Karussell

verrostet und zerbrochen
die farbe abgeblaettert
der rote leu zerschmettert

pferd verkohlt, verbrannt die wagen
die bilder frech entstellt
kein rahmen, der sie haelt

zersaegte holzgelaender
geformt zu schiefen kreuzen
die sich zu hunderten auf kleinen graebern
spreizen

Hi, Matthias hier. Das Karussell, also nicht das vom Anfang, sondern von DAS Karussell von Rainer Maria Rilke, hat mich damals kalt erwischt, in der neunten Klasse, als wir es interpretieren sollten und ich keine Ahnung hatte, dass es wohl um die Kindheit und ihre Vergänglichkeit geht. Also kam ich mit einer äußert hanebüchenen Interpretation um die Ecke, es handele sich um die Beschreibung des schlafwandlerischen Treibens der Mittelmächte vor Beginn des ersten Weltkrieges, was nun gut widerlegbar eine Fehldeutung war. Vorsichtig formuliert. Einerseits. Andererseits: Ich war noch fast ein Kind, mir fehlte der Abstand und der wehmütige Rückblick auf diese Zeit, auch das Vorüberfliegen der Erwachsenenjahre kannte ich noch nicht (und kenne es bis heute nicht) und zudem interessierte mich politische Lyrik damals weitaus mehr als innerlich-affirmativer Kitsch. Wie ich immer: Ich lernte damals, wie stark der eigene Horizont eine Analyse prägen kann und dass es für eine gute Deutschnote äußerst praktisch ist, wenn der eigene Horizont dem allgemein akzeptierten, dem vorherrschenden, dem hegemonialen Horizont nahekommt. Das hier ist kein Germanistik- und auch kein Poetik-Podcast, denn ich denke zwar gerne über Reimdingsis nach, aber wenn ich fauler Keks mich schon mal hinsetze, um zu schreiben oder zu Podcasten, dann mach ich doch lieber neue Reimdingsis, als das hunderttausendste Mal über sie zu schreiben. Diese eine Sache, die hat mich allerdings seitdem beschäftigt. Die Frage nämlich, auf welcher Seite der Gesellschaft ich stehe. Auf der Seite derer, die Reimdingsis Wert und Unwert und Bedeutung geben können, weil sie Macht haben und/oder wissen, wie die Häsin läuft, oder auf der anderen Seite. Dort, wo Reimdingsis nicht oder falsch gelesen oder gehört und nicht verstanden werden. Zumindest nicht so, dass andere das wichtig finden.

So ein Fauxpas wie damals in der neunten Klasse ist mir übrigens nie wieder passiert. Hast du einmal kapiert, die Signale zu erkennen, die „feinen Unterschiede“, hast du gelernt zwischen „uns“ und „denen“ zu unterscheiden und mit diesen Unterschieden zu spielen, bist du auf der sicheren Seite. Kannst du anfangen dein Wissen zu ironisieren, kannst du mit einem Augenzwinkern alles gegen den Strich lesen und verstehen, weil „die“ ja wissen, dass ich weiß, dass sie wissen, dass ich „Es“ weiß. Reimdingsis sind ein Schnöselhobby, niemand sonst außer ein paar herzschmerzenden Teenagern ohne Gitarre beschäftigt sich mit ihnen, es bleiben nur wir Schnösel übrig.

schleierwelt

haus im nebel, schwebende schwaden
schwach schwelende schemen
lichtfenster leuchtet duester in
weisser dunkelheit
naesse netzt nieselnd mein haar
besetzt meine klamme haut
weit und breit
kein laut

Die Reimdinsis von heute sind alle schon super-angeschimmelt. Ganz offenbar mochte ich damals Stabreime sehr, aber gut, gibt Schlimmeres. Top-Moppel zum Beispiel oder Wirsing. Die alten Reimdingsis hier im Podcast trotz all ihrer staubigen Schäbbigkeit zu verwenden, hat eher dokumentarischen Charakter und ich fürchte, lieber Koffer, da musst du jetzt kurz mal durch. Die Sache mit dem „Reimdingsis sind was für Schnösel“, die meine ich ziemlich ernst. Mein typisches Matze-Stilmittel wäre es jetzt, irgendwas Superunschnöseliges mit doppeltem Ironieboden rauszuhauen, das diese These gleichzeitig irgendwie widerlegt und bestätigt. Sowas ist nicht allzu schwer, weil Reimdingsis nun mal keine exakte Wissenschaft sind und man wunderbar mit verschiedenen Interpretationsebenen spielen kann. Aber heute nicht. Nein, heute ganz bestimmt nicht. Tschüß.

Als Uranus und Neptun sich am Himmel küssten
Gab’s im Universum einen Knall
Nur konnt ihn keiner hören, denn der Schall
Verbreitet sich im Vakuum nicht ohne List, denn
Schall ist nur in Wellen eingedrückte Luft
Wie wenn du eine strangulierst, kurz los-, sie schreien lässt
Und wieder anziehst und sie richtig fest
Erneut erwürgst, fein ausgeklügelt abgestuft
So lange, bis der Himmel selbst zu weinen
Und ein Sturm beginnt und selbst die äußeren Planeten
Um das Wohl der Einen bangen und zur Sonne beten
Und dann hast du ihn, den Knall, zumindest einen kleinen

EKW082 20 Grad Celsius

TL;DR „Leck mich am Arsch! Wie war das mit dem blauen Band?“ Und du googelst Eichendorff, weil, war doch alles von Eichendorff, dieser Romantik-Krams und Pustekuchen! Once again!

20 grad celsius

erste sonne, erste luft, schatten auf dem schatten
maentel abgestreift, stunden um stunden noch draussen
terrassenkonversation bei sauerstoff und zigaretten
inhalte loesen sich auf, zerstreuen im leichten wind
eine flamme, ein kleines feuer gegen die aufkommende
dunkelheit. sybillene nachtgeraeusche: bleib doch.
helle traeume, zukunft nur ein wort wie regen
erinnerungen daemmern ueber der nacht – alles ist
moeglich

Hi, Matthias hier. 16. Februar. Meistens fängt es um dieses Zeit an, das herzliche Angekoztsein vom Winter, der Kälte, vom überall Nassschmuddelfrösteln, selbst nachts, wenn irgendwo die Decke rutscht. Dann beginnt diese Sehnsucht nach Frühling, nach Grün, nach Draußen und Freunden und dem ersten Lauf nur im T-Shirt die endlose Allee entlang. Und dann denkste Dir „Leck mich am Arsch! Wie war das mit dem blauen Band?“ Und du googelst Eichendorff, weil, war doch alles von Eichendorff, dieser Romantik-Krams und Pustekuchen! Once again! Es war immer noch Mörike und dann liest du das Gedicht mit dem blauen Band und bist ein bisschen enttäuscht, weil eigentlich nur die ersten beiden Zeilen so richtig gut sind und danach… Tja. Geht. Was bei Kreuzreimschemata durchaus ein Problem ist. Noch kein vollständiger Reim und schon sinkt für Sie: Das Niveau. Na gut. Achtzehnhundertdingenskirchen, da gab’s noch keine Online-Reimlexika, auch keine Online-Namensvorschlagslisten in Blau für Jungs und Rosa für Mädchen und die Menschen mussten mit Vornamen wie Eduard herumlaufen. Umso erfreulicher, dass der Eduard dann doch noch irgendwie Pfarrer werden und in der Freizeit Gedichte schreiben konnte. Kuck mich dagegen mal an: Bin nicht mal Pfarrer und ob ich das hier jetzt in meiner Freizeit mache ist auch so ein Reizthema, denn dafür müsste ich ja meinen Beruf erst einmal klar definieren können. Insofern: 1:0 für Dich, Schwabenpfarrer, und dein Blaues Band, das ist schon sehr okay.

im bruch

noch liegt die kühle luft der nacht
auf den wiesen und dem weg
den wir auf unseren rädern
entlang fliegen
dem ersten schimmer
des morgens entgegen

manchmal peitscht
das hohe gras
am wegrand
unsere glieder
streift die pollen
und den tau
auf unsere
schuhe

entfernt das rauschen
der autobahn
voller versprechen
und aufbrüche
in den heißen tag
und viele kalte
die folgen

Im Sommer kommt nicht selten die Zeit vollständiger kreativer Erschöpfung. Das wird gemeinhin so hingenommen, allerdings frage ich mich, was eigentlich der allseits antizipierte Klimawandel hier für Schaden anrichtet, sollten wir demnächst sechs Monate lang Sommer haben. Gut, wirst du schlaue Koffermaus jetzt vielleicht sagen, der Spanier, der Spanier, jetzt, nech, der hat ja auch viel Sommer, und der Italiener, doch die dichten einfach weiter. Ja, sage ich, und was? Nenn mir doch mal ein konkretes Beispiel! Siehste! Zumindest für die mitteleuropäische Poetik sehe ich mit dem Klimawandel dunkle Wolken aufziehen bzw. Gar keine und dann beschränkt sich der mitteldeutsche Lyrik-Output demnächst vollständig auf Ballermann-Bölkerei und Howard Carpendale. Ist aber nicht schlimm. Unsere Romantiker und bestimmt auch Romantikerinnen, die laufen ja nicht weg. Die bleiben hübsch alert in diesem Internet und immer, wenn man mitten im Februar mal eine kleine saisonale Flucht unternehmen möchte, stehen sie bereit mit ihrem Kram. Und der lässt sich, mit ein, zwei Campari-O in der Birne, auch immer noch sehr gut ertragen. Oder man setzt sich dann im heißen Sommer doch noch mal selbst hin, wartet, bis die Luft am späten Abend erträglich wird und pinselt was aufs Papier, als Reserve für dunkelmatschige Winterabende. Tschüß

La Roque

Die Luft ist noch kühl
Doch die Sonnenstrahlen,
Sobald sie das Blätterdach durchbrechen,
Verkünden einen flammenden Tag.
In den Mulden sammeln sich Gerüche
Von Liebstöckel, Kiefer und Lavendel.
Ein schwarzer Hund wandert vor mir
Gemächlichen Schrittes die Straße hinauf
Zum Dorf auf dem Felsen.
Die Arbeiter am Weg grüßen ihn
Und blicken mir skeptisch entgegen.

Die Augen am Boden durchquere ich eine Wiese,
Die im Mittagslicht erstarrt.
In der Mauer aus Granit, zwischen Moos und gelbem Gras
Suche ich Aspisvipern.
Die Zikaden am Feldrand übertönen alles Rascheln,
Sie verspotten meine Stille, meinen Stock
Und meine weiße Haut unter der Hitze.

Um mich herum das Wasser und gedämpftes Kindergeschrei.
Vom Boden des Beckens ahne ich das Weiß der Sonne,
Das Orange der Schwimmflügel und die tanzenden Punkte
Ertrunkener Insekten.
Wie ein Karussell dreht der Strudel des Wasserfilters
Eine Eidechse und eine Hornisse.,
Kiefernnadeln und ungezählte Wespen.

In der Dämmerung verfolgen wir eine Ameisenstraße,
Die vom Tisch unter der Steineiche
Krumen des Abends über verschlungene Wege
Durch den Kies zur alten Kiefer transportiert.
Reste von schwarzen Oliven, Melonen, gesalzener Butter
Und Brot sind die Beute des schwarzen Staates,
Der den Steinhaufen unter der Kiefer gegen
Die Rotbrauen vom Hügel hält..
Eine Traube sammelt sich um einen Rosenkäfer,
Der, am Boden auf dem Rücken liegend,
Seine letzten Minuten auf den Mond starrend verbringt.

Um halb eins erwache ich in der stehenden Luft,
Steige vom Bett hinaus zum Schwimmbecken,
Wo Fledermäuse über dem Wasser jagen und trinken.
Dann steigen sie auf und sammeln sich über der Wiese
Vor dem Hügel, der vom Blitz erleuchtet wird.
Unter den Olivenbäumen streiten Gartenschläfer,
Keckernd und zischend, bis sie im Morgengrauen
Über’s Ziegeldach verschwinden.

EKW081 Vater unser

TL;DR Du musst wissen, der Onkel wurde über lange Strecken seiner Kindheit von sehr dummen und kleingeistigen Menschen gequält, denen es aufgrund ihres Amtes erlaubt worden war, Kindern im Rahmen von so genannten Gottesdiensten und Andachten Schuldgefühle einzuhämmern

Vater unser

Vater unser mit dem größten Lümmel
Klar, die Pubertät hat zugeschlagen
Wieso sonst würd’s jemand wagen
Offensichtliches so klar zu sagen?

Hi, Matthias hier. Heute, fiel mir gerade auf, ist Rosenmontag, und also soll’s dem Fleische (carne) wohl sein (vale). Ein perfekter Tag, die Mächtigkeit des göttlichen Geschlechts zu feiern und überhaupt die Zugehörigkeit zur Zunft der Pillermannträger, deren Worte und Taten immer noch ein wenig mehr gelten, als die der nichtpimmeligen Mitmenschen.

Feiern, warum feiern? Weil das Leben ein gutes Stück einfacher ist als Pillermannträger. Isso. Das hat Gott wahrscheinlich auch gedacht, als die Leute sie sich als Mann vorgestellt haben. Wenig überraschend hat sie sich der Interpretation der mal mehr, mal weniger stark beschwanzten Religionsstifter gefügt, denn wenn du die Wahl hast zwischen verkannt und relevant oder großbusig und egal, dann entscheidet man sich doch wahrscheinlich recht häufig für Ersteres, zumal Du Dich ja später eine ganze Ewigkeit lang rächen kannst bei den vielen extremistenbärtigen Vollidioten.

Ich sehe Dich, lieber Koffer, deine jugendliche Stirn runzeln. Was will der verrückte Onkel von mir und warum hält er einen halbgefüllten Urinbeutel in seiner Hand? Nun, der verrückte Onkel ist eben ein genauso kaputter Typ wie die anderen Menschen seines Alters und zum Glück äußert sich seine Kaputtheit nicht im Überfallen von Kindern oder osteuropäischen Staaten, sondern nur in weitgehend unverständlichem Gebrabbel über den Schwanz Gottes. Du musst das verstehen, der Onkel wurde lange Zeit seiner Kindheit und Jugend von sehr dummen und kleingeistigen Menschen gequält, denen es aufgrund ihres Amtes erlaubt worden war, Kindern im Rahmen von so genannten Gottesdiensten und Andachten Schuldgefühle einzuhämmern. Und ganz egal, ob das nun Pfarrer, Presbyter oder so genannte Jugendreferenten waren, sie haben dem grummeligen Onkel diese ganze Bibel versaut, weil er immer, wenn er dieses Buch aufschlägt, diese dusseligen Gesichter vor sich sieht, wie sie der echt okayen Botschaft „Gott findet euch alle knorke“ ein „…aber nur wenn“ hinterherschoben“, so wie diese miesen Fußnoten in Versicherungsverträgen, die aus Versicherungsgesellschaften Verunsicherungsgesellschaften machen. Und statt, dass mal einer kommt und sagt: „Scheiß auf die Fußnoten, auch Hitler kommt ins Paradies!“ sagen sie „Ich verstehe die Fußnoten zwar auch nicht, aber in der Bibelschule habe ich gelernt, dass…“ Klingt ein bisschen simpel, oder? Funktioniert auch immer schlechter, so wie die Nigeria-Connection-E-Mails, die haben vor zehn Jahren auch schon mal besser funktioniert. Aber ein paar Dumme wird’s immer geben und so Leute wie mich, den brabbelnden Onkel, die’s zwar eigentlich besser wissen, aber immer noch drüber nachdenken, ob da in Nigeria nicht doch ein reicher Prinz sitzt, der jetzt meinetwegen verreckt, weil ich ihm nicht geholfen habe, sein Geld zu waschen.

Rosenmontag heißt übrigens so, weil das der Montag ist, an dem Marco Rose einen Vertrag beim Ballspielverein Borussia Dortmund unterschrieben hat. Das ist knallharter Bundesliga-Content und damit recht lyrikfern auf den ersten Blick, auf den zweiten allerdings überhaupt nicht mehr, denn poetische Perlen wie „Leuchte auf, mein Stern Borussia“, die gibt es nur im Fußball.

Im Jahre 1909
Da wurd´ ein Stern gebor´n
Und man sah sofort an seinem Schein
Er kann nur aus Dortmund sein

Ein Stern mit einem typisch Dortmunder Schein
Was kann das für einer sein?
Ist er besonders gelb
Am Schein‘?
Oder tut sich Schein auf sein
Besonders einfach reim‘?
Man weiß es nicht, man weiß es einfach nicht
Allein, der alte Onkel spricht:
Viel schlechter als die Pfaffenmärchen
Ist ein Stern aus Dortmund nicht

Tschüß

Burgenland

Voll Regens, Burg, ich trief
Nach Schaum, Burg, mich verlief
In Betten, Burg, dann schlief
Bevor mich Wolfs, Burg, rief
Ach bücke, Burg, dich tief

EKW080 Kiste mit Käfer

TL;DR Diese Reimdingsis, die wollen eigentlich was ganz anderes sein und kommen gravitätisch-abgefuckt Gottfried-Benn-mäßig daher oder wälzen so spätromantische Metriksteine vor sich her und – bumms – schleicht sich ein „Ficken“ in die zweite Strophe ein…

Welt abhold

Als den Augen vag die Welt abhold
Und Händen Gläser aus den Fingern glitten
Rasch das Kehrblech hergeholt
Als Scherben in die Jugend schnitten

Zigaretten Atmen Klammern wurde
Aus Polarstern mitleidloser Blick
Aus tausend Wundern nur absurde
Schurren oder netter Fick

Als Horizonte weit und kleiner waren
Rosen tausendfach erschwinglich fad
Verlassensein ein Wieder, Paaren
Anzustreben, weil man’s mag

Als jede Playlist funktional belegt
Und Argumente endlos absolviert
Da haben wir uns überlegt
Das war’s! Und Netflix abonniert

Hi, Matthias hier. Ein einziges Auf und Ab, diese Woche, nicht wahr? Ich hoffe, ihr allerbesten Kofferachas und Kofferinos der Welt habt Euch keine Sorgen gemacht, denn natürlich geht es mir sehr großartig. Ich habe einen Computer, ein Mikrofon und ein paar im Durchschnitt sehr erträgliche Menschen um mich herum. Es stört mich nur sehr Weniges und das Wenige ist auch nicht mehr geworden. Doch genug vom alten Zausel an meinem Computer. Wie geht’s Euch denn? Wie geht’s Dir? Heute meinte eine Freundin absurderweise, dieser Lockdown mache ihr zu schaffen und als ich gerade anfangen wollte, freundlich über den etwas lahmen Witz zu lachen, merkte ich, es war ihr Ernst. Was ist denn los mit Euch? Habt Ihr denn vergessen, wie Scheiße diese Primaten werden können, wenn sie einem zu nah auf die Pelle rücken? Und wie sie stinken? Ich meine diese furchtbaren Aftershave-Typen, bei denen man ja nichtmal meckern kann, weil sie’s wahrscheinlich gut meinen. Oder noch furchtbarer die, die sehr stark nach Schweiß riechen. Und du kannst es ihnen nicht mal sagen, weil „Du stinkst“ ist einfach kein irgendwie noch okayer Kommunikationsinhalt. Ich kann mich an Abende nach einem langen Arbeitstag erinnern, an denen ich erst beim Zähneputzen vorm Spiegel meinen Eigengestank wahrgenommen habe und dachte: Fuck! Das mussten die um mich herum den ganzen verdammten Tag ertragen und wollten mir wahrscheinlich dreimal vor die Füße kotzen vor Ekel, haben’s aber nicht gemacht. Weil sie nett sein wollten und/oder in gewisser finanzieller Abhängigkeit standen. Puh. Aber jedenfalls: Gibt’s alles gerade nicht. Zoom stinkt nicht. Man kann sich sogar lustige Katzenmasken übers Gesicht animieren, wie letztens dieser Anwalt bei der Gerichtsanhörung via Zoom in Amerika und er wollte partu keine Katze sein, konnten es aber nicht ausstellen. Das ist mit den Reimdingsis auch oft so. Sie wollen eigentlich was ganz anderes sein und kommen gravitätisch-abgefuckt Gottfried-Benn-mäßig daher oder wälzen so spätromantische Metriksteine vor sich her und – bumms – schleicht sich ein „Ficken“ in die zweite Strophe ein und die Sache geht steil bergab bis auf mein eigenes Niveau.

Kiste mit Käfer

Es klemmt ein toter Käfer in der Kiste
Voller Stoff für meine Reime
Würdevolles Wesen ist ihm fremd, dem kleinen
Sack, er drängt sich dauernd auf die Themenliste

Dabei sind wir uns lebend nie begegnet
Weder hat er mich mit zartem Flügelschlag beehrt
Noch hätt ich je ein Mensch-meets-Käfer-Date begehrt
Doch jetzt werd ich mit seinem Rest gesegnet

Käfer! Besser: Panzer aus Chitin
Denn viel mehr ist da nicht von ihm
Was ist genau dein zombiehaftes Sinnen
Mich zu hindern, seriöses Reimen zu beginnen

Dein Memento Mori ist mir fremd
Und auch der vierte Blick auf’s Leichenhemd
Der trocknen Kreatur
Löst bei mir nur
Gedehntes Gähnen aus, das wenig Ende kennt

Ich würde ihn entsorgen, heute Abend noch
Doch allerspät’stens Morgen in ein kleines Loch
Doch klemmt er in der Kiste
Wo ich auch die Liebste
zwischenlager – und die müffelt noch

Lass ma kurz noch über Clubhouse reden. Ja, ich weiß. Nervt. Ist bald vorbei und dann machen wir Myspace wieder auf oder jede hat ihre eigene Mailbox zum mit Modem einwählen und alle freuen sich über die schlechten alten Zeiten. Ich bin da jedenfalls heute morgen vier, fünf Minuten nach dem Aufwachen in ein Literaturgespräch reingestolpert und sofort pingt mich einer auf die Bühne und sagt „Was meinst du denn dazu, Matthias?“ Und, also, das ist nicht mehr mein Internet, das war wie früher inne Schule, nur dass meine Schule zum Glück so mies war, dass wir die Lehrer_innen anpingen mussten, damit vor Ende der ersten Stunde irgendwelcher Unterricht geschieht. Aber zurück zu diesem Literaturkreis um gefühlt 5 Uhr morgens, da ging es irgendwie um Jona und den Wal und ich musste sehr erschrocken feststellen, dass ich diese ganze Geschichte noch auf dem Zettel hatte über Jona und warum er in diesem Fisch rumhocken musste und da muss ich ganz ehrlich sagen: Chapeau, Evangelischer Kindergarten Hunnebrock-Hüffen-Werfen, ihr ward zwar eine echte Fundi-Truppe und sowas wie die Hölle und der Teufel, sowas war für Euch noch voll real und so, aber ihr habt uns die Storys auch wirklich reingebimbst. Hut ab. Ich mach mal: Unnützes-Wissen.de. Aber so richtig und stell mir gerade vor, dass es da draußen so ein, zwei Leude gibt, die ernsthaft alle achtzig Koffer-Wörter-Folgen gehört haben und denke nur: Leck-mich-am-Arsch, vielleicht gibt es Gott ja doch. Aber eins ist mal sicher: Bei ihrem Pensum hat sie die achtzig Folgen garantiert nicht alle gehört. Und eine Bewertung bei Apple-Podcasts hat sich auch nicht geschrieben. Obwohl sie garantiert ein iPhone hat slash hätte, wenn es sie denn geben täte. Also: Gott. Kindchen. Bewertungen und so, die sind wichtig. Und wenn du keine Zeit hast: Sowas lässt sich delegieren. Schon mal drüber nachgedacht? Könnte man den ganzen Christen-Podcasts mal richtig Fame verschaffen. Und mir vielleicht auch. Wünsche euch ein tolles Wochenende und bis Rosenmontag. Tschüß.

Es sind mir die Worte geflohen
Der dichterische Instinkt
Geblieben sind Bibelgeschichten
Und noch diese Kiste. Die stinkt

EKW079 Hiesiges Kennzeichen

TL;DR Eigentlich ist nichts passiert. Aber Du kennst mich, Du weißt, was ein „Eigentlich“ bedeutet. Dass es alles bedeutet außer: Nichts.

Winternachmittag

Die Spuren verlieren sich abseits vom Weg
Ein Sonnenstrahl zwischen den Zweigen
Schneeknirschende Stiefel mit leichtem Gepäck
Und Misteln erwürgen zwei Weiden

Ein Krähenschwarm harrt in den Wipfeln am Fluss
In starrendes Schweigen gehüllt,
Ein Pärchen, zwei Hunde, ein einsamer Gruß,
Die Sohlen versinken im Feld

Zwei Ratten am Ufer, sie schlendern hinfort
Aufs Eis, gerade abseits genug
Was bleibt ist der Abschied, die Sprache, das Wort
Der Groll und das Hadern, die Wut

Ein Bussard stößt tief in die Kronen hinab
Die Krähen verschwinden im Wald
Die Ratten erstarren, es bleiben nur grad
Noch die Augen, gerötet und kalt.

Hiesiges Kennzeichen

Eigentlich ist nichts passiert. Aber Du kennst mich, Du weißt, was ein „Eigentlich“ bedeutet. Dass es alles bedeutet außer: Nichts. Ich kann Dich förmlich sehen, wie Du mit den Augen rollst. Denkst: Komm zum Punkt. Aber dieses Mal irrst Du Dich. Denn „Eigentlich nichts“ bezeichnet in diesem Fall das Eichhörnchen (das rein von der Größe her einem „Nichts“ bedeutend näher kommt als unendlich viele, nachweislich größere Dinge. Wie: ein Mann, ein Flugzeugträger, ein Meteor, eine Supernova, ein Schwein, oder ein Taliban).

Dieses Mal also das Eichhörnchen, das nicht da war.

Dabei war es sonst immer da, zumindest, wenn ich eine Zeit lang am Fenster saß und Ausschau hielt. Nicht aber an diesem Tag und auch nicht an den folgenden, so dass seine Nichtanwesenheit eine zunehmende Irritation meines Tagesablaufs bedeutete. Ich muss das vielleicht klarstellen: Wir reden von einem Lebewesen mit festen Gewohnheiten und einem klar begrenzten Lebensraum. Ich habe mich ein bisschen eingelesen. Eichhörnchen tun so etwas eigentlich nicht: Ausbleiben. Wenn sie nicht gerade Winterruhe halten, sind sie da. Beziehungsweise: Wenn sie keine Winterruhe halten und dennoch nicht da sind, sind sie nur kurz mal weg. Futtersuche. Partnersuche. Aber es war bereits Dezember. Nicht die Zeit für Partnersuche. Und die Futtersuche war meinen Beobachtungen nach weitgehend abgeschlossen. Die Futterverstecke waren seit Langem gut gefüllt mit Nüssen und Samen, und der Kobel oben in der großen, zerfledderten Fichte voll mit Blättern und weichem Moos. Jetzt war nicht mehr viel zu holen.

Deine Augen: Sie rollen schon wieder. Aber genau das war passiert, völlig gegen alle Gewohnheiten. Statt dem Eichhörnchen, das ich jeden Tag durchs Fenster beobachten konnte, war da: Nichts. Und ich starrte noch ein wenig und war dann ebenfalls kurz mal weg. Partnersuche. Futtersuche. Doch es war bereits Dezember. Nicht die Zeit also. Hätte man wissen können.

Als ich nach einigen kurzen, grauen Tagen wieder zurück kam, sah ich das Eichhörnchen unter einem Auto liegen, direkt vor dem Haus. Sein Zustand war noch erbärmlicher, als der des Autos, unter dem es lag. Wir reden nicht von einem einfach nur etwas ungepflegten oder älteren Modell. Sondern einer regelrechten Ruine von einem Auto. Ein dunkelgrauer Golf, hiesiges Kennzeichen, mit Beulen und Lackschäden an allen Seiten. Ein Reifen war platt, die Heckscheibe hatte einen Sprung und die TÜV-Plakette war seit neun Monaten abgelaufen. Ja, ich habe mir die TÜV-Plakette angeschaut, auch auf die Gefahr hin, dass Du mich einen Tüvplakettenableser nennst. Es interessierte mich einfach. Im Inneren des Autos lagen Stapel von Papier herum, zum Teil sauber in Folie gepackt wie zur Auslieferung, zum Teil völlig durcheinander. Daneben Kaffeebecher, Süßigkeitenverpackungen, leere Tabletten- und Zigarettenschachteln. Mir war der Wagen vorher nie aufgefallen, obwohl er direkt vor meiner Haustür, auf der anderen Straßenseite am Bürgersteig geparkt stand. Aber Du kennst die Gegend, hier parken viele Autos, auch viele alte. Und da ich selbst keins besitze, kümmere ich mich auch wenig um die anderen. Tatsächlich musste der Wagen schon längere Zeit hier parken. An den Scheibenwischern hatte sich totes Laub festgesetzt.

Der Kadaver des Eichhörnchens lag vor dem linken Hinterrad, die Hinterläufe unter dem Reifen (dem platten Reifen) eingeklemmt. Was die Dezemberkälte gnädig an Verwesung verzögert hatte, schienen vertretungsweise die Ratten erledigt zu haben. Was sollte ich tun? Meine Nachbarin, die ein Stockwerk unter mir wohnt, kam mit dem Fahrrad vorbei. Ob ich mich für die Verrückte interessiere, rief sie mir im Vorbeifahren zu, dann stieg sie ab und schob zurück. Die Verrückte? Ja, der das Auto gehört. Ob ich sie denn nie sehe, wenn sie nachts manchmal um ihr Auto herumschleicht. Nein, sagte ich, ich habe mein Fenster nach Hinten, zu der Fichte im Garten. Ja dann, sagte sie. Die Frau habe mal schräg gegenüber im Copyshop gearbeitet, aber jetzt nicht mehr. Hat noch den ganzen Kram aus dem Laden im Auto. Irgendein Zerwürfnis. Sie komme manchmal nachts her, gehe um den Wagen herum, setze sich manchmal auch hinein. Seit Monaten ginge das schon so. Ich zeigte auf das Tier. Es sieht so aus, sagte ich, als seien die hinteren Beine eingeklemmt. Wie kann das sein, wenn der Wagen nicht bewegt wurde? Ja seltsam, sagte die Nachbarin. Sie schob ihr Fahrrad durch das Gartentor und kam mit einer Schaufel und einem Plastikeimer zurück.

Abends brachte ich mein Bettzeug ins Wohnzimmer, das zur Straße hin geht. Das Sofa war nicht besonders bequem, aber ich wollte wenigstens ein paar Stunden aushalten und schauen, ob am Auto etwas passiert. Doch sie kam nicht zurück. Nach zwei Wochen fuhr früh morgens ein Abschleppwagen vor und lud den Golf auf die Ladefläche.

Das Sofa habe ich übrigens zum Speermüll gebracht. Seitdem steht mein Bett direkt am Wohnzimmerfenster, so dass ich nachts, wenn ich nicht schlafen kann, auf die Straße schaue. Jetzt, wo morgens niemand mehr den langen, dünnen Ast vor meinem Fenster entlangläuft, um mir beim Aufwachen zuzuschauen, finde ich nichts mehr am Blick nach hinten. Ich weiß, dass Du es mochtest, morgens im Bett fast wie in einer Baumkrone aufzuwachen. Aber die Straße ist eigentlich besser, jetzt. Ja, ich weiß.

EKW078 Schuppenshampooode

TL;DR Hätte Rilke sich über Innensechskantschlüssel informiert? Oder Lasker-Schüler? Bachmann? Erhardt? Nein. Weil sie nie den großen Huren Google und Wikipedia mit ihren aufreizend leeren Suchfeldern gegenübersaßen.

Schuppenshampooode

Rechts neben meiner Nase
Da hab ich ein Ekzem
Es nässt und schuppt im Wechsel
Das find ich unbequem

Und oben auf der Kopfhaut
Da kratzt und juckt es doll
Und wenn ich da mal schrubbe
Hab ich die Tasten voll

Mit hunderttausend Sprenkeln
Wie Winterwonderland
Direkt vor dem Computer
Mit rotem Schorf vermengt

Ich fühl mich wie Schneewittchen
Nur ohne jeden Zwerg
Und schüttel ich die Haare
Gibt’s einen Schuppenberg

Zum Glück jedoch kommt heute
Mein Schuppenshampoo an
Und macht aus einem Monster
Fast ’nen normalen Mann
Und macht aus einem Monster
Fast ’nen normalen Mann

O Online-Apotheke
O Pharmaindustrie
O Terzolin von Stada
O Gott, ich liebe sie

O Online-Apotheke
O Pharmaindustrie
Und oh, verpiss dich bitte,
Scheiß Homöopathie
Und oh, verpiss dich bitte,
Scheiß Homöopathie

Hi, Matthias hier. Homöopathie, oder? Wirklich tricky zu buchstabieren, wenn man nicht allzu viele Berührungspunkte damit hat. Aber so ist das ja mit vielen Dingen. Inbusschlüssel zum Beispiel schreibe ich nie, aber immer wenn ich so ein Teil im Internet bestelle, schreib ich’s falsch und dann stolpere ich wieder über diese ganze Inbusschlüsselstory und das wie und warum und lese ganze fucking fünf Minuten über Kram, der mich wirklich noch nie interessiert hat und ich weiß, dass ich den Wikipedia-Artikel jetzt schon das dritte oder vierte Mal lese, alle fünf Jahre einmal, aber es ist überhaupt nicht interessant und wird auch nicht interessanter, man könnte Sprachen lernen stattdessen oder wie ein Ottomotor funktioniert oder man könnte die Kinder küssen aber nein! Innensechskantschlüssel von Bauer und Schaurte ist das Thema der Stunde und das ist wirklich gaaaaanz schlimm! Hätte Rilke sich über Innensechskantschlüssel informiert? Oder Lasker-Schüler? Bachmann? Erhardt? Nein. Weil sie den großen Huren Google und Wikipedia nie gegenübersaßen, die mit ihren aufreizend leeren Suchfeldern zum semantischen Exzess auffordern und geile Neugierde in riesige Berge unnützen Wissens verwandeln wie Gold zu Stroh. So siehts nämlich aus. Und statt einem Panther entsteht auf diese Weise nur ein Innensechskantschlüssel.

Innensechskantschlüssel

Was haben wir gezweifelt
Was haben wir gefleht
O Innensechskantschlüssel
Ob das Regal wohl steht

Was haben wir beim Rotwein
Was haben wir beim Bier
Den Innensechskantschlüssel
In Kurzform buchstabiert

Was haben wir im Frühjahr,
Im Sommer und im Herbst
O Innensechskantschlüssel
Über Dein Sein gescherzt

Was haben wir im Winter
Gestritten uns als Paar
Weil Innensechskantschlüssel
Nicht mehr zu finden war

Und haben uns im Jähzorn
Das Dasein aberkannt
Den Innensechskantschlüssel
Bis tief ins Herz gerammt
Den Innensechskantschlüssel
Bis tief ins Herz gerammt

Tja, meine lieben Koffer. Es ist alles wirklich ganz doll tragisch. Und traurig auch. Aber die gute Nachricht ist, dass ich noch ein klitzekleines Reimdingsi für Euch habe, bevor ich für heute in die Heia gehen darf. Bis Morgen! Tschüss.

Ich habe Dich sehr geliebt
Die beste von allen, das biste.
Hast mir so viel Freude gebracht
Ach Fritz-kola-zuckerfrei-Kiste

Ich hätte dich fast nicht gekriegt
Denn ausverkauft dauernd, das biste
War schön, es hat Freude gemacht
Ciao Fritz-kola-zuckerfrei-Kiste
Und Pfand hast Du auch viel gebracht
Ne wertvolle Kiste, das biste
Ciao Fritz-kola-zuckerfrei-Kiste

EKW077 Eirōneía

Man sagt von Sokrates, dass er
Sehr häufig leicht und manchmal schwer
Getrunken habe. Wie auch immer
Hab ich auch, zuweilen schlimmer,
Und hab dennoch keinen Schimmer

Schau, ein trautes Liebespaar
Das ich gestern schon mal sah
Nur die Frau war männlicher
Und der Mann ein Hasch-Händler
Doch der Kuss war ähnlich nass
Und er machte beiden Spass
Darum mag ich diesen Park nie
Weil man arg viel gleichen Quark sieht

Ein Pillendöschen liegt im Schnee
Versehentlich, wie ich das seh,
Denn es gehört ’ner süßen Oma
Die jedoch in tiefem Koma
Neben ihrem Döschen ruht
Auch wenn ihr das nicht allzu gut
Aufgrund des kühlen Grundes tut

Was bracht die alte Dame gerade
In die arg prekäre Lage
Hier im Schnee herumzulümmeln
Wo’s doch offensichtlich drinnen
In der Stube für Senioren
Schöner ist als tiefgefroren
Mitten in der Eis-Idylle
Sich in feisten Schlaf zu hüllen?

Nun. An Gründen herrscht kein Mangel
Erstens hat die Frau wohl Bammel
Dass, sobald sie wieder klar,
Und ihr Denken wieder da,
Sie erneut die Wahrheit sehen
Muss. Und das erzeugt ein Flehen
Ihres unbewussten Selbst
Sich der Wahrheit auf die Schnelle
Nicht, zumal nicht hier, zu stellen

Zweitens: Jede wird verstehen
Dass, sollt man den Schnitter sehen
Den Freund Hein, den Sensenmann,
Man mal leicht bestürzt sein kann
So geschehen hier und gerade
Und als dann die Pillen – schade –
Statt im Hals im Schnee zu liegen
Kamen, war’s schon fast entschieden
Also schnelle Ohnmacht statt
Zug um Zug dem Tod schachmatt
Zu gewähren um dann schnell
Herabzufahren in die Hölle.

Nur: Da gibt es einen Haken,
Denn der Tod hat Zeit, kann warten
Und des Winter Kälte spielt ihm
Unschwer sichtbar in die Karten.
Zwar gibt’s seines Wissens keine
Hölle für der Frau Gebeine
Andrerseits wird sie alleine
Schimmeln hier im Winterschreine

Und, hat sie das denn verdient?
Schwer zu sagen, vielleicht find‘
Die eine oder and’re Stelle
Eine gut belegte Quelle
Für Verbrechen uns’rer Oma
Oder nicht. Auf alle Fälle
Liegt und bleibt sie noch ’ne Weile
Schau’s Dir an. Nur keine Eile.

Marienkäfer, Marienkäfer, Marienkäfer im Schnee
Marienkäfer, Marienkäfer, das tut den Beinchen doch weh
Marienkäfer, was fliegt du nicht
Gen Süden, wo gleißend das sonnige Licht
Sich im Funkeln Deiner Facetten bricht
Marienkäfer, Marienkäfer, Marienkäfer im Schnee
Marienkäfer, Marienkäfer, das tut – ratsch – nee, jetzt is okay

Es saß ein Eichhorn tief im Baum
Es saß und schlief, man sah es kaum
Doch hin und wieder hörte man
Es schnarchen und man dachte: Mann!
Wann bin denn endlich ich mal dran
Mit schlafen. Ich bin müde. Hamm‘
Doch stramm geackert, man begann
Schon früh und eh man sich besann
War’s spät, wie doch die Zeit verrann

Und eben an dem Baume wo
Das Eichhorn schnarchte, sann man so
Besonnen vor sich hin und kam
Zum Schluß bei dem Gedanken an
Dass man es doch nicht ändern kann
Und fasste den finalen Plan
Das Eichhorn schnarchte mit Elan
Da hatte man es schon getan
Und hing am Ast der höchsten Tann
Und glotzte tot das Eichhorn an

Müde bin ich, Känguru, mache meinen Beutel zu. Schlachte und panier ein Schwein, pfeife mir ein Schnitzel rein und ich weiß, dass keiner grollt, denn das Schwein hat’s auch gewollt.

EKW076: Ein Hoch den Dilettanten

TL;DR Mach Dich ehrlich, Mann. Du bist ein durchschnittlicher Typ mit einer verfickten Multiplen Sklerose im System. Einer lausigen Krankheit, die eine wunderbare Entschuldigung für alles Mögliche ist und von Zeit zu Zeit den Mitleidsbonus aktivieren hilft.

Schlittenfahren

Dichten ist wie Schlitten fahr’n
Mit Fingern Tasten und mit Lippen Klippen überfahr’n
Bei mieser Sicht und off’nem Mund
Dem dunklen Grund entgegen reimen
Über-, mittel-, unklomplexe Sätze in ein Loch zu schrei’n
Und doch im Zweifel… nichts zu meinen, unverstanden sein

Ach, bin ich nicht ein Glanzpoet
Der Rebellion?! Ich tanze auf dem Totenbett
Und übe schon wie Orpheus in der Unterwelt
Die Ode auf die Liebe anzustimmen
Und den toten Vollidioten Leidensschaft zu bringen
Bringt nur nix. Ich singe und sie schweigen
Wie es sich gehört für Vollidioten
Leider machen’s nur die Schlauen und die Toten

Also wieder hoch, den Hügel rauf
Und auf der Kuppe Lieder schmettern
Um mit Schwung den Hang hinabzubrettern
Weil es Spaß (und Denken nebensächlich) macht
Und zwischendurch Herrn Sisyphos zu retten
Der den Stein zum Teufel jagt und fast ein bisschen lacht

Ach, Dichten ist wie Schlitten fahr’n
Herab! Und ab und an ein Tränchen züchten
Und, wenn’s gilt, sein Fähnchen stramm im Wind,
Ins Ungefähre flüchten. Lachen, Weinen aufzuschichten.
Ist wie Schlitten fahr’n, in voller Fahrt zu schreiben
Niemals stehen bleiben
Und dem Nichts ein paar famose Reime
Unter’s Näschen reiben

Hi, Matthias hier. Das hier ist die sechsundsiebzigste Folge des Koffer-Wörter-Podcasts und ganz im Ernst: Scheiß drauf. Scheiß auf alles in mir drin, das zur Mäßigung und zur Verständlichkeit mahnt. Ich hatte ein handwerklich sehr solides zweites Reimdingsi geschrieben, und das ist jetzt einfach mal im virtuellen Papierkorb gelandet und soll verfaulen. Es war in einem Maße durchschnittlich furchtbar, das mir die Schamesröte ins Gesicht treibt. Manchmal, vielleicht kennst du das, lieber Koffer, erfasst mich die Sucht, von allen geliebt und bewundert zu werden und heidewitzka, ist das eine narzisstische Kackscheiße. Wie alt bist Du, Matthias? 16? Ich glaube, ziemlich viel in diesem Gehirn ist immer noch 16 und das ist einerseits ja ganz nett wegen sich nicht alt und fertig fühlen, denn das wäre wohl das Gruseligste, was ich mir so vorstellen kann. Andererseits aber: arme Sau. Ehrlich. Mach Dich ehrlich, Mann. Du bist ein durchschnittlicher Typ mit einer verfickten Multiplen Sklerose im System. Einer lausigen Krankheit, die eine wunderbare Entschuldigung für alles Mögliche ist und von Zeit zu Zeit den Mitleidsbonus aktivieren hilft. Weil du beispielsweise nicht mehr Gitarre spielen kannst, denn es fühlt sich an wie wenn ein Riese einen Hochspannungsmast streichelt. Also notdürftig das Klavier angeschlagen und einfach die vier bis fünf Akkorde immer weiterspielen, du du beherrscht. Nicht weil Du es kannst oder willst, sondern weil es irgendwie heraus muss. Und dann sind mir such die 1-Sterne-Rezensionen bei Amazon für mein lausiges Buch egal. Denn es ist mein Buch, ich habe es genauso, Satz für Satz und Wort für Wort mit meinem lausigen Stil und mit meiner lausigen Geschichte vollgeschrieben und wenn dir das nicht gefällt, dann fickt dich halt und get a Job. Schreiben ist mehr als in Kategorien passen, als Plots entwerfen und Charaktere zu entwicklen. Das Leben, Arschloch, ist keine Netflix-Serie, und auch das Darüber-Schreiben lässt sich in keinem scheiß-fick-verkackten Autorenkurs lernen. Und Stil… Ja, Stil! Hör mal in die Klavierbegleitung rein, DAS ist lausiger Stil, pathetische Pfuscherei. Aber komm mir nicht mit Stil bei Texten, denn die folgen Regeln, die nur ich allein bestimme. Das ist Sprache, und dafür gibt es keine objektiven Kriterien, sondern nur ein „Gefällt mir“ oder ein „Gefällt mir nicht“ und that’s it. Alles andere ist Opferlyrik. Leute wie Du haben die Dilettanten zu einem Schimpfwort gemacht und das ist genau das, was die Kunst und alle Liebe zu ihr tötet.

EKW075 Chekhovs Swatch

Lippenbalsam birgt für wunde
Junge Hunde frohe Kunde
Mit Labello fettet kesser
Bello seine Kette besser

Hi, Matthias hier. War eine lange Woche, nicht wahr? Apropos ‚war‘, hehe, ich war heute einkaufen, so richtig draußen und mit einer übel riechenden FFP7-Maske, die die Viren schon mit ihrem Gestank töten soll, schätze ich. Ich sah aus wie Hannibal Lecter, nur kannibaliger, weil ich eh sowas raubtierhaftes an mir habe, wenn ich mich auf meine Streifzüge durch die Savannen des REWE begebe. Es war ein trauriger Einkauf, weil es keinen in Plastikschläuche verpackten Hipster-Sauerteig von Seitenbacher für einsfünfzig gab und jetzt werde ich die zum Sauerteigansetzen notwendige Mehlportion im Wert von 10 Cent wohl selbst sauer werden lassen und muss die freigewordenen 1,40 EUR bei Amazon für Kabel ausgeben. Dennoch war der Einkauf insgesamt wieder einmal Höhepunkt meines Tages, denn ansonsten habe ich… Nein, Stopp. Es gibt tolle Neuigkeiten! Die Sonne, also unsere, hat Geschwister. Habe ich heute in einem Astronomie-Podcast gehört und eigentlich wusste ich das schon mal, hatte es aber wieder vergessen. Ich bin mit diesem Verwandschaftsscheiß sowieso echt mies und spätestens bei den Cousinen und Cousins der Eltern geht meine Aufmerksamkeitsspanne gegen Null. Ich schätze, das wäre anders, gäbe ich Celebrities oder Bonzen im weiteren Umfeld meines Genpools. Gibts aber nicht. Eine Sarg- und eine Küchenmanufaktur, mehr gibts da nicht und in Ostwestfalen eine Küchenfabrik zu haben ist in etwa so ungewöhnlich eine Warze am Fuß. Aber ich war ja bei der Sonne. Die hat Geschwister, ganz in echt, nur dass die alle abgehauen sind beziehungsweise wahrscheinlich eher die Sonne von ihnen abgehauen ist, als die Eltern explodiert sind und es Streit um die Hollywoodschaukel gab. Ich finde das einer sehr poetische Vorstellung, Sternengeschwister. Leider werde ich nie ein Reimdingsi draus machen können, wegen Kitschalarm. Ich bin da sehr empfindlich, weil ich durchaus empfänglich für Kitsch bin und mir darum dreiundsiebzig Warnlampen gegen Kitsch zugelegt habe, die alle schon immer ganz zitterig werden, wenn ich mal wieder über das böse L-Wort reimdingse. Und darum, Ihr lieben Koffer, geht’s im nächsten Reimdingsi auch nicht um L., sondern um Ameisen und Pferde. Und keine Sorge, die nicht-jugendfreien Szenen habe ich rausgestrichen, Apple. Mama.

Winter 21

Mit der Sonne kommen die Ameisen
Auf der Allee schreiten sie zu hunderten Versäumtes ab
In ein, zwei, Dreierkombipacks
Sie trippeln stelzen trampeln hier zur
Kommunikation mit Außen Hallo ich bins nur und draußen
Trau mich weil ich brav die Antidepressiva
Blutdruck Herztabletten nehme die man mir da
Neulich mit dem Zoom verschrieben hatte
Schau die alte Matte weg und Haare sind doch schön nur länger
So wie früher mit dem Parka als ich noch den SPD-Anhänger
Und ein Polizeipferd kontrolliert im Abzählreim
Sie dürfen Ene-Mene hier in dieser Form nicht sein
Sie müssten bitte dreierpaschig auf den Wegen zuckeln
Denn die tiefe Freundschaft ist dem Biest egal es lebt davon
Und statt zu buckeln klumpt der Haufen sich und Steuerzahler
Weisen auf den Umstand ihrer Leistungsfähigkeit und
Habichjanochnieerlebtduliebezeit ein bisschen abseits wird
Ganz klassisch Kokain gewechselt unter müden Pferdeblicken
Regenwolken wölken rücken doch dem Polizeipferd gegenüber Streiten heitere Prinzipienreiter und ein Woodstockschauer wird gepriesen weiter vorne auf den Wiesen von den Horden
Die statt in den Bau zum Stehcafe am Kiosk pilgern
Und den Überdruss mit mildem Cappuccino morden
Heute war doch schön und alle toll an einem Strang
Und nur ein Pferd steht traurig in den Ställen
Hustet bang sein Pferdebellen froh den Ameisen entkommen
Und im Heu zu sein und
Menschen, oder?
Abends noch ein Gläschen Wein

Ich weiß, du schaust schon wieder traurig auf dein Podcastempfangsgerät und haderst mit der nur noch kurzen verbleibenden Zeit, bis auch diese Folge des Koffer-Wörter-Podcasts und damit auch eine weitere Woche sich dem Ende neigt. Aber die Wahrheit ist: Ich muss jetzt erst mal ein Wochenende Netflix, Disney-Schissel-Plus und Amazon-Prime durchgucken, um sowas Ähnliches wie Leben zu erfahren, über das ich dann fünf Tage lang reimdingsen kann. Vielleicht verticke ich auch noch mal was auf Ebay-Kleinanzeigen, da steckt ja doch immer einiges an Echtmenschinteraktion drin und die ist zwar furchtbar schlimm, aber eben auch der Stoff, aus dem die Reimdingsis sind. Hier liegen ja noch ein paar alte Kabel rum. Ich sag Euch Bescheid. Tschüss.

Schorsch zerdrosch im Zorn die Swatch
Die Chekhov trug als er erlosch
Die Fälschung flog flugs auf als Schorsch
Das Swatch-Zertifikat erforscht

EKW074 Chocos, der Knusperbär

TL;DR Da war dieser Junge in der Kelloggs-Frosties-Werbung und der sollte Eishockeysurfen oder was man eben so macht, wenn man als Süßzerialienfressender Gesamtschülerblondie auf der Rütli-Schule nachmittags das Heroin weggeraucht hat, aber die anderen sehen voll gut aus und waren beim Friseur. Was tust du?

am baum vor meinem fenster
an der efeuranke
zittern auf und ab
zwei blätter
tot im wind

wie vögel
auf und ab
die schnäbel
je dem andern
zugewandt ins spiel
vertieft: der paarung
hin und her einander zu
gewandt ein auf und ab
im hin und her und dann
nicht mehr nur auf und ab
und her und hin
ein totes
blätterpaar
im wind

Hi, Matthias hier. Holt Eure Frohlockenstäbe heraus, ihr lieben Koffer, ich las bei einem Open Mic und wurde nicht geschlachtet! Was wegen des digitalen Charakters der Veranstaltung zu erwarten war, aber erzähl das mal jemand meinem Adrenalinspiegel. Excitation Transfer ist das Stichwort, der zu Flucht und Tod und überhaupt allem bereite Körper trifft auf eine quietschfidele Psyche, die nach absolvierter Hochspannung schon wieder in Unterhose mit Kippe und Bierdose durch die Küche schlurft, während er, der Rest, noch Tiger töten möchte.

Oh Tony! Das schaffen wir nie! Kein Problem, wir halten nur kurz eine Frosties-Packung in die Kamera und gehen wieder schlafen… Ich hab Dich gerade verloren, oder? Werbereferenzen aus den späten 1980er-Jahren sind, das muss irgendwann mal ein mein mittelleistungsfähiges Gehirn hineingeprügelt werden, absolut kein No-Brainer. Also: Da war dieser Junge in der Kelloggs-Frosties-Werbung und der sollte Eishockeysurfen oder was man eben so macht, wenn man als Süßzerialienfressender Gesamtschülerblondie auf der Rütli-Schule nachmittags das Heroin weggeraucht hat, aber die anderen sehen voll gut aus und waren beim Friseur. Was tust du? Richtig, bei einem Werbecasting mitmachen. Mit einem strunzdummen Zeichentricktiger, der dauernd nölt, das Chocos, der Knusperbär den viel besseren Song hat und das fiese ist, Tony hat recht, weil: Keiner knuspert mehr, als Chocos, der Knusperbär. Yeah. Welch unschuldige Zeiten, in denen man noch Yeah auf Bär reimen konnte! Das Problem war, dass Chocos Gesamtanmutung doch stark an Disneys Balu aus dem Dschungelbuch angelehnt war. Und weil der wiederum mit Käpt’n Balu und seiner tollkühnen Crew gerade ein Megarivival im Disney-Club feierte, wurde da im Hintergrund, darauf wette ich einen Kubikmeter Honynut-Loops, ein fetter Urheberrechtsprozess geführt. Oder? Klingt das logisch? Ich hab’s gerade gegoogelt und was ich fand war folgende Schlagzeile: „KELLOGG’S TEAMS UP WITH DISNEY TO BRING MAGIC TO BREAKFAST TIME WITH FROZEN“. AKA: Die Schlappschwänze haben gekniffen und machen gemeinsame Sache.

Aber wir wollen ja eigentlich über meinen erfolgreichen Tag reden. Oder? Höre ich Widerspruch? (Nein.) Gut. Ich bin jedenfalls megastolz auf mich und habe jetzt nur ein wenig Sorgen, dass die fünf bis sieben Clubhause-People, die da zugehört Habens denken, ich wär so ein lustiger Reimonkel und gar nicht der zart-zerbrechliche Hitler-Witze-Reißer, den meine Kofferitas alle so heiß und innig lieben. Was also tun? Nuuuuuun. Dafür schließen wir alle einmal kurz die Augen, denken an alte CDU-Wahlkampfvideos auf Youtube und freuen uns jetzt erst mal auf seriöse Reimdingsie-Kunst

episoden meiner angst (2)

strahlend deine augen
schimmernd liegt
conchiolin
in deiner hand
es mir zu schenken

lichtes tor
der eintritt in die räume
mit perlmutt belegten wänden
milde dämmerung und
tiefe schatten sinistral
gewundener spirale

weiter führt
die dunkelheit
aragonith
gespannte streben
enger einen kreis um
meinen gang

der stetig
kleiner schritte macht
der spindel
meiner lähmung zu
im schneckenhaus

Dö-Dö-Dong. Die Stimmung im Keller und erste Fragen häufen sich, ob sich heute denn gar nix richtig reimen tuen kann bzw. reimen können tut. Und: Geht, sag ich mal. Denn, um ganz ehrlich zu sein: Die Reimdingsis heute kommen alle aus einer Weltkriegsreserve für die wirklich schlechten Zeiten. Aber ich hab gemerkt, dass ich in Hochstimmung wirklich gar nix lyrisches auf die Matte bringe und da habe ich eben angefangen, die Notvorräte zu plündern. Das ist die Krux am Glücklichsein. Dieser Mangel an Selbsthass macht mich gefährlich unkreativ. Lichtblicke kamen da nur von Amazon, denn irgendeine Schlampe, bzw. bleiben wir gendergerecht, irgendein Horst Wessels meinte, meinem Bauch „Im Moor“ genau EINEN Stern geben zu müssen. Ich meine, einen! Hast du schon mal einen Stern gegeben für ein Buch, dass Du nicht gut fandst, dem Du aber angemerkt hast, dass da ein bisschen Arbeit und guter Wille drinsteckt? Ich hoffe nicht, denn sonst bit du ein riesengroßes Arschloch! Wie muss ich mir so ein Ein-Sterne-für-Bücher-Geber_innen_Leben vorstellen? Ist das eher Frust über die eigene Scheiße von Leben oder einfach nur böser Wille? Denn, ich muss dazu sagen, dieses Buch, zumindest das E-Book, gibts gerade wegen einer undurchschaubaren Amazon-Werbeaktion für fünf Tage für Umme. Nix. Das dumme Schwein zahlt nix, aber gibt erst mal einen Stern. Ach, herrlich.

Ich muss sagen, es geht mir schon wieder besser. Also schlechter. Gibt also keinen Grund sich Sorgen zu machen. Es fließt schon wieder. Aber nicht mehr heute. Tschüß.

anerkennung

geht, gespannt wie eine feder
sieht, wie jeder vor den plaetzen steht
die arme weit gestreckt, gereckt den hals
hinauf, die augen keck dem kampfgericht
entgegen; laecheln. fest. verwegen

liegt zitternd im bett, der magen
verkrampft; duerr wie ein brett, verbissen
und verbittert

erzaehlt nicht von traeumen, verschlossene
miene haelt alle gefuehle gefangen
und zaehlt die vergossenen traenen der lieben
nicht, sucht nach vergangenem, findet nur schemen
des alten verlangens und sieht ein gesicht
verzweifeln im scheinwerferlicht